Hier werden Bärte direkt neben alten Töffs frisiert
Vintage Barber in Bubikon
Csilla Stierli frisiert Männerhaare und Bärte. Das tut sie im Keller ihres Hauses, direkt neben der Töffwerkstatt ihres Mannes. Ein Besuch vor Ort.
Das Garagentor an der Wolfhauserstrasse 26 in Bubikon wirkt unscheinbar. Keine grossen Glasscheiben, hinter denen alte Sessel stehen, Messer und Schere gewetzt werden und Haare zu Boden fallen. Doch genau hier versteckt sich der Barbershop von Csilla Stierli.

Wer zu ihr will, um sich Haare oder Bart schneiden zu lassen, muss erst mal durch die Werkstatt ihres Mannes. In einem hellen, grossen Raum arbeitet Michi Stierli an schweren Motorrädern. Momentan steht hier eine grosse Harley-Davidson, an der er schraubt und werkelt.

Das Konzept der beiden, die gemeinsam mit zwei ihrer Kinder im Haus über der Werkstatt und dem Barbershop wohnen? Vintage. Hier wird auf Old School gesetzt.
Während der 36-Jährige bereits seit rund zehn Jahren nebenberuflich an Motorrädern herumhantiert, gibt es den Barbershop seiner Frau erst gut seit einem Jahr.
Qualität vor Quantität
«Die Idee hatten wir vor etwa drei Jahren. Damals gab es aber noch nicht an jeder Ecke einen Barbershop», erklärt Michi Stierli, während er an seine Werkbank lehnt. «Wir waren uns nicht sicher: Wollen wir wirklich auch einen Barbershop machen?»
Wie umkämpft der Markt ist und wie schwierig es ist, im Haarbusiness seinen Platz zu finden, zeigt eine kurze Google-Recherche: In der knapp 7500 Einwohner umfassenden Gemeinde werden acht Coiffeursalons gelistet.
Schon früh sei für sie klar gewesen, dass sie nicht mit all den günstigen Barbern und Friseuren konkurrenzieren wollten. «Wir wollen Qualität für einen vernünftigen Preis anbieten», sagen die beiden.
Preisliste Vintage Barber
Gentleman Haare
25 Franken Cut & Go
30 Franken Cut & Style
45 Franken Cut & Style inklusive Waschen
Bart
15 Franken Konturen
25 Franken Trimmen, Pflege und Stylen
30 Franken klassische Nassrasur
Weitere Preise können auf der Website nachgeschaut werden.
Die 43-jährige gelernte Coiffeuse pflichtet ihrem Mann bei. «Hier geht es nicht um den Durchlauf. Die Kunden sollen sich wohlfühlen und entspannen.»
Auch deshalb arbeitet sie allein, steht nur ein Sessel in dem an die Werkstatt angrenzenden Raum, der aber mit einer Tür geschlossen werden kann. Und der auch im Winter, im Gegensatz zur Werkstatt, geheizt ist.
«Die Leute, die hierherkommen, schätzen die Ruhe. Ich habe Kunden, die schlafen beinahe ein, sobald ich den Stuhl kippe.» Bei ihr gebe es im Vergleich zu anderen Salons nicht noch das Gewusel, die Gespräche links und rechts, das laute Surren eines Föhns.
Und Csilla Stierli sagt:
Für jeden nehme ich mir die Zeit, die er oder sie braucht.
Heisst, sie hat zurzeit ein oder zwei Kunden pro Tag. «Es könnten mehr sein, aber grundsätzlich bin ich zufrieden, wie es läuft.» Sie habe sich bereits eine gewisse Stammkundschaft aufbauen können. Das sei wichtig, komme sie doch aus keinem Salon und habe eine solche mitnehmen können.
«Ich habe früher als Coiffeuse gearbeitet. Dann allerdings habe ich Allergien auf die ganzen Duftstoffe entwickelt und musste mein Pensum reduzieren.» Es ist einer der Gründe, warum sie sich jetzt dafür entschied, einen Barbershop zu eröffnen.
Nur um dann nachzuschieben: «Natürlich schneide ich auch Frauen und Kindern die Haare.» Haare färbt sie allerdings nur nach vorgängiger Absprache.
Sie sind detailversessen
Was das Paar verbindet, ist nicht nur das Tragen von Jeanslatzhosen an diesem Tag, sondern auch die Liebe zum Detail bei ihrer jeweiligen Arbeit. Während sie mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl einzelne abstehende Barthaare fein säuberlich abschneidet, zieht er gewissenhaft jede Schraubenmutter an der Harley in seiner Werkstatt an.

Lesen Sie hier unseren Testbericht über den Vintage Barber in Bubikon.
Bei ihr klingt das dann so: «Ich lasse Kunden hier erst rausgehen, wenn es mir passt.» Und er sagt: «So, wie ich behandelt werden will, behandle ich auch die Töffs, die mir gebracht werden.»
Beim Vintage Motorshop und Barber der Stierlis geht es um «Style, Perfektion und Realismus», wie es die beiden ausdrücken.
Das Bewusstsein für gute Qualität zeigt sich im Barbershop auch bei der Sortimentsauswahl von Bartölen oder -pomaden. «Es ist uns wichtig, auf Swissness und gute Produkte zu setzen», erklärt Michi Stierli.
Auf einen der in der Werkstatt stehenden Töffs hat sich inzwischen auch die neunjährige Tochter gesetzt. «So ist das halt, wenn Geschäft und Wohnung unter einem Dach sind», erklärt Csilla Stierli mit einem Lachen. Ihr gebe das aber auch die Möglichkeit, schnell aus ihrer Frisierstube in die Wohnräume zu gelangen.
Und auch wenn sie bislang wenig Laufkundschaft zu sich locken, ist sich das Paar sicher: «Es gibt nur einen Weg, den wir gehen, und das ist der richtige.»
