«Das Personal ist wütend»: Gewerkschaft kritisiert den Stadtrat
Lohnkampf in Dübendorf
Die Gewerkschaft VPOD ist unzufrieden damit, wie der Dübendorfer Stadtrat auf den geforderten Teuerungsausgleich reagiert.
Es war für Dübendorf eine ungewohnte Szenerie: Rund 60 städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten sich am 24. Mai vor dem Stadthaus versammelt, um den vollen Teuerungsausgleich per 1. Juli zu fordern. Sie taten dies mittels einer Petition, die von 150 Personen unterschrieben worden war. Und mit der Unterstützung der Gewerkschaft VPOD.
Nun, zwei Monate später, legt der Stadtrat seine Antwort vor. Darin kündigt er eine «Justierung» des Systems an, mit der die Quote der Lohnerhöhungen festgelegt wird. Effektiv erhalten die Mitarbeitenden der Stadt im kommenden Jahr einen fixen Teuerungsausgleich von 3 Prozent – wenn sie weniger als 100'000 Franken verdienen.
Bei höheren Löhnen gibt es 2024 eine Pauschale von 3000 Franken. Diese Unterscheidung habe man deshalb vorgenommen, weil Leute mit einem niedrigeren Lohn eher auf das Geld angewiesen seien, sagt Stadtpräsident André Ingold (SVP).
Kehrtwende? Nein!
Früher wurden 80 Prozent der durchschnittlichen Teuerung der letzten drei Jahre ausbezahlt, neu sind es 100 Prozent. Wobei das nur ein Aspekt in der Berechnung sei, so Ingold. Denn das angepasste Lohnmodell biete nun die Möglichkeit, einen fixen Teuerungsausgleich auszubezahlen. «Damit kann der Stadtrat auch andere Faktoren wie etwa das gesamtwirtschaftliche Umfeld berücksichtigen.»
Zum Teuerungsausgleich kommt gemäss einer Mitteilung des Stadtrats ein Betrag von 390'000 Franken für individuelle Lohnerhöhungen. Damit würden für das Jahr 2024 insgesamt 3,63 Prozent der Gesamtlohnsumme für Lohnerhöhungen budgetiert. «Das ist deutlich mehr als im Jahr 2023», sagt Ingold.
Noch an der Dezember-Sitzung des Gemeinderats verteidigte der Stadtrat das frühere Lohnmodell. Hat der Stadtrat nun also wegen der Petition eine Kehrtwende vollzogen? «Nein», sagt Ingold. Man habe schon damals im Stadtrat über eine mögliche Anpassung des Lohnsystems gesprochen, um grössere Schwankungen bei der Teuerung aufzufangen. «Und das hat der Stadtrat jetzt – auch als Zeichen der Wertschätzung – umgesetzt.»
Mögliche Härtefälle
Ob es in den kommenden Jahren wieder einen fixen Teuerungsausgleich geben wird, kann Ingold nicht sagen. «Wir werden die verschiedenen Parameter jeweils im Budgetprozess anschauen und dann entsprechend entscheiden.»
Einen zentralen Punkt in der Petition hat der Stadtrat allerdings nicht aufgenommen: den geforderten Teuerungsausgleich von 3,5 Prozent analog zum Kanton Zürich per 1. Juli 2023. Der Stadtrat begründet dies damit, dass das städtische Personal über die Jahre mit niedriger Teuerung immer besser gefahren sei als die Angestellten des Kantons.
Ausgenommen sind laut Mitteilung «einzelne Härtefälle», die in den vergangenen Jahren keine oder stark unterdurchschnittliche Lohnerhöhungen erhalten haben. Ingold: «Wir schauen jetzt, wer davon betroffen sein könnte.»
Wenig begeistert vom Entscheid des Stadtrats ist man bei der Gewerkschaft VPOD. «70 Prozent der Mitarbeitenden haben die Petition unterschrieben», sagt Stephanie Fuchs, «doch der Dübendorfer Stadtrat ist nicht gewillt, den Teuerungsausgleich 2023 zu gewähren und einen verlässlichen Mechanismus für die Folgejahre zu schaffen.»
Die Lebenshaltungskosten würden aktuell steigen, nicht erst 2024. «Und was ist in den kommenden Jahren, kehrt man dann einfach zum früheren System zurück?» Das sei «unsinnig und intransparent».
Fuchs spricht von fehlender Wertschätzung: «Das Personal hat genug, ist unzufrieden und wütend.» Die Mitarbeitenden trügen in der schnell wachsenden Stadt Dübendorf ohnehin eine grosse Arbeitslast, sagt Fuchs. «Die vielen Kündigungen führen zu noch mehr Aufwand für die zurückbleibenden Angestellten. Sie können nicht verstehen, dass der Stadtrat ihnen nicht entgegenkommt.»
VPOD bleibt dran
Die weiteren Forderungen der Petition sieht Fuchs nur teilweise erfüllt. Zwar hat der Stadtrat zugesichert, eine Mitarbeiterbefragung durchzuführen, in der unter anderem die kritisierte interne Kommunikation ein Thema sein soll. Und er begrüsst die Schaffung eines regelmässig tagenden Personalausschusses. Den ebenfalls geforderten Sozialdialog wünscht er aber mit diesem Ausschuss – und nicht mit dem VPOD.
Sehr zum Unverständnis von Stephanie Fuchs: «Wir wurden von Mitarbeitenden beigezogen. Dass ausgerechnet die Gewerkschaft als Sozialpartner vom Sozialdialog ausgeschlossen sein soll, ist für uns nicht erklärbar.»
Der VPOD bleibt laut Fuchs aber am Thema dran: «Es ist bereits ein neues Treffen vereinbart.»