Wenn das Raclette am «Sommer»-Filmabend zum Renner wird
Open-Air-Kino in Uster
Winterkleider und Regenponcho statt T-Shirt und kurze Hosen: Das Open-Air-Kino in Uster leidet unter Wetterkapriolen. Und einem schwergewichtigen Schadensfall.
Es ist Anfang August und eigentlich Hochsommer. Doch das Publikum auf der Tribüne ist in Winterkleidung eingehüllt und mit Wolldecken ausgerüstet.
Und in diesen Tagen auch sehr gefragt: ein Poncho. Schliesslich sorgen immer wieder spontane Regengüsse für Überraschungen. Dabei sollten diese eigentlich vorne auf der grossen Leinwand zu sehen sein.
Immer feuchter und kälter
«Die bisherige Saison ist wettermässig sehr durchzogen», meint Christoph Jost, der seit 24 Jahren das weitherum grösste Open-Air-Kinoerlebnis neben der Reithalle im Ustermer Buchholz organisiert. Der Auftaktabend am 20. Juli war noch schön. «Seither ist es feuchter und kälter geworden», hält Jost fest.

In den letzten Nächten ist die Temperatur auf 11 Grad gesunken. «Open-Air-Erprobte kommen da gut ausgerüstet ins Kino unter freiem Himmel.» Das seien vor allem Leute, die sich die Tickets im Vorverkauf sicherten. Doch die spontanen Eintritte bleiben an solchen Abenden aus.
«In den letzten 24 Jahren haben wir immer wieder schlechte Sommer gehabt. Aber jeder derartige tut weh», meint Jost, der sich in den vergangenen Tagen selbst einen Schnupfen geholt hat.
Schlechtwetter hält Publikum ab
Wegen des Wetters ist auch der Publikumsaufmarsch bisher bescheiden gewesen. Der Schnitt liege wohl bei rund 200 Leuten. Platz hätte es auf der Tribüne für 909.
Jost, der mit seinem bis zu 15-köpfigen Team auch für das Catering sorgt, stellt fest, dass an diesen kühlen Abenden vor allem wärmendes Raclette gefragt gewesen ist. Damit dieser Teil für ihn profitabel werde, müsse er 200 bis 300 Besucher haben.

Neben dem Wetter hängt der Besucheraufmarsch auch vom Programm ab. An den insgesamt 31 Vorstellungen – die letzte findet am 20. August statt – sind auch mehrere Reprisen wie «Monsieur Claude und sein grosses Fest», «Top Gun: Maverick» oder «Avatar: The Way of Water» zu sehen.
Sie seien recht gut besucht. «Diese Filme leben davon, dass sie auf einer grossen Leinwand angeschaut werden können. Ein Luftkampf hier ist doch etwas ganz anderes als zu Hause am kleinen Bildschirm», meint Jost.
Barbie statt Super Mario
Bisherige Publikumsrenner sind «Ein Mann namens Otto» mit Tom Hanks oder die jüngsten Fortsetzungen von «Mission: Impossible» und «Indiana Jones». Enttäuscht hat dagegen der Animationsfilm «Der Super Mario Bros. Film».
Eigentlich hätte er in Uster noch ein drittes Mal gezeigt werden sollen. Doch nun ist er kurzerhand aus dem Programm gekippt worden. Zu sehen sein wird stattdessen ein zweites Mal «Barbie». Dieser Streifen, der grosse mediale Aufmerksamkeit gefunden hat, dürfte auch in Uster zum absoluten Renner werden: «Der Vorverkauf läuft sehr gut, auch schon für die Zusatzvorstellung.»

Das einmonatige Open-Air-Kino bringt dem Veranstalter lange Tage oder eben Nächte. «Wir verlassen den Platz hier oben meist erst nach Mitternacht um halb oder um ein Uhr.» Am nächsten Tag muss er dann gegen Mittag wieder einkaufen gehen.
Liveauftritte im Buchholz
Trotz der Arbeit kann Jost auch mal einen Blick auf die Leinwand werfen. Sein Lieblingsfilm ist diesmal die Schweizer Produktion «Die goldenen Jahre». «Gerade für ältere Semester wie mich gibt es da ein paar Aha-Erlebnisse.» Besonders gefreut hat ihn, dass einmal auch die Hauptdarstellerin Esther Gemsch live im Buchholz gewesen ist. Dass sie die ganze Vorstellung geblieben sei und danach mit den Zuschauern gesprochen habe, sei sehr gut angekommen.
Ein besonderer Abend steht noch bevor: Am 13. August werden die Ustermer Stadt-Jodler einen Auftritt haben. Jost hat sie passend zum Film «Kraft der Naturstimmen» organisiert.

Ein 250 Kilo schwerer Zwischenfall
Einen anderen aussergewöhnlichen Abend hat er bereits hinter sich. Und da war mal nicht das Wetter schuld. Anders als am jüngsten Open-Air-Kino in Pfäffikon, wo eine Vorstellung wegen Sturm abgesagt werden musste, fiel in Uster wegen Schlechtwetter noch nie eine Vorführung aus.
Am vergangenen Samstag aber kam es dennoch zu Josts Premiere punkto Absage: 300 Zuschauer warteten auf den Auftritt von Harrison Ford als Indiana Jones. Doch daraus wurde nichts: Der Projektor versagte seinen Dienst. Die Lüftung war defekt.
«Das tut mir wirklich sehr leid. Es ist das erste Mal in meinen 24 Jahren hier oben im Buchholz, dass so etwas passiert ist.» Als Entschädigung erhielten alle Besucher ein Gratisgetränk – und natürlich ihr Eintrittsgeld zurück.
Und das Ersetzen des Projektors gestaltete sich schwierig. Aus Sicherheitsgründen – es regnete wieder einmal, und dadurch war es rutschig – brauchte es einen Kran, um das rund 250 Kilo schwere Gerät auszuwechseln.
Hoffen auf besseres Wetter
Für diese und die nächste Woche nun erwartet Jost einen versöhnlichen Abschluss der diesjährigen Saison. So verheissen die Wetterprognosen trockene Abende – und es soll sogar wieder Abendtemperaturen über 20 Grad geben.
