Film mit Zeitzeugen erzählt Geschichte der Zollinger Stiftung
Jubiläumsfeier in Maur
50 Jahre – wenn das kein Grund zum Feiern ist, sagte sich die Stiftung. Doch es sollte mehr werden als nur Party samt selbstgefälliger Nabelschau. Wurde es auch nicht.
Vor 50 Jahren wurde die Zollinger Stiftung von Marianne und Gustav Zollinger gegründet. Nun hat die Stiftungsleitung zum Jubiläum einen Film gedreht und Zeitzeugen befragt.
Der Film «Der Zeit voraus» erzählt die Geschichte eines Bauern und seiner österreichischen Frau, die ihr Land vor über 50 Jahren für Wohnen im Alter zur Verfügung stellten – und wie daraus eine Stiftung entstanden ist. Der Weg war länger und steiniger, als man annehmen könnte.
Gustav und Marianne Zollinger waren ein kinderloses Ehepaar und beschlossen im Rahmen ihrer eigenen Pensionierung, ihr Land zu vermachen, eine Stiftung zu gründen und damit den Weg zu einem Pflegezentrum zu ebnen.
Der Findungsprozess dauerte lange.
Eva Labhart
Zeitzeugin und ehemaliges Mitglied der Baukommission
Der Gedanke dahinter war, dass sie im Alter selber da wohnen könnten. «Dazu ist es leider nie gekommen, denn der Findungsprozess dauerte sehr lange», erzählt Eva Labhart beim Apéro nach der Vorführung. Sie ist eine Zeitzeugin, die im Film vorkommt.
Sie war damals Mitglied der Baukommission und hat die Entwicklung des Projekts hautnah miterlebt. Heute lebt die 89-Jährige selber in der Altersresidenz der Zollinger Stiftung.
Die Stiftung wurde von den Zollingers zwar schon im Jahr 1973 gegründet, es dauerte jedoch zehn Jahre, bis der fertige Bau 1983 schliesslich eingeweiht wurde. Gustav und Marianne Zollinger verstarben kurz nacheinander 1979 und 1980, so konnten sie die Inbetriebnahme des Hauses nicht mehr miterleben.
Der Grund für die Verzögerung lag in der Finanzierung. Beiträge von Bund und Kanton wurden nur gesprochen, wenn sich mehrere Gemeinden beteiligten. Zudem stürzte die Schweiz 1973 wegen der Ölkrise in eine Rezession – man wollte kein Geld ausgeben.
Lange fand sich keine weitere Gemeinde, die sich neben Maur am Bau beteiligen wollte. Der Zeitzeuge Walter Fischer war in dieser Zeit im Maurmer Gemeinderat. Der 80-Jährige erzählt, wie man das Projekt damals fast aufgegeben hätte.
Gemeinde Zumikon rettete das Projekt
Doch dann sprang Zumikon ein. Die damalige Gemeindepräsidentin Elisabeth Kopp machte es möglich. Die kürzlich verstorbene alt Bundesrätin (FDP) ist als Zeitzeugin im Film präsent und erzählt vom Moment des Spatenstichs. «Leider besitze ich kein Foto mehr davon, aber Sie finden es sicher irgendwo in einem Archiv», sagt sie zu den Filmemachern.
«Wir wollten nicht einfach einen Imagefilm drehen», sagt Pascale Bühler. Sie ist die Projektleiterin und auch die Organisatorin des Jubiläumsangebots.
Die 33-Jährige hat sich mit Tobias Diener, dem Direktor der Zollinger Stiftung, schon vor Jahren Gedanken gemacht, wie sie das Jubiläum gebührend feiern können. So entstand die Idee, Lebensgeschichten von Zeitzeugen einzufangen und damit Erinnerungen zu wecken.
Oral History geht ans Sozialarchiv
Dazu haben sie die Filmemacher Dominik Streiff und Karin Bischoff engagiert. «Wir haben die Zeitzeugen während eines halben Jahrs befragt», sagt Streiff. Gefunden haben sie die Zeitzeugen mithilfe von Inseraten in der «Maurmer Post».
Dabei ist viel Material entstanden. Dieser Schatz an mündlicher Überlieferung wird als Oral History dem Zürcher Sozialarchiv zur Verfügung gestellt – mit einer gängigen Sperrfrist von 50 Jahren.
So feiert die Zollinger Stiftung ihr 50-Jahr-Jubiläum
Am 1. Juli findet die grosse Feier im Park der Stiftung in Aesch statt. Das Angebot reicht von kulinarischen Leckerbissen über kostenloses Blutdruckmessen und eine Hüpfburg bis zum Open-Air-Kino. Auch der Film «Der Zeit voraus» wird dann nochmals öffentlich gezeigt. Hier geht es zum Tagesprogramm.
Am 26. August gibt es ein Open-Air-Kino und einen Grill, und am 28. Oktober organisiert die Stiftung einen Tag der offenen Tür.
Detaillierte Informationen zu allen Jubiläumsveranstaltungen der Zollinger Stiftung.