Rasenmäher «rasieren» und «verschnetzeln» Igel
Gefahr im Privatgarten
Nicht nur auf dem Feld, auch auf privaten Grünflächen lauern Gefahren für Tiere. Besonders für Igel bedeuten Kollisionen mit Mährobotern und Fadenmähern oft den Tod.
Rund 40 Igel werden derzeit in den Räumen der Igelhilfe Hinwil von Marco Schaffner und seinem Team ehrenamtlich behandelt. Während man den Tieren mit Blasen- und Lungenentzündungen ihr Leid nicht ansieht, ist dies bei den Opfern von Mähmaschinen anders.
«Dieser arme Kerl wurde gleich zweimal erwischt», sagt Schaffner und hebt einen Igel hoch, der sowohl links als auch rechts eine lange Fleischwunde aufweist.


«Da war wohl ein Fadenmäher am Werk.» Diese Art von Maschinen ist dem Hinwiler ein spezieller Dorn im Auge, denn mit diesen kann «bequem» unter Hecken und Gebüschen gemäht werden – genau dort, wo sich die Igel tagsüber zum Schlafen verstecken. «Erwischt man einen, merkt man das gar nicht, und die Tiere werden auch nur selten rechtzeitig gefunden.»
Wie viele Igel den Mähern zum Opfer fielen, sei schwierig einzuschätzen. «Manchmal werden die verletzten Tiere auch von Füchsen oder Dachsen gefunden und weggetragen.»
Hat ein Igel jedoch das Glück, früh genug entdeckt zu werden, stehen seine Überlebenschancen gut, wenn nur der Muskel verletzt ist. «Wird jedoch ein ganzes Füsschen abgetrennt, verbluten sie meist», sagt Schaffner.
Gefahr nicht nur für Säugetiere
«Bei verletzten Organen ist zudem oftmals so viel Dreck in der Wunde, dass jede Hilfe zu spät kommt.» Denn operiert werden die Tiere im Gegensatz zu von Mähern verletzten Katzen nicht. «Das wäre mit dem Tierschutz irgendwann nicht mehr vereinbar, ganz zu schweigen von den Kosten.»
Obwohl Schaffner die grösste Gefahr bei den Fadenmähern sieht, sind auch die Mähroboter ein grosses Problem. «Deren ganzes Konzept besteht ja darin, dass sie unbeaufsichtigt mähen können – doch genau das dürfte nicht sein.»
Eine dänische Studie hat die Auswirkungen von 18 verschiedenen Mährobotern untersucht. Die Resultate des Berichts, zusammengefasst vom Verein Igelzentrum Zürich, finden Sie auf der Website www.igelzentrum.ch.
Ganz junge Igel, die aus ihrem Versteck kriechen, werden von solchen Maschinen je nach Modell sofort «verschnetzelt», wie es Schaffner ausdrückt. Aber auch grössere Tiere können Opfer der Roboter werden, genauso wie andere kleine Säugetiere oder Reptilien.
Zusätzlich würden diese Maschinen wichtige Nahrungsquellen der Igel zerstören. «Anfang Sommer schlüpfen die Maikäfer, die im Rasen als Larven leben, und zwar meist alle gleichzeitig.» Fährt genau an diesem Tag ein Mähroboter über die Käfer, die ihren noch weichen Körper an der Sonne trocknen, ist die ganze Population dem Tod geweiht.
Stacheln wachsen schnell nach
Die Igelhilfe Hinwil hat Platz für über 60 Igel plus Jungtiere. Ein weiterer Igel, der Bekanntschaft mit einem Mähroboter machen musste, ist derzeit in der kleineren Igelpflegestation in Hittnau in Pflege.
Dessen Stacheln wurden richtiggehend abrasiert. «Zum Glück ist er ein Kleiner», sagt Stationsleiterin Claudia Schaufelberger. «Zwei Millimeter tiefer, und das Rückgrat wäre durch gewesen.»

Da der Igel auch Würmer hatte, kam er nach Hittnau. Nur wegen der abgeschnittenen Stacheln hätte es keine Behandlung gebraucht, diese würden bereits wieder nachwachsen.
«In diesem Jahr ist er unser erstes Mähopfer», sagt Schaufelberger. «Im letzten Jahr hatten wir aber extrem viele.» Die Pflegestation in Hittnau kann maximal 14 Tiere aufnehmen, momentan ist neben dem «rasierten» noch ein weiterer Igel in Behandlung, ebenfalls wegen Würmern.
Igelhilfe Hinwil: www.igelhilfe-hinwil.ch. Erreichbar Montag bis Sonntag, 8 bis 22 Uhr, Telefon 079 473 72 24.
Igelpflegestation Hittnau: www.igelpflegestation-hittnau.ch. Erreichbar von Montag bis Sonntag, 9 bis 19 Uhr, Telefon 044 552 57 47.
Ausserhalb der Öffnungszeiten: Tierrettungsdienst, Telefon 0800 211 222.
Den Einsatz von Fadenmähern kritisiert sie ebenfalls scharf: «Meist hat der Mensch ja noch einen Gehörschutz auf dem Kopf und merkt erst recht nicht, dass da im Gebüsch etwas ist.» Ohne vorherige Kontrolle der Flächen, die man mähen wolle, gehe gar nichts.
Rasen im Blick
Auch für den Hinwiler Igel-Experten Marco Schaffner gibt es nur eine verantwortungsvolle Art, den Rasen zu schneiden: «Den Mäher selber stossen. Dieser kann von mir aus auch elektrisch oder mit Benzin betrieben sein, aber man muss sehen können, was vor einem passiert.»
Im Sommer hat Schaffner noch eine zusätzliche Bitte an die Gartenbesitzer: «Stellen Sie eine Wasserschale für die Wildtiere bereit.» Nicht die Hitze allein sei es, die vielen Tieren zu schaffen mache, sondern der Mangel an Trinkwasser. «Da wird nicht nur der Igel dankbar sein.»
Kippfenster und Pools als tödliche Fallen
In den eigenen vier Wänden und im eigenen Garten gibt es verschiedene Stellen, die für Haus-, aber auch für Wildtiere versteckte Gefahren bergen. Zwei speziell gefährliche sind Wasserbecken und Kippfenster.
Ist beispielsweise ein Pool, eine Regentonne oder ein Teich nicht abgedeckt, können sich Katzen, aber auch Igel darin verlieren. Was auf den ersten Blick kein Problem zu sein scheint – sowohl Katzen als auch Igel können schwimmen –, wird mit dem Ertrinkungstod enden, wenn beim Pool eine Ausstiegsrampe fehlt oder das Ufer des Teichs nicht flach ist.
Bei gekippten Fenstern laufen die Katzen Gefahr, sich tödlich zu verletzen oder zu ersticken. Wenn sie versuchen, es zu queren, bleiben sie stecken. Hier kann schon ein zusammengerolltes Handtuch im Fensterspalt helfen. Da Katzen von Natur aus neugierig und entdeckungsfreudig sind, gilt dasselbe genauso beim gekippten Fenster der Nachbarn. Es ist deshalb anzuraten, diese darauf aufmerksam zu machen und um diesen potenziell lebensrettenden Kniff zu bitten. (mmu)