Das Provisorium kehrt zurück
Kantonsschule Uster wächst
Beim Bildungszentrum Uster soll bis im nächsten Frühjahr neuer Schulraum für zusätzliche 200 Gymnasiasten bereitstehen. Dazu braucht es einen Import aus Winterthur.
Die Kantonsschule Uster hat ein Platzproblem. Und das nicht erst seit gestern. Schon als 2019 der Neubau des gemeinsam mit der Berufsfachschule bezogenen Bildungszentrums eingeweiht wurde, war klar, dass die Realität die Planer links überholt hat: Die Kapazitäten reichten nicht aus.
So wurde kurzerhand ein grosser Teil des während der Umbauarbeiten genutzten Container-Provisoriums in den permanenten Parkschulcampus umgewandelt. Der andere, kleinere Teil der Anlage, der von der Berufsfachschule belegt worden war, wurde in die Winterthurer Kantonsschule Im Lee verschoben, weil in dieser ebenfalls ein Umbau