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Der einzige Schweizer Autobahn-Fanklub wartet weiter

Die Lückenschliessung der Oberlandautobahn liegt noch immer in weiter Ferne. Nun tritt der erste Präsident des Vereins Zusammenschluss Oberlandstrasse zurück.

Mit der Fortsetzung der Autobahn da hinten klemmt es: Horst Meier (links) löst Hans-Peter Hulliger an der Spitze des Vereins Zusammenschluss Oberlandstrasse ab.

Foto: Christian Brändli

Der einzige Schweizer Autobahn-Fanklub wartet weiter

Neue Spitze nach 24 Jahren

Nach dem Rückschlag 2012 kommt das Oberlandautobahn-Projekt voran. Zu langsam für Hans-Peter Hulliger, der den Vorsitz des Interessenvereins abgibt.

Schritt für Schritt geht es mit dem Grossvorhaben «Lückenschliessung in der Oberlandautobahn» – meistens – vorwärts. Auch mit dem Step. Das Wort ist aber nicht die englische Entsprechung für das deutsche «Schritt», sondern steht als Kürzel für das Strategische Entwicklungsprogramm Nationalstrassen. Und dieses Programm ist eine – ganz autogerecht – rollende Planung, die alle vier Jahre aufdatiert wird.

Step by Step

Die letztes Jahr durch den Bundesrat angekündigte Aufnahme der Lückenschliessung in dieses Step bedeutete für das Oberland aber doch einen grossen Schritt. Und wie SVP-Nationalrat Gregor Rutz, Vorstandsmitglied des Vereins Zusammenschluss Oberlandstrasse, am Montag an der Mitgliederversammlung in Dürnten berichtete, ist die grosse Kammer nun dem Bundesrat in der jüngsten Session gefolgt.

Die zusätzliche Aufnahme eines Ausbauprojekts am Genfersee habe auch den Vertretern der Romandie die Zustimmung zum neusten Nationalstrassenprogramm erleichtert. In der Herbstsession wird sich der Ständerat über das jüngste Step beugen, sodass das Programm noch in diesem Jahr definitiv verabschiedet ist.  

Rösti ein offener Ansprechpartner

«Im Vergleich zu vor einem Jahr wird das zuständige Departement heute von jemandem geführt, der das auch will, was wir wollen», meinte Rutz zu den Vereinsmitgliedern. Mit Bundesrat Albert Rösti (SVP) könnten sie nun offen sprechen.

«Doch wir brauchen weiterhin den politischen Druck für mehr Tempo», betonte der Nationalrat, der sich nicht mit der Schrittgeschwindigkeit in der Planung zufriedengeben will. Dafür brauche es eine bürgerliche Allianz und einen Erfolg bei den anstehenden eidgenössischen Wahlen.

Zu diesen Verbündeten zähle allerdings die GLP nicht, wie sich in der jüngsten Debatte gezeigt habe. Selbst die Medien hätten konstatiert: «Auch die Grünliberalen stimmten meist mit SP und Grünen.» In deren Augen sei der Ausbau von Autobahnen nicht mehr zeitgemäss.     

Bundesgericht sorgte für Frust

«Bis zur Eröffnung der Strasse sind noch verschiedene Planungs-, Entscheidungs- und Bauphasen zu durchlaufen.» Diese Worte stammen aus dem Jahresbericht des Präsidenten Hans-Peter Hulliger. Allerdings nicht aus dem aktuellen, dem 24. des Vereins Zusammenschluss Oberlandautostrasse, sondern dem ersten, den er im Jahr 2000 vorlegte. Sie treffen aber weiterhin zu.

1999 war der Verein gegründet worden, um der damals durch den Wetziker Kantonsrat Kurt Schellenberg (FDP) eingereichten Motion für eine Kreditvorlage zum Bau der Oberlandstrasse zwischen Oberuster und Betzholz noch mehr Gewicht zu verleihen. Das Vorhaben hatte damals bereits eine über 30-jährige Planungszeit hinter sich.

2012 kam dann der grosse Rückschlag für das Vorhaben – und der grosse Frust für Hulliger: Das Bundesgericht wies das in der Zwischenzeit ausgearbeitete Projekt wegen des Verstosses gegen den Moorschutz an den Kanton Zürich zurück. «Das bedeutete zurück auf Feld 1», wie SVP-Nationalrat Bruno Walliser (Volketswil) am Montag bei der Würdigung für Hulliger erklärte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nach 24 Jahren an der Vereinsspitze hat der einstige Gemeindepräsident von Bäretswil (FDP) und ehemalige Präsident des Zürcher Gemeindepräsidentenverbands nämlich genug. «Seit ich aus der Politik ausgeschieden bin, stelle ich fest, dass mir die Beziehungen zu wichtigen Stellen fehlen oder sie zumindest abnehmen», begründete er seinen Schritt. «Ich hoffe, dass ich trotz meinem Alter» – Hulliger hat Jahrgang 1942 – «die Lückenschliessung noch erleben werde.»

Lückenschliessung Oberlandautobahn zwei Varianten vom Kanton Zürich Stand Dezember 2019 einmal gemäss Richtplan, einmal mit Tunnel tief.
Erst Ende 2024 wird klar, welche der beiden Varianten, gemäss Richtplan oder tiefer Tunnel, weiterverfolgt werden soll.

Zu Hulligers Nachfolger ist einstimmig Horst Meier gewählt worden. Dieser ist 16 Jahre jünger, war lange als FDP-Gemeinderat in Hinwil tätig und ist Verwaltungsratspräsident der Hinwiler ZAV Recycling AG. Er zeigte sich frustriert darüber, dass der Variantenentscheid zur Führung der Oberlandautobahn neuerlich verschoben wurde und nun auf Ende 2024 angesetzt ist.

Lückenschliesser zu Besuch bei Anhängern

Doch davon lasse er sich nicht entmutigen, wie auch Hans-Peter Hulliger sich von Projektrückschlägen nicht von seinem Weg habe abbringen lassen. «Es braucht unseren Verein noch. Denn es gilt, weiterhin ständig zu stossen.» Dafür sei eine hohe Mitgliederzahl wichtig. Mit 1159 Frauen und Männern in seinen Reihen ist der Verein da wenigstens auf dem richtigen Weg.

«Dieser Verein ist meines Wissens der einzige in der Schweiz, der für einen Autobahnbau einsteht. Alle anderen Interessengruppen im Verkehrsbereich wollen einen solchen verhindern», meinte dazu Walliser.

Eine Einschätzung, die auch Otto Noger, Chef der Infrastrukturfiliale Winterthur des Bundesamts für Strassen, teilt. Diese Filiale plant die Lückenschliessung. Er und Projektleiter Marco Knecht liessen es sich am Montag denn auch nicht nehmen, sich bei diesem einzigartigen «Fanklub» sehen zu lassen – auch wenn sie keine weiteren der heiss begehrten Neuigkeiten verkünden konnten.     

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