Dübendorf und der liebe Verkehr
Eine hochkomplexe Sache
An einer Info-Veranstaltung in Dübendorf sagten Anwohner, wo ihnen in Sachen Verkehr der Schuh drückt. Und die Vertreter der Stadt erklärten, wo sie helfen können – und wo erst mal nicht.
Es ist wahnsinnig kompliziert: Dies könnte das Fazit der Informationsveranstaltung sein, zur der die Stadt die Einwohner Dübendorfs am Dienstag eingeladen hat. Es ging um den Verkehr, die Planung desselben und die Tatsache, dass alles irgendwie miteinander verbunden ist – und dann doch wieder nicht.
Der Abend begann recht trocken mit einer Art Tätigkeitsbericht in Sachen Gesamtverkehrskonzept und Langsamverkehrskonzept – und was da in den letzten Jahren alles realisiert wurde. Zum Beispiel der Quartierplan im Hochbord, der den Durchgangsverkehr aus dem Quartier raushalten will. Oder die Tempo-30-Zone im Zentrum, der Dauerbrenner in der öffentlichen Debatte.
Schöne Velos bleiben stehen
Vielfach waren es aber ganz einfach kleinere Anpassungen jenseits der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit: hier eine behindertengerechte Bushaltestelle, da ein paar punktuelle Verbesserungen der Schulwegsicherheit, dort neue Markierungen für die Velofahrer.
Oder auch die regelmässigen Aktionen an den Bahnhöfen, bei denen herrenlose Fahrräder entfernt werden. «Es ist erstaunlich, was für qualitativ hochwertige Velos einfach stehen gelassen werden», sagte Sicherheitsvorstand Hanspeter Schmid (Die Mitte), der zusammen mit Tiefbauvorstand Adrian Ineichen (FDP) durch den Abend führte.
Brücke über die Gleise
Beim Blick in die Zukunft war es vor allem ein Wort, das immer wieder zu hören war: hochkomplex. Sei es bei der Planung der Verlängerung der Glattalbahn über Dübendorf nach Dietlikon, wo die Stadt nur in der zweiten, wenn nicht gar in der dritten Reihe sitzt und Befürchtungen bestehen, dass das Vorhaben hinter der Entwicklung des Innovationsparks hinterherhinken könnte.
Beim Bushof, wo der Kanton ebenso mitreden will wie die SBB und die Landbesitzer und wo die Interessen von verschiedensten Gruppen angehört und berücksichtigt werden müssen. Oder bei der angedachten Gleisquerung an der Säntisstrasse, mit der die zwei bisher durch die Bahnlinie getrennten Quartiere für Velofahrerinnen und Fussgänger verbunden werden sollen.
Die Komplexität zeigte sich gar in Kleinstprojekten wie der Beleuchtung der Fussgängerunterführung bei der Kläranlage Neugut, wo gemäss dem Stadtrat ein erheblicher Planungsaufwand nötig war und sogar das Bundesamt für Strassen (Astra) involviert ist. Die gute Nachricht: Die Beleuchtung darf jetzt montiert werden.

Manchmal gehts aber auch ganz unbürokratisch. So gab es über die Onlineplattform Bikeable.ch eine Reklamation wegen nicht abgeschrägter Randsteine vor einem Veloweg – das geht die Stadt jetzt an. Ebenso wie die «kritische Situation» aufgrund von Elterntaxis beim Schulhaus Högler, auf die in der Fragerunde aufmerksam gemacht wurde.
Aus den Reihen der rund 50 Anwesenden kamen ausserdem diverse Wortmeldungen zum Schleichverkehr, etwa auf der Platanenstrasse oder der Kriesbachstrasse. Das schmale Trottoir an der Bahnhofstrasse beim Gasthof Hecht wurde bemängelt. Und Anwohner der Högler- und der Hermikonstrasse forderten von den Verantwortlichen Massnahmen für eine Verbesserung der Verkehrssituation.
Wer spricht da von Tempo 30?
Dabei fiel auch immer wieder das Stichwort Tempo 30. Ein heikles Thema, denn in ein paar Tagen stimmen die Dübendorferinnen und Dübendorfer über die Initiative «Mitbestimmen bei Temporeduktionen» ab, die letztlich aus der Unzufriedenheit mit der stadträtlichen Verkehrspolitik heraus entstanden ist. Sowohl Ineichen als auch Schmid betonten mehrfach, dass keine neuen Tempo-30-Zonen angedacht seien.
Die meisten der vorgebrachten Probleme überraschten die beiden Stadträte nicht. Man sei sich der Situation bewusst, hiess es dann. Und man sei im Gespräch mit den involvierten Stellen und Interessenvertretern. Und nein, man könne keine Pauschallösung anbieten. Zeitplan? Schwer zu sagen. Oder eben: Es ist wahnsinnig kompliziert. Und hochkomplex.
