Wilde Wiesen punkten in Uster
Beratungsangebot zur Biodiversität
Wer ein Stück Garten besitzt, kann nur schon auf einem Quadratmeter etwas bewirken: Philipp Jucker berät Ustermer, die ihr Grün naturnah gestalten wollen.

Schon auf einer kleinen Fläche können Private etwas für die Artenvielfalt tun. Ein naturnaher Garten bietet wertvolle Nahrung und Lebensraum für Insekten, Fledermäuse oder Igel.
Die Stadt Uster schreibt auf ihrer Website, die Biodiversität sei unter Druck. Auch in Uster sind schon bestimmte Arten verschwunden, wie zum Beispiel die Feldlerche, die 1990 noch häufig zu beobachten gewesen ist.
Um die Vielfalt beizubehalten, hat der Stadtrat nun diverse Massnahmen ergriffen. Darunter auch eine kostenlose Beratung für Menschen mit Privatgärten. Diese richtet sich an Menschen, die ihre Grünfläche etwas wilder und naturnaher gestalten möchten. Philipp Jucker ist Leiter des Bereichs Biodiversität der Stadt. Er erzählt im Gespräch, wie das Angebot bis jetzt genutzt wird.



Philipp Jucker, warum braucht es Biodiversität auch in Privatgärten?
Philipp Jucker: Wir haben festgestellt, dass es einfach nicht reicht, wenn nur wir von der Stadt Uster handeln und zum Beispiel die öffentlichen Grünflächen weniger oft mähen. Um die Vielfalt zu erhalten, braucht es auch die Gärten der Einfamilienhäuser und diejenigen von verwalteten Immobilien. Bei neu geplanten Bauten ist die Umsetzung jeweils einfacher, der Zellweger-Park ist ein schönes Beispiel. Da hätte man fast nichts besser machen können. Wir hoffen, dass die Leute langsam realisieren, dass gestriegelte Steingärten und mit Mährobotern säuberlich geschnittene Rasenflächen keinesfalls viel zur Diversität beitragen.
Wer meldet sich bei Ihnen für eine Gartenberatung?
Man muss ehrlich sagen, dass sich bis jetzt vor allem Menschen bei uns melden, die sich sowieso schon mit dem Thema der Biodiversität auseinandersetzen und mir gerne einfach mal ihren Garten zeigen wollen. Bis jetzt haben sich aber doch schon zehn Haushalte angemeldet.

Wie läuft so eine Beratung ab?
Wir machen einen Termin aus, und die Interessierten zeigen mir ihren Garten. Dabei gehen wir ums Haus herum, sie erzählen mir von ihren Ideen, danach spreche ich konkrete Lösungen an. Es gibt ganz viel, was eine Privatperson schon im Kleinen selber umsetzen kann: zum Beispiel die Pflege eines Rasens anpassen und viel weniger oft mähen oder Schnittgut unten in der Hecke platzieren, um Lebensraum für Blindschleichen zu generieren. Auf jeden Fall besprechen wir, was sich die Gartenbesitzerinnen und -besitzer vorstellen, danach kommt eine Gartenbaufirma und erstellt eine Kostenskizze.
Sind das verschiedene Gartenbaufirmen, die damit Aufträge erhalten?
Für die Erstberatung arbeiten wir immer mit derselben Firma zusammen: mit der zertifizierten Biogartenbaufirma SKW AG in Bubikon. Sicher gibt es viele andere Anbieter, die sich auch qualifizieren würden. Aber wir von der Stadt Uster möchten mit einem Unternehmen arbeiten, das sich im Natur- und Landschaftsschutz bewährt hat. Ich weise die interessierten Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer immer darauf hin, dass sie sich von dieser Firma einfach mal eine Grobskizze mit einer Kosteneinschätzung anfertigen lassen können. Danach sind sie frei, die Vorschläge auch mit einem anderen Anbieter umzusetzen. Wenn sie sich dazu entschliessen, doch nichts zu machen, dann verrechnet die Stadt rund 200 Franken für den Kostenvoranschlag.
Sechs einfache Tipps für einen naturnahen Garten
1. Die Wiese weniger oft mähen und nicht düngen.
2. An den Heckenrändern wildere Übergänge gedeihen lassen.
3. Zwischen Mitte April und Mitte Juni eine Wildblumenmischung streuen – natürlich nur lokale Blumenarten.
4. Schnittgut unten in der Hecke lagern. Das bietet Schutz für Blindschleichen oder Igel.
5. Einen Rasen nicht zusätzlich wässern, damit wird der Boden etwas magerer. Somit können wilde Blumen besser gedeihen.
6. Es aushalten können, wenn der Garten nicht immer fein säuberlich aussieht, sondern sich etwas wilder präsentiert.
Wurde schon ein Projekt umgesetzt?
Ja, in Sulzbach bei der angrenzenden Landwirtschaftszone wurde ein Sportrasen in eine Magerwiese umgestaltet, und auch zwei Obstbäume wurden gepflanzt.
Wie viel kostet so ein umgestalteter Garten?
Es kommt natürlich ganz auf die Fläche und das Objekt an. Wenn bei einem Reihenhäuschen eine kleine Wiese in eine Magerwiese umgestaltet und ein schöner Totholzhaufen geschichtet werden soll, dann würde das knapp 5000 Franken kosten. Wenn die Fläche grösser ist oder ein Teich gewünscht wird, kann der Preis schnell auf 10’000 Franken und mehr ansteigen.
Gibt es auch Widerstände aus der Bevölkerung?
Leider sind Immobilienverwaltungen oft nicht interessiert daran, etwas zu ändern. Denn manchmal heisst dies auch, etwas Geld in die Hand zu nehmen. Will man Teiche anlegen oder Dächer begrünen, dann kostet das natürlich etwas. Auch gibt es Familien mit Kindern, die sagen, sie wollen keine Magerwiese, weil sie vermuten, dann mehr Bienenstiche verarzten zu müssen. Auch mit Heuschnupfen geplagte Allergikerinnen und Allergiker sind ebenfalls nicht unbedingt begeistert über eine blühende Sommerwiese vor dem Haus.
Was ist Biodiversität?
Unter Biodiversität versteht man die verschiedenen Lebensformen von Tier- und Pflanzenarten sowie Pilze und Bakterien. Biodiversität bezeichnet ausserdem unterschiedliche Lebensräume, in denen verschiedene Arten leben, wie auch eine genetische Vielfalt von Sorten.
Stadtsafari in Uster am Samstag, 17. Juni
Philipp Jucker führt am Wochenende ans Ufer des Greifensees. In dieser Stadtsafari erhalten die Teilnehmenden einen Einblick in die Lebensweise der Biber und die Pflege der Naturschutzgebiete am See. Es wird auch über Interessenskonflikte zwischen den Bedürfnissen des Naturschutzes und der Bevölkerung diskutiert. Um Anmeldung wird gebeten: stadtraum@uster.ch
