Weisslinger organisiert Militär-Grossevent – «Ich bin beinahe tiefenentspannt»
Oberst Pascal Martin im Interview
Es dürfte der grösste Armeeanlass seit sieben Jahren werden. Auf die Beine gestellt hat Connected Weisslingens Gemeindepräsident Pascal Martin. Der Berufsmilitär hofft auf 100'000 Besucher.
Oberst Martin, seit bald drei Jahren planen Sie schon den Armee-Event Connected. In weniger als einem Monat ist es nun so weit, der Grossanlass geht los. Sind Sie nervös?
Pascal Martin: Vor zwei Monaten war ich nervös. Mittlerweile kann ich sagen, dass ich beinahe tiefenentspannt bin. Wir haben mit dem Aufbau des Eventgeländes Anfang Juli begonnen, und jetzt geht es wirklich los. Zu sehen, dass die lange Planung und die Organisation nun realisiert werden, ist ein schönes Gefühl.
100'000 Besucher an drei Tagen erwartet
Connected: So heisst der grösste Anlass der Schweizer Armee seit sieben Jahren. Er findet vom 16. bis 20. August auf dem Waffenplatz Kloten-Bülach statt, wobei die ersten beiden Tage nicht öffentlich sind. Von Freitag bis und mit Sonntag erwarten die Organisatoren rund 100'000 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz.
Das Gelände, knapp 800 Hektaren gross, erstreckt sich von der Kaserne Kloten bis hin zum angrenzenden Waffenplatz. Auf einem Lageplan werden alle Informationen zum Gelände vor Ort zu finden sein. Er beinhaltet Infos zur An- und Abreise, zur – schwierigen – Parkplatzsituation, zu den Ständen und Ausstellern, zur Gastronomie und zum Herzstück des Anlasses. Mit einer Parkplatzgebühr von 20 Franken sollen die Besucher dazu gebracht werden, möglichst mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen.
Geboten wird der breiten Öffentlichkeit an den drei für sie zugänglichen Tagen ein breites Spektrum an Daueraktivitäten und tagesabhängigen Demonstrationen. Diese beinhalten unter vielen weiteren Aktivitäten eine Übernachtung in Familienbiwaks, Wettbewerbe, ein Meet & Greet mit Piloten der Patrouille Suisse am Sonntag, einen Feldgottesdienst, einen Sonntagsbrunch, eine Vorführung der Swiss Drone League oder einen Auftritt der Top Secret Drum Corps. Das gesamte Programm sowie weitere Informationen sind auf www.connected23.ch zu finden.
Gibt es noch ungelöste Knackpunkte?
Ich könnte jetzt sagen: Nein, wir haben alles im Griff. Bei einem so grossen Event treten aber immer wieder neue Herausforderungen auf. Manchmal weiss ich nicht, was mich am nächsten Tag erwartet. Aber genau das macht die Eventorganisation auch sehr spannend.
Als Weisslinger Gemeindepräsident sorgen Sie sich um das Wohl von knapp 3500 Einwohnern. Nun müssen Sie über 100'000 Besucher dirigieren. Wie schaffen Sie das?
Zuerst möchte ich klarstellen (lacht), dass ich nicht 100'000 Besucher dirigiere. Meine Funktion als Projektleiter ist, diesen militärischen Grossanlass auf die Beine zu stellen und erfolgreich durchzuführen. Die Schweizer Armee lädt die interessierte Bevölkerung zu Connected ein. Sie soll erfahren, was unsere Bürgerinnen und Bürger in Uniform Spezielles für unser Land leisten. Und es geht darum, zu zeigen, über welche Mittel die Armee verfügt. Den letzten militärischen Grossanlass in dieser Dimension gab es vor rund sieben Jahren. Es ist der Armee ein Anliegen, sich zu präsentieren und mit der Bevölkerung in den Dialog zu treten.
Sie sind als Organisator ja auch nicht ganz allein.
An Connected arbeiten mittlerweile über 300 Personen in unterschiedlichen Pensen mit. Trotzdem bringt die Funktion als Projektleiter in der Tat einige Herausforderungen mit sich. Ich bin es aber gewohnt, zu führen, zu planen, zu organisieren und zu entscheiden. In der Funktion als Projektleiter Connected sind meine Erfahrungen als Gemeindepräsident auf jeden Fall von Vorteil. In beiden Funktionen habe ich ein gut funktionierendes Team respektive eine gut funktionierende Verwaltung im Rücken, welche mich entlasten und die Aufgaben vorwärtstreiben.
