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Wenn Kasse und Spital streiten, leiden die Patienten

Verrechnen die Spitäler Uster und Wetzikon etwa zu viel? Concordia konkretisiert den Vorwurf – und streicht Privatversicherten weiterhin die Leistung.

Die Abteilung für Halbprivat- und Privatpatienten wird für Concordia-Versicherte in Wetzikon und Uster hinfällig. Im Bild ein Zimmer im GZO Spital Wetzikon.

Foto: PD

Wenn Kasse und Spital streiten, leiden die Patienten

Concordia weist Schuld von sich

Zusatzversicherte der Concordia erhalten neuerdings keinen Komfort mehr. Die Spitäler Uster und Wetzikon finden das «nicht akzeptabel». Jetzt wehrt sich die Krankenkasse – und nennt Gründe.

Eleanor Rutman und Bettina Schnider

Wer eine Zusatzversicherung bei der Concordia hat, muss seit letzter Woche auf zusätzlichen Komfort in den Spitälern Uster und Wetzikon verzichten – oder diesen selber berappen.

Der Grund: Die Krankenkasse und acht Zürcher Spitäler konnten sich nach zweijährigen Vertragsverhandlungen nicht einigen. Darunter auch das Spital Uster und das GZO-Spital Wetzikon. Die Tarifverhandlungen wurden vom Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK) geführt – und sind gescheitert.

Das heisst, Patienten, die privat oder halbprivat bei der Concordia versichert sind, haben nur noch Anspruch auf das, was durch die Grundversicherung sowieso schon gedeckt wird.

Intransparente Spitäler?

Vorletzte Woche verurteilten die beiden Spitäler in der Region das Vorgehen der Versicherung. Jetzt verteidigt sich die Kasse.

Das Hauptproblem ist die Weigerung der Spitäler, transparent aufzuzeigen, wie die Preise zustande kommen.

Manuel Bamert

Fachspezialist Unternehmenskommunikation der Concordia

Manuel Bamert, Fachspezialist Unternehmenskommunikation der Concordia, schreibt, der Grund für den jetzigen vertragslosen Zustand seien überhöhte Preise für die angebotenen Leistungen.

Für alle acht Regionalspitäler seien nämlich ähnliche Preise berechnet worden, obwohl sich die Angebote deutlich voneinander unterschieden. «Das Hauptproblem ist die Weigerung der Spitäler, transparent aufzuzeigen, wie die Preise zustande kommen», sagt Bamert.

Forderung nach tieferen Preisen

Die Spitäler Uster und Wetzikon schrieben in ihrer Medienmitteilung, dass die Concordia eine generelle Preissenkung von 15 Prozent forderte. Dies sei nicht akzeptabel.

Die Concordia hingegen kontert, sie habe in den Vertragsverhandlungen keine generellen Preissenkungen gefordert, sondern lediglich angemessene Tarife für ihre Privat- und Halbprivatversicherten.

«Sobald wir die verschiedenen Leistungen der Spitäler ausreichend beurteilen können, berechnen wir, welche Preise dafür aus unserer Sicht gerechtfertigt sind», sagt Bamert.

Den Spitälern Wetzikon und Uster hätte die Concordia aber gar keinen konkreten Vorschlag unterbreiten können. «Die Spitäler sind die Angaben bislang leider schlicht schuldig geblieben.»

Fakten zur Vertragsbasis fehlten angeblich

Die Concordia habe damit «wesentliche Angaben zur Vertragsgrundlage des VZK nicht erhalten». Somit habe sie den Vertrag mit den Spitälern per Ende 2022 auslaufen lassen müssen.

Es handelte sich dabei um Angaben, welche die Concordia normalerweise von anderen Spitälern innerhalb von kurzer Zeit erhält.

Mit allen anderen Versicherungen haben wir bisher eine Lösung gefunden.

Ronald Alder

Stellvertretender Geschäftsleiter des VZK

Der VZK vertritt gegenüber der Concordia die Spitäler Zollikerberg, Limmattal, Bülach, Männedorf, Uster, Affoltern, GZO Wetzikon und See-Spital Horgen.

Der Verband kann die Vorwürfe der Concordia nicht nachvollziehen. «Wir führen mit allen anderen Krankenkassen diese Verhandlungen ebenfalls, und von niemand anderem hören wir, dass wir nicht transparent sind», sagt Ronald Alder. Er ist stellvertretender Geschäftsleiter des VZK. «Mit allen anderen Versicherungen haben wir bisher eine Lösung gefunden.»

