Neuer Lebensraum für bedrohte Glühwürmchen
Naturstation Silberweide
Mit einem Lehrpfad will das Team der Naturstation Silberweide in Mönchaltorf dem Glühwürmchen ab nächstem Jahr ideale Kleinstrukturen anbieten und die Besucher sensibilisieren.
Ein leuchtender Punkt im Gestrüpp, einer am Boden, einer in der Luft – wem es gelingt, Glühwürmchen zu beobachten, wird schnell von ihrem magischen Licht in den Bann gezogen. Doch es wird mehr und mehr zum Glücksfall, die kleinen Tierchen überhaupt zu entdecken.
Zwar fehlen systematische Untersuchungen über die frühere und die aktuelle Verbreitung der Glühwürmchen in der Schweiz. «Zahlreiche Einzelbeobachtungen zeigen jedoch, dass die Glühwürmchen früher viel öfters beobachtet werden konnten», sagt Nathalie Séchaud, Leiterin der Naturstation Silberweide in Mönchaltorf. «Von der Zerstückelung und Zerstörung vielfältiger Landschaften sind demnach leider auch die Glühwürmchen betroffen.»
Grossteil des Lebens als Larve
Der Biodiversitätsverlust im Allgemeinen, die Zerstörung von Lebensräumen, aber auch der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden, von Schneckenkörnern und die Lichtverschmutzung sind die grössten Gefahren für die Insekten.
Zwar lassen sich die weiblichen Glühwürmchen von künstlichem Licht nicht beeinflussen. «Im Lichtkegel werden sie aber von den Männchen nicht gefunden und sterben teilweise, bevor sie sich paaren können», sagt Séchaud.

Die Leuchtkäfer verbringen gut zwei Jahre und damit den Grossteil ihres Lebens als Larven. Ihre Hauptnahrung besteht in dieser Zeit fast ausschliesslich aus Schnecken. Nach zwei oder drei Überwinterungen verpuppen sich die Larven. Rund eine Woche später schlüpfen die erwachsenen Glühwürmchen.
Die Weibchen suchen sich sofort einen passenden Platz und beginnen zu leuchten. Die Männchen werden von dem Licht angezogen, die Paarung findet statt. Das Weibchen stirbt, nachdem es die Eier am Boden abgelegt hat. Die Männchen leben nach dem Schlüpfen gut zwei Wochen.
In der Naturstation Silberweide gab es auch schon Sommer, in denen kein einziges Leuchten beobachtet wurde. «Dank LED-Fallen, welche weibliche Glühwürmchen imitieren, konnten in diesem Jahr aber mehrere Männchen des Grossen Glühwürmchens nachgewiesen werden», sagt die Stationsleiterin. Sie ist zuversichtlich: «Wahrscheinlich waren sie schon seit längerer Zeit unentdeckt in der Naturstation unterwegs.»
Vielfältige Kleinstrukturen nötig
Um den Glühwürmchen einen idealen Lebensraum bieten zu können, ist nun ein neuer Lehrpfad in der Naturstation geplant. Um die lange Zeit als Larve bis zum erwachsenen Glühwürmchen durchlaufen zu können, sind die leuchtenden Käfer auf vielfältige und giftfreie Kleinstrukturen angewiesen, wo sich offene Flächen mit schattigen Plätzchen und feuchten Rückzugsorten abwechseln und wo in der Nacht Dunkelheit herrscht.
Solche Strukturen sollen nächstes Jahr in der Form des Lehrpfads angeboten werden. «Wir möchten mit dem Lehrpfad aufzeigen, was wichtig für den Erhalt der Glühwürmchen ist.»

Ausserdem wird an einem Posten demonstriert, worauf im eigenen Garten geachtet werden soll. So sind etwa Schneckenkörner nicht nur für Igel gefährlich, sondern sie vernichten auch die Nahrungsquelle der Glühwürmchen-Larven. «Wo es den Glühwürmchen gut geht, geht es auch vielen weiteren Lebewesen gut.»
Momentan ist das Team noch auf der Suche nach Sponsoren für den Pfad. Nathalie Séchaud: «Je nach Spendenaufkommen wird er grösser oder kleiner.»
Am Pfäffikersee scheint es noch etwas besser um das Glühwürmchen bestellt, doch auch hier wird die Nacht vermehrt zum Tag. Vor dem Naturzentrum Pfäffikersee führt der Verein Natur liegt nahe morgen Samstag, 2. Juli, von 10.30 bis 16 Uhr eine Standaktion durch und informiert über die zunehmende Lichtverschmutzung und ihre Folgen für die Natur.