Bleibt aktuell eigentlich noch Zeit für Gemeindegeschäfte?
Ja. Wir führen alle zwei Wochen die Gemeinderatssitzungen durch, die Gemeindeversammlung im Juni ging auch reibungslos über die Bühne, und ich finde noch Zeit, die Organisation der 1.-August-Feier unserer Gemeinde zu unterstützen. Trotzdem bin ich froh, wenn Connected erfolgreich abgeschlossen ist und ich wieder mehr Zeit in meine Funktion als Gemeindepräsident investieren kann.
Sie arbeiten in Uniform. Doch an diesem Grossanlass wirken viele Privatfirmen mit, und Connected richtet sich an ein breites Publikum. Wie zivil ist dieser Job als Projektleiter?
Die Aufgaben als Projektleiter sind dieselben – egal, ob in Uniform oder in ziviler Bekleidung. Als Berufsoffizier arbeite ich stets in Uniform, ich bin es gewohnt. Auch in der Zusammenarbeit mit unseren zivilen Partnern von Connected hat dieser Umstand nie eine Rolle gespielt, das ist schön.
Der Waffenplatz Kloten-Bülach war in den letzten 30 Jahren mehrheitlich meine berufliche Heimat.
Als Berufsmilitär muss man damit rechnen, alle paar Jahre an einen anderen Ort in der ganzen Schweiz versetzt zu werden. Nun haben Sie eine Stelle, die nahe zu Ihrem Wohnort liegt. Ist das für Sie eine ideale Kommandierung?
Ja, das passt für mich bestens. Es ist richtig, dass Berufsmilitärs versetzt werden können, und diesbezüglich kann ich mich sehr glücklich schätzen. Der Waffenplatz Kloten-Bülach war in den letzten 30 Jahren mehrheitlich meine berufliche Heimat, und ich habe dort sämtliche beruflichen Stationen bis zum Schulkommandanten erlebt.
Auf welchen Teil von Connected freuen Sie sich besonders?
Es ist schwierig, auf diese Frage eine konkrete Antwort zu geben, weil das Programm von Connected so viele unterschiedliche Highlights bietet. Mein grösstes wird sein, möglichst viele zufriedene Besuchende auf dem Eventgelände zu sehen.
Ich finde Technologie und insbesondere das Zusammenspiel Mensch und Technologie äusserst faszinierend.
Und was sollten Besucher auf keinen Fall verpassen?
Herzstück unseres Anlasses ist die Arena. Dort wird mehrmals täglich eine mitreissende interaktive Show gezeigt. Besuchende erleben dort die moderne, vernetzte und digitale Gesellschaft. Sie erfahren hautnah, wie die Armee in Zeiten der Krise, beispielsweise bei Stromausfällen, die zivilen Behörden unterstützen kann. Besuchende dringen ein in die Welt der digitalen Vernetzung und erkennen die entscheidende Rolle des künftigen Kommandos Cyber. Man erfährt, wie die Armee in dieser hochtechnologisierten Ära mithilfe digitaler Innovationen verbunden wird, und spürt den Puls der Zukunft der Armee.
Cyber und Digitalisierung sind die Schwergewichtsthemen von Connected. Welchen Bezug haben Sie dazu?
Wenn ich nicht gerade einen Top-Event organisiere, bin ich als Berufsoffizier Chef Telekommunikation der Armee. Die Projektleiteraufgabe war zu Beginn eine Zusatzfunktion. Die Organisation eines Top-Events ist jedoch kein Nebenjob, deshalb habe ich mich bereits nach kurzer Zeit voll und ganz auf den Anlass fokussiert. Mein Bezug zu den Schwergewichtsthemen ist, dass ich seit der Rekrutenschule als Funker in unterschiedlichsten Funktionen hautnah an der technologischen Entwicklung der militärischen Kommunikation mit dabei bin. Ich habe die Quantensprünge der Technologie hautnah miterleben können. Ich finde Technologie und insbesondere das Zusammenspiel Mensch und Technologie äusserst faszinierend. In den Bereich Cyber bin ich mit der Zeit hineingewachsen, aber in der Funktion als Projektleiter von Connected muss ich auch kein Spezialist sein.
Unsere Fachbegriffe lassen wir in diesen Tagen zu Hause.
Diese beiden Themen sind schwer greifbar. Wie schaffen Sie es, dem Publikum etwas Handfestes zu bieten?
Die Erwartungen und die Kenntnisse der Besuchenden zu diesen Themen werden unterschiedlich sein. Unsere Ausstellenden sind darauf sensibilisiert, dass wir unsere Fachbegriffe in diesen Tagen zu Hause lassen und uns an den Kenntnisstand der Besuchenden anpassen. Wir haben einen Anlass für alle auf die Beine gestellt. So wird jeder und jede etwas finden, das einem Freude bereitet. Für die einen ist es die Robotik, für die anderen sind es die Drohnenshows. Über die beiden Kernthemen hinaus zeigen wir auch andere Bereiche der Armee. So wird es die einen zu den Panzern ziehen, die anderen zu den Diensthunden der Militärpolizei oder zu den Flugshows der Patrouille Suisse. Ich bin überzeugt: Es gibt für alle etwas. Und wenn nicht, bieten wir in der Gastrozone die berühmten Militärkäseschnitten an (lacht).
Was denken Sie, welches sind die Publikumsmagneten?
Sicherlich die vorhin beschriebene Arena, sicher auch die Patrouille Suisse oder die Konzerte der Militärmusik. Aber auch hier fällt es mir schwer, mich festzulegen. Das Spektrum ist so breit – es bieten alle Ausstellenden eine enorme Vielfalt.
Wir haben bisher einen heissen Sommer erlebt. Wenn die Temperaturen so bleiben: Was gilt es da als Organisator eines solchen Grossanlasses zu beachten?
Wir haben eine entsprechende Risikobeurteilung, welche in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Zürich sowie Schutz und Rettung erarbeitet wurde. Nicht nur die Temperaturen gilt es zu beobachten. Genauso heikel sind plötzlich entstehende Gewitter oder Unwetter, welche in den letzten Wochen vermehrt über die Schweiz gezogen sind. In unserem Lageverfolgungszentrum sind alle Spezialisten, also Armee, Polizei, Feuerwehr, Schutz und Rettung sowie Meteo Schweiz, miteinander verbunden und in engem Austausch. Wir haben für alle Eventualitäten eine Planung. Natürlich hoffe ich auf schönes Wetter, aber das ist die eine Sache, die ich nicht planen oder organisieren konnte.
Am 21. August ist Connected vorbei und die Verbindung abgebrochen. Was machen Sie danach?
Am 20. August um 17 Uhr schliesst Connected seine Türen. Die Verbindung zur Bevölkerung will die Schweizer Armee unbedingt aufrechterhalten, denn sie ist zentral. Auch für mich persönlich ist die Sache um 17.01 Uhr noch nicht ganz gegessen. Die Rückbauarbeiten werden rund drei Wochen dauern, damit der Waffenplatz Kloten-Bülach wieder in alter Gewohnheit glänzt. Anschliessend steht noch das Verfassen des Schlussberichts mit allen Lehren, Konsequenzen und Empfehlungen für zukünftige Anlässe an. Danach brauche auch ich vermutlich Ferien.
Wartet ein nächster Einsatz in der Eventbranche?
Ein nächster Einsatz in der Eventbranche ist nicht geplant. Ich konnte enorm viel lernen, und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern der Eventbranche war wirklich ausgezeichnet. Ich habe viele tolle Menschen kennenlernen dürfen. Trotzdem: Ich bin Berufsoffizier und werde es auch bleiben.
Was sagen Sie Ihren Weisslingern oder überhaupt den Oberländern, weshalb Sie diesen Anlass besuchen sollten?
So nahe wird man das Gesamtsystem Schweizer Armee in den nächsten Jahren nicht mehr zu sehen bekommen. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich ein Bild über die modernen Mittel und über die Ausrüstung zu machen, und nutzen Sie die Chance, mit den Menschen in der Armee in Kontakt zu treten.