Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Wenn der Glaube sogar das Wetter beeinflusst

Der Openair-Gottesdienst in Schlatt hat eine lange Geschichte. Dementsprechend können die Schlatter auch improvisieren.

Bei einer Openair-Taufe ist Improvisieren gefragt, wie hier beim Halten des Wasserbeckens.

Foto: Karin Sigg

Wenn der Glaube sogar das Wetter beeinflusst

Open-Air-Gottesdienst in Schlatt

In Schlatt hat am Sonntag ein Open-Air-Gottesdienst mit Taufe stattgefunden. Die vollen Zuschauerbänke und das Wetterglück entschädigten die Organisatoren und Helfer für ihren Einsatz.

Zweifelnd wandern die Blicke der Gottesdienstbesucher an diesem Sonntag gegen den Himmel. Nicht nur, um auf die Eingebung von oben zu warten: Vereinzelte Regentröpfchen unter den grauen Wolken verheissen nichts Gutes.

Und doch halten die Organisatoren der Kirchgemeinde Eulachtal an der Open-Air-Austragung fest. Vorsorglich ist die Band Heridos de Sombra unter einem Pavillonzelt untergebracht.

Die vier Musiker heizen mit lateinamerikanischen Klängen ganz schön ein, sodass die kühlen Temperaturen von den Besuchern bald nicht mehr wahrgenommen werden.

Eine spezielle Taufe

Pfarrer Andreas Bertram-Weiss hat seine Predigt geschickt um die musikalischen Einlagen aufgebaut, behandelt das existenzielle «haben und festhalten wollen», wobei er unter anderem auf Erich Fromms «Haben oder Sein» eingeht.

«Bienvenidos Fabio», heisst der Pfarrer den kleinen Sohn der Familie Fankhauser willkommen, der an diesem Morgen getauft wird. «Unser erster Sohn wurde an einem Drittklässler-Unti getauft, und wir wollten auch für Fabio etwas Spezielles», erzählt die stolze Mutter. Als sie von Andreas Bertram-Weiss von einer Taufe unter freiem Himmel hörten, waren sie deshalb Feuer und Flamme.

Sonnengruss für Fabio

Wie auf Kommando blinzelt dann sogar die Sonne zwischen den Wolken durch, «mit diesem grossen Scheinwerfer brauchen wir die Kerzen glücklicherweise nicht mehr», kommentiert Bertram-Weiss das anschliessende Ausblasen der Taufkerzen durch den aufkommenden Wind.

Draussen lebt die Kirche auch von der Lebendigkeit und Spontanität.

Andreas Bertram-Weiss

Pfarrer in Schlatt

Im Anschluss an den Gottesdienst erzählt er, dass die Vorbereitungen für die Predigt identisch seien bei Indoor- und Outdoor-Anlässen, allerdings werde es bei der Austragung draussen mehr zu improvisieren geben.

So baut er die Umweltgeräusche wie das Muhen der Kühe oder den Fluglärm geschickt in die Predigten ein und erntet prompt viele Lacher. «Draussen lebt die Kirche auch von der Lebendigkeit und Spontanität», resümiert er später augenzwinkernd.

Auch die Musiker der Band müssen sich an die Gegebenheiten anpassen, die kühlen Temperaturen verursachen klamme Finger und erschweren das Musizieren. Doch die Anfeuerungsrufe der Zuschauer lassen die vier Herren zu einer Zugabe überzeugen. «Es hat etwas Majestätisches, Erhabenes, ins Tal zu spielen», beschreibt der Sänger «El Greco», der selbst in Schlatt wohnt, das Besondere am Auftritt im Pfarrgarten.

Gott ist auch in der Natur

Man sieht Lisa Bertschinger mit ihren Kindern.
Lisa Bertschinger (Elsau) mit ihren Kindern. Dem vierjährigen Isaiah (r.) hat das Saxophon am besten gefallen.

«Wir besuchen regelmässig die Kirchen in Elsau, Elgg oder Schlatt und nehmen nach Möglichkeit unsere Kinder mit. Wir haben jeweils einen Stapel Büechli dabei, damit sie sich beschäftigen können. Wenn der Gottesdienst wie heute draussen stattfindet, können sie auch mal aufstehen und herumsausen. Es gibt glücklicherweise viele Pfarrpersonen, die unsere Auffassung teilen, dass Kindern auch im Gottesdienst Raum gelassen werden soll. Gemeinsam mit vier Familien haben wir in der Kirche Elgg die Chinderhüeti wieder ins Leben geweckt und engagieren uns dafür. Seit sich die drei Gemeinden Elsau, Elgg und Schlatt zur Kirchgemeinde Eulachtal zusammengeschlossen haben, sind auch die Bänke wieder gut gefüllt, und die Nachfrage nach diesem Service steigt. Ich finde es mutig, dass die Organisatoren in Schlatt an der Open-Air-Austragung festgehalten haben, trotz dem unsicheren Wetter. Meiner Meinung nach ist Gott auch in der Natur anzutreffen, nicht nur in einem Kirchengebäude, deshalb gefällt mir diese Abwechslung sehr.»

Lisa Bertschinger, Elsau

Liebhaber von besonderen Anlässen

Man sieht Maja und Heini Bosshard vor dem Haselstrauch.
Maja und Heini Bosshard aus Huggenberg.

«Der heutige Anlass hat uns sehr gut gefallen – die lockere Gesellschaft, die gute Predigt und die Musik. Wir sind keine regelmässigen Kirchengänger, besuchen aber gerne spezielle Anlässe wie ‹Wort & Musik› hier in Schlatt oder gelegentlich Anlässe in der Kirche Elgg. Die Taufe hat für uns die Bedeutung, dass ein Kind in die Kirche aufgenommen wird.»

Maja und Heini Bosshard, Huggenberg

Wiedersehen mit Nachbarn

Man sieht einen Mann vor dem Tal.
Ruedi Schmid aus Waltenstein.

«Obschon ich oft im Ausland bin, richte ich es mir ein, dass ich jedes Jahr den Open-Air-Gottesdienst besuchen kann. Schlatt ist eine weitläufige Gemeinde, und viele schätzen es, hier wieder einmal alle zu sehen.»

Ruedi Schmid, Waltenstein

Musik als Basis

Man sieht Hans Denzler neben dem Rosenstrauch.
Hans Denzler aus Waltenstein.

«Die Stimmung und die Atmosphäre an diesem Anlass gefallen mir besonders gut, ich war schon mehrmals dabei. Ich sehe Musik als Basis der Kirche an, deshalb engagiere ich mich auch für den Anlass ‹Wort & Musik›, der im Winterhalbjahr regelmässig in Schlatt durchgeführt wird. Die Taufe bedeutet für mich das Bekenntnis der Eltern, ihr Kind in freiem Geist durchs Leben zu führen. Das Kind als eigenständiges Wesen zu respektieren, ihm einen Rahmen zu geben, solange es diesen braucht.»

Hans Denzler, Waltenstein

Gehaltvolle Predigt

Man sieht Marcus Mracsek vor dem Tal.
Marcus Mracsek aus Schalchen.

«Meine Premiere an diesem Anlass ist überaus gelungen. Die Musik war super und die Predigt sehr gut gewählt, gehaltvoll und schön ausformuliert. Viele Predigten sind zu langatmig, doch hier wurde zuerst eine Geschichte erzählt, anschliessend erklärt, und dies alles in einer angenehmen Kürze. Ich besuche die Kirche immer da, wo es gerade interessant zu werden verspricht.»

Marcus Mracsek, Schalchen

 

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns