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Wir ernten, was wir säen

Ein eigener Gemüsegarten mit geteilter Verantwortung ist die Idee des Vereins Solawi Bauma.

Gemeinsames Gärtnern macht Spass, fördert die Gemeinschaft und ist ökologisch sinnvoll.

Foto: Karin Sigg

Wir ernten, was wir säen

Projekt «Gemüsegarten» in Bauma

Seit Anfang 2023 sind die Mitglieder des Vereins Solawi Bauma im Tüfenbach am Werk. Auf über 1000 Quadratmetern bauen sie Bio-Gemüse für den regionalen Eigenbedarf an.

Auf dem Gemüsefeld im Baumer Tüfenbach wird gehakt, gegraben und gezupft. «Heute besteht unsere Hauptaufgabe darin, die Kartoffelpflanzen von Rosenkäfern zu befreien», erzählt eine der Gärtnerinnen mit glühenden Wangen.

Die Idylle ist perfekt: Die fünf Frauen und ein Mann sind in ihre Arbeit vertieft. Ein Kleinkind rennt von einer Person zur nächsten, kann da mithelfen und bekommt dort ein freundliches Wort.

Die Hobbygärtner tauschen sich aus, geben sich gegenseitig Tipps, plaudern aus dem Nähkästchen. Im Hintergrund umrahmen die sanften Tösstaler Hügel das Bild des friedlichen «Farmerlebens».

Gemüsegarten ohne ständige Verantwortung

Im Spätsommer 2022 hatte der nicht gewinnorientierte Verein Solawi Bauma (Solidarische Landwirtschaft) das Projekt Gemüsegarten gestartet. Nach der Aufbauphase konnten die engagierten Mitglieder im März mit den ersten Arbeiten auf dem Feld beginnen.

Die Idee, die dahinter steckt, ist einfach: Ein «Pflanzblätz», der von verschiedenen Mitgliedern genutzt und bewirtschaftet wird. «Im Prinzip wie ein eigener Gemüsegarten», erklärt Sabine Ott, «aber mit Anleitung, Arbeitsteilung und gemeinsamer Verantwortung.»

Sie gehört nicht nur dem sechsköpfigen Kernteam an. Als Umweltingenieurin und Fachfrau für Bio-Gemüsebau steht sie dem Verein zugleich als Expertin in einem Anstellungsverhältnis zur Verfügung.

An regelmässigen Aktionstagen gibt sie ihr Wissen den Vereinsmitgliedern weiter. Sei dies zu Themen rund um Aussaat, Pflege und Ernte, als auch zur Lagerung, Verarbeitung und Haltbarkeitsoptimierung.

Ausserdem bietet sie direkt auf dem Feld Hilfestellung. «Ich bin so begeistert von diesem Projekt, dass ich mich zurücknehmen muss, um nicht täglich selbst Hand anzulegen», erzählt sie schmunzelnd. Da sie auf dem Hof direkt angrenzend an das Feld wohne, sei die Versuchung gross.

Mitmachen können alle, die gerne im Garten arbeiten und mit erdigen Händen nach Hause gehen. Mit dem Abschluss eines Jahresabos sind die Hobby-Gärtner für die Dauer des Abos Vereinsmitglied. Die Anbaufläche von rund 1000 Quadratmetern ist auf 20 ganze Abos limitiert.

Für eine Einzelperson wird ein halbes Abo berechnet, für zwei Personen ein ganzes. Für eine gerechte Aufteilung der Gemüse-Erträge unter den Teilnehmenden wird der Bedarf nach Grösse des Haushalts berechnet.

Mit unserem Projekt kann jeder einen Gemüsegarten haben.

Sabine Ott, Fachfrau für Bio-Gemüsebau

Es gilt das Selbsternte-Prinzip: Im Gruppenchat der Vereinsmitglieder gibt Sabine Ott bekannt, welches Gemüse geerntet werden kann. Mit einem Bild des Objekts sowie der Nummer des entsprechenden Feldabschnitts können auch weniger erfahrene Gärtner das Nahrungsmittel problemlos identifizieren.

«Mit unserem Projekt kann jeder einen Gemüsegarten haben», resümiert die erfahrene Gärtnerin, «bei Bedarf kann er die Verantwortung jedoch auch abgeben.» So könnten Krankheitsausfälle, Ferien oder andere Abwesenheiten abgefangen werden.

Überschaubare Planung

Für die regelmässig anfallenden Routinearbeiten im Beet organisieren sich die Mitglieder untereinander. Ott gibt jeweils den Rahmen vor, welche Aufgaben als Nächstes anfallen. In einer Pendenzenliste im Gruppenchat kann jeder die Aufgaben wählen, die ihm liegen.

Nebst rund acht Stunden monatlicher Arbeit stehen für jedes Mitglied jeweils auch Einsätze für die Mithilfe beim Bauern an, wie zum Beispiel beim Heuen oder Blackenstechen.

Bei dem Projekt geht es nicht nur um die solidarische Landwirtschaft und den Gemeinschaftsgedanken. Sondern auch darum, den gesamten Kreislauf der Natur zu erkennen: «Die Witterungseinflüsse, die Herkunft und die Zusammenhänge in der Natur werden so aus eigener Kraft und eigenem Antrieb wahrgenommen», resümiert Ott.

Da die Wasservorräte aus dem gesammelten Regenwasser und aus einer nahe gelegenen Quelle stammen, ist der sparsame Umgang mit Ressourcen ebenfalls ein Thema. «Es ist eine Bewusstseins-Schulung», sagt die Naturfreundin, «wir besinnen uns zurück zum Boden.»

Das schätzen die Mitglieder am Projekt

Man sieht zwei Gärtnerinnen vor dem Gemüsefeld.

Anita Löw (links) aus Saland: «Mein Mann und ich sind durch ein Inserat auf dieses Projekt aufmerksam geworden. Ich bin an unserem eigenen Garten zu Hause gescheitert. Nun bin ich dankbar, alles von der Pike auf zu lernen und unter Anleitung zum eigenen frischen Gemüse zu kommen. Es macht Spass, gemeinsam in der Gruppe etwas zu erarbeiten, und es ist ein idealer Ausgleich zum Job.»

Baba Rüegg aus Wellenau bei Bauma: «Neben meiner Arbeit schaffe ich es nicht, einen eigenen Gemüsegarten von A bis Z zu betreuen. Deshalb ist es für mich ideal, dass ich dann gärtnern kann, wenn es mein Zeitplan zulässt. Da ich sehr nahe vom Gemüsefeld entfernt wohne, kann ich auf dem Heimweg von der Arbeit jeweils meinen eigenen frischen Salat mitnehmen. Ausserdem lernt man neue Leute kennen, was auf dem Land nicht immer ganz einfach ist.»

Das ist der Verein dahinter

Man sieht drei Mitglieder des Kernteams vor einem Baum sitzen.
Drei der sechs Mitglieder des Kernteams (von links): Myriam Rothenbühler, Karin Rüthemann und Sabine Ott.

Der Verein Solawi Bauma wurde von einem sechsköpfigen Kernteam gegründet mit dem Ziel, gemeinsam Bio-Gemüse für den regionalen Eigenbedarf anzubauen.

«Die Idee dazu keimte schon länger in den Köpfen von meinem Mann und mir», erzählt Myriam Rothenbühler vom Kernteam. Was zu Beginn im kleinen Rahmen mit dem gemeinsamen Anbau von Zucchetti im Gemüsegarten einer Nachbarin erfolgreich ausprobiert wurde, nahm immer konkretere Formen an. «Im Spätsommer 2022 schmiedeten wir Pläne», so Rothenbühler.

Es folgten Gespräche mit dem Bauern, der angrenzend an den «Versuchsgarten» einen Landabschnitt zur Verfügung stellen wollte. Und schliesslich wurde der Verein Solawi Bauma gegründet.

Gemäss Karin Rüthemann stammen die Mitglieder aus allen Altersklassen, vom «Greenhorn» bis zum erfahrenen Gärtner. Das Einzugsgebiet umfasst die umliegenden Gemeinden rund um Bauma. Es sind noch einige Abos zu vergeben – Interessenten dürfen sich gerne bei Sabine Ott melden: 079 754 54 56 oder sabine@tzfs.ch

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