Gesellschaft

Bei ihnen fliesst das Korn der Region zusammen

Bei der Getreidesammelstelle der Landi Zola in Illnau herrscht zurzeit Hochbetrieb. Für Aline Schmucki, Tanja Boller und Lilly Blöchlinger bedeutet das neben langen Arbeitstagen viel Staub.

Bei ihnen fliesst das Korn der Region zusammen

Getreidesammelstelle in Illnau

Bei der Getreidesammelstelle der Landi Zola in Illnau herrscht zurzeit Hochbetrieb. Für Aline Schmucki, Tanja Boller und Lilly Blöchlinger bedeutet das neben langen Arbeitstagen viel Staub.

«Achtung, der Boden ist rutschig!» Aline Schmucki öffnet eine Stahltür, die in die Katakomben der Getreidesammelstelle führt. Im grellen Neonlicht flimmern Staubteilchen in der Luft. «Jetzt, wo die Bauern im Zehnminutentakt ihre Ernte kippen, könnten wir nonstop fegen», sagt sie und weicht einem Stapel Getreidesäcke aus. Die Agronomin leitet den Geschäftsbereich Agrar der Landi Zola AG. Und ist damit Herrin über drei Silotürme und rund zwölf Mitarbeitende. 

«Derzeit werden von unseren rund 540 Getreideproduzenten vor allem Weizen und Raps angeliefert», erklärt sie. Ab September folgen dann Soja und Sonnenblumen und anschliessend bis in den November hinein der Körnermais.

Eine junge Frau steht in einer Halle neben einem Traktor.
Aline Schmucki ist Leiterin Agrar bei der Landi Zola Illnau - und damit auch für die Getreidesammelstelle verantwortlich.

Der Grossteil der Ernte stammt von Höfen aus dem Zürcher Oberland, die Getreidesammelstelle wird aber auch von Bauern aus Rapperswil, Embrach oder Elgg angefahren. Insgesamt 16’000 Tonnen sind es im Durchschnitt pro Jahr, die per Traktor und Anhänger nach Illnau gefahren werden.

Mit Zeitslots gegen Stau

«Um das Ganze möglichst effizient abzuwickeln und keinen Stau durchs Dorf zu provozieren, erhalten unsere Kunden jeweils einen Zeitslot», erklärt Aline Schmucki. Gleichzeitig versuche der Disponent die Anlieferungen möglichst nach Getreidesorten zu bündeln. «Dadurch gewinnen wir nochmals an Effizienz und damit Zeit.»

Soeben fährt ein Fendt-Traktor mit einem Anhänger voll Weizen im Schlepptau bei der «Probenahme Gosse 2» vor. Es heisst tatsächlich Gosse und nicht etwa Gasse, doch dazu später mehr. Der Landwirt klettert über eine Aussentreppe zum Empfangsschalter, der einem kleinen Balkon gleich vier Meter über Boden aus dem Gebäude ragt.

Getreide liegt in einem Wagen vor einer Probeannahmestelle.
Erste Station für die Getreideanlieferung: die Probenahme. 

Hier erwartet ihn Tanja Boller. Normalerweise arbeite sie im Landi-Agrarcenter in Mönchaltorf, springe aber während der Hochsaison jeweils für ein paar Wochen in Illnau ein. Routiniert wirft sie einen Blick auf die Formulare, die ihr der Fahrer durchs Fenster reicht.

Nachdem der Papierkram – Getreideart? IP? Bio? – erledigt ist, lässt sie vom Balkon aus den sogenannten Getreideprobenentnehmer in den Anhänger herunter. Dieser erinnert an eine lange Lanze und saugt mithilfe von Unterdruck – der Name sagts – Getreideproben an. 