Preise sind geheim

Die Concordia stört sich zudem daran, dass sie nicht einzeln mit den Spitälern verhandeln konnte. Doch die Vorteile, dass der VZK für die Spitäler diese Arbeit übernimmt, liegen für Alder auf der Hand. Es sei schlichtweg effizienter. «Wir bieten diese Dienstleistung deshalb an.»

Dem pflichtet auch Sascha Fisler von der Abteilung Marketing und Kommunikation des GZO-Spitals Wetzikon bei: «Unterschiedliche Verhandlungen mit jeder einzelnen Versicherung wären sowohl für die Versicherer als auch für die Spitäler ein enormer Mehraufwand.»

Anders als von der Concordia ins Feld geführt sagt Alder, dass es durchaus Unterschiede gebe bei den Tarifen in den verschiedenen Krankenhäusern: «Je nachdem, was ein Spital bieten kann.» Aber da es sich um ähnliche Leistungen handle, seien die Differenzen gering. Die Krankenkasse hingegen findet, dass für alle acht Spitäler praktisch identische Preise gelten, obwohl sich die Angebote deutlich unterscheiden.

Zu den genauen Zahlen wollten sich die Spitäler Uster und Wetzikon nicht äussern. Das Spital Bülach machte diese jedoch kürzlich publik: Für die Zusatzleistungen als Halbprivatversicherte werden 477 Franken pro Nacht fällig, für Privatversicherte sind es 895 Franken. Diese Kosten beziehen sich nur auf das Bett pro Nacht.

Leistungen aus der Grundversicherung sind darin nicht enthalten – genauso wenig wie ärztliche Spezialbetreuung, die über die Zusatzversicherung abgerechnet wird.

Wer darf Gewinn machen?

Die Concordia und die Spitäler sind sich also nicht einig, was angemessene Preise sind. Die Spitäler sagen, dass die Tarife im Gesundheitswesen die Kosten decken müssen.

«Solange dies nicht gewährleistet ist, können die Spitäler auch keine Tarifsenkungen zur weiteren Gewinnoptimierung der Versicherer in Kauf nehmen», sagt Sascha Fisler vom GZO-Spital.

Von Gewinnoptimierung will man bei der Concordia aber nichts wissen. Die Versicherung schreibt, sie sei unter dem Dach eines nicht profitorientierten Vereins organisiert. «Erwirtschaftete Gewinne, auch aus den Zusatzversicherungen, fliessen in die Reserven und kommen unseren Versicherten zugute.»

Der Kostendruck steigt

Ronald Alder vom VZK fügt an, dass die Tarife aus der Grundversicherung für Spitäler nicht kostendeckend sind. «Beim allgemein versicherten Bereich sind es nur 94 Prozent.» Spitäler müssten Gewinne erzielen, um Investitionen tätigen zu können und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dazu brauche es die Einnahmen aus den Behandlungen der zusatzversicherten Patienten.

«Wir sind uns bewusst, dass wir ein qualitativ hochstehendes Gesundheitswesen haben, das seinen Preis hat», sagt er. «Aber wenn man versucht, die Kosten zu senken, dann müssen die Spitäler beim Personal sparen, weil es 70 Prozent der Kosten ausmacht.» Auch Leistungen müssten gekürzt werden. Und das beeinflusse am Schluss die Qualität der Behandlungen und die Zugänglichkeit.

Der Kostendruck ist im Spital Uster bereits spürbar. Das Spital musste kürzlich Stellen abbauen, weil die Patientenzahlen zurückgehen. Zudem schrieb es im Jahr 2022 tiefrote Zahlen. Jetzt ist eine Aktienkapitalerhöhung geplant.

Abwanderung von Privatpatientinnen und -patienten

Dass Privatversicherte nun auf andere Spitäler ausweichen könnten, dafür besteht beim GZO-Spital keine Sorge. Oft sei es für Patientinnen und Patienten nicht möglich, längere Anreisen in Kauf zu nehmen, vor allem für die Nachbetreuung.

Ähnlich optimistisch klingt es auch aus dem Spital Uster: Es gebe gar nicht mehr viele andere Spitäler als Ausweichsmöglichkeit. «Durch den Ausschluss der Regionalspitäler bleiben nicht mehr viele andere übrig», sagt Martine Frei, Leiterin Marketing und Kommunikation des Spitals Uster. Dieses zeigte sich bei den Antworten zurückhaltend und verwies meist auf den VZK.

Beim Verband hofft man zumindest, dass die Situation mit der Concordia bald geklärt ist. «Die Verhandlungen müssen weitergehen», sagt Ronald Alder. «Versicherte, die seit Jahren in eine Zusatzversicherung bei der Concordia zahlen, können im Moment Leistungen nicht beziehen, die ihnen zustehen.» Das sei unhaltbar.

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