Gesellschaft

Fachjournalist würdigt Schulanlage Watt

Die Architekturzeitschrift «Hochparterre» widmet Effretikons Oberstufenschulhaus siebeneinhalb Seiten. Der Autor hat hier einst selbst die Schulbank gedrückt.

Fachjournalist würdigt Schulanlage Watt

Architektur in Illnau-Effretikon

Die Architekturzeitschrift «Hochparterre» widmet Effretikons Oberstufenschulhaus siebeneinhalb Seiten. Der Autor hat hier einst selbst die Schulbank gedrückt.

«Einmal neu gebaut, dreimal saniert» – in ihrer aktuellen Ausgabe widmet die Architektur- und Designzeitschrift «Hochparterre» ihre Hintergrundgeschichte der Schulhausanlage Watt in Effretikon. 

Auf siebeneinhalb Seiten beschreibt Autor Werner Huber den Entwurf von Manuel Pauli aus dem Jahr 1968 als ein «Musterbeispiel für die sich wandelnde Wahrnehmung der Architektur im Wechsel der Epochen». Heute ist das Schulhaus Watt als Gesamtanlage im Inventar der kantonalen Denkmalpflege enthalten.  

Der Startschuss für das Oberstufenschulhaus fiel 1961, als die Sekundarschulgemeinde Effretikon zehn Architekturbüros einlud, ihre Ideen zu präsentieren. In Effretikon begann damals der Bauboom – und damit der Wandel vom Dorf zur Stadt.

Das Rennen machte schliesslich der Entwurf des 30-jährigen Architekten Manuel Pauli mit seinen vier Hauptteilen: zwei Klassentrakten, dem lang gestreckten Bau mit zwei Turnhallen und Werkräumen sowie dem Singsaal mit anschliessender Abwartswohnung. Das vorherrschende Baumaterial: Beton.

Undichte Flachdächer und Risse im Beton

Artikelautor Werner Huber hat mit dem Watt eine gemeinsame Geschichte: Von 1977 bis 1980 besuchte er hier die Sekundarschule. Wie in dem Alter üblich, sei er sich ziemlich erwachsen vorgekommen, schreibt er.

«Und auch die Schulanlage mit den grossen Hallen, den modernen Materialien und dem gediegen klingenden Pausengong machte mir einen erwachsenen, städtischen und durchaus sympathischen Eindruck.»

Bald aber schon machte das Schulhaus vor allem wegen seiner undichten Flachdächer und schlecht schliessenden Fenster von sich reden. Dazu zeigte der Beton Risse.

Knapp 20 Jahre nach der Fertigstellung stand eine erste Sanierung an. Zu dem Zeitpunkt studierte Werner Huber an der ETH Architektur. Und schrieb hin und wieder über architektonische Themen. So auch über die erste Watt-Sanierung im damaligen Lokalblatt von Illnau-Effretikon, dem «Kiebitz».

Man sieht eine alte Aufnahme eines Quartiers.
Die Luftaufnahme aus dem Jahr 1975 zeigt im oberen Teil das Watt-Quartier mit dem gleichnamigen Oberstufenschulhaus (ganz links).

Durch den Einbezug von Manuel Pauli als architektonischen Berater habe bei dieser ersten Sanierung das Schlimmste gerade noch verhindert werden können, kommt er zum Schluss.

Statt, wie im Vorprojekt vorgesehen, die gesamten Gebäude «in einen bunten Pullover aus Eternitschindeln einzupacken», habe man sich auf die Aussendämmung und Verkleidung der grossflächigen Wandpartien mit Platten aus glasfaserverstärktem Zementmörtel beschränkt.

Die übrigen Betonteile wurden saniert und mit einer transparenten Schutzschicht überzogen. Aus gestalterischer Sicht habe die Sanierung damals «gerade noch die Kurve gekriegt», urteilt Huber heute im «Hochparterre». «Watt-Sanierung abgeschlossen: Note 5», bilanzierte er damals im «Kiebitz».

Eine 5,5 für die aktuelle Sanierung

2000 folgte dann das «lachsrote Intermezzo», wie es Huber nennt. Die aufgebrachte Schutzschicht hatte sich innert kurzer Zeit abgebaut, sodass bereits 1996 erste Schäden auftraten.

In der Folge wurde der Sichtbeton versiegelt – statt in Grau präsentierte sich der Beton nun in Lachsrot. Die Konsequenzen seien «fatal» gewesen: «Die Spannung zwischen den grauen Betonbauten und der grünen Umgebung war ebenso zerstört wie das virtuose Zusammenspiel der Materialien Beton, Ton und Holz.»

Als er dann 2016 gehört habe, dass «seine» Schulanlage für knapp 23 Millionen Franken erneut saniert werden solle, habe seine erste Redaktion «schon wieder!» gelautet.

Mit der im Spätherbst 2022 abgeschlossenen Gesamtsanierung durch das Architekturbüro Nägele Twerenbold zeigt sich Werner Huber «trotz ein paar Wermutstropfen» – die noch immer grau gestrichenen Betonpartien der Pausenhalle sowie die silbern schimmernden Rahmen der vor 30 Jahren eingebauten Holz-Metall-Fenster – aber versöhnt.

«Vor 30 Jahren gab ich der Sanierung die Note 5. Für eine 6 reicht es diesmal noch nicht. Aber die 5,5 ist schon mal geschafft.»

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