Um möglichst repräsentative Messwerte zu erhalten, nehme sie pro Anhänger jeweils zwei oder drei Proben, erklärt sie. Diese werden gemischt und in einem Reinigungsgerät von der Spreu, aber auch von Fremdmaterial getrennt. Anschliessend füllt sie die Weizenkörner in ein Nahinfrarot- oder kurz NIR-Gerät. «Der Getreideanalysator ermittelt den Feuchtigkeits- und den Proteingehalt wie auch das Hektoliter- oder Korngewicht.» Anders als beispielsweise Hafer mit 45 bis 54 Kilogramm pro Hektoliter sei Weizen mit 62 bis 87 Kilogramm eher schwer.

«11,8 Prozent Feuchtigkeit – das ist ziemlich niedrig», kommentiert Tanja Boller die Werte. «14,5 Prozent wären wünschenswert.» Für den niedrigen Feuchtigkeitswert gebe es zwar keinen Preisabzug. Aber: «Je trockener die Ware, desto tiefer das Gewicht.» Der Richtpreis für 100 Kilo Topweizen liegt bei Fr. 58.50. Der wartende Landwirt zuckt mit den Schultern. «Keine Überraschung bei den hohen Temperaturen der letzten Tage.» Sagts, schnappt sich seine Papiere und begibt sich zum Traktor, um sein Gefährt zur Gosse 2 zu verschieben.

Lilly Blöchlinger spielt Tetris

Die Gosse 2 ist ein im Boden versenkter und befahrbarer Getreideaufnehmer aus Stahl, in den das Getreide direkt ab Hänger gekippt wird. Lilly Blöchlingers Job ist es, das Kippgut möglichst rasch in den entsprechenden Silo zu verschicken, bevor der nächste Traktor heranfährt. Auf einem grossen Bildschirm kontrolliert sie den Weg des Getreides.

Eine Frau, in Grün gekleidet, arbeitet vor einem grossen Bildschirm.
Lilly Blöchlinger bespielt von ihrem Bildschirm aus drei Silogebäude mit insgesamt 90 Silozellen und 11’000 Tonnen Fassungsvermögen. 

Dazu sind unter der Gosse zwei Kettenredler montiert. «Eine Art Förderband, welches das Getreide zum Elevator bringt», erklärt sie. Der Elevator – ein mit Schaufeln versehener Ledergurt – wiederum befördere die Körner bis unters 20 Meter hohe Silodach.  

Ab dort gehts damit dann nur noch abwärts. Getreidesorten mit Grannen wie Gerste leitet Lilly Blöchlinger durch den Entgranner, wo metallene Schläger die borstenartigen Fortsätze abschlagen. Anschliessend gehts dann durch die Reinigung, wo die Körner mithilfe von Sieben unter anderem von Ackerbegleitflora, sprich Unkraut, befreit werden. «Dieser Abfall ist bei den Biogasanlagen sehr beliebt», sagt Lilly Blöchlinger. 

Bevor sie die gereinigten Körner via Tastatur erneut rauf zum Silodach spediert, gehts damit noch auf die Waage. Anschliessend steuert sie je nach Feuchtigkeitsgehalt und Qualität eine andere Silozelle an, in der bereits ähnliches Getreide lagert. Eine nasse Lieferung müsse auch mal noch in die Trocknungsanlage. «Das Ganze ist ein bisschen wie Tetris, gerade auch, wenn verschiedene Getreidesorten gleichzeitig angeliefert werden.»

Insgesamt bespielt Lilly Blöchlinger drei Silogebäude mit 90 Silozellen. Diese fassen je nach Grösse 40 bis 130 Tonnen Getreide. 11’000 Tonnen könnten total gelagert werden. Mit Betonung auf «könnten». Während auf der Gosse 2 soeben ein Kubota-Traktor mit zwei Anhängern vorfährt, kündigt sich bei der Getreideausgabe ein Lastwagen einer Getreidemühle an. Lilly Blöchlinger wendet sich ihrem Bildschirm zu – Zeit für eine weitere Runde Tetris. 

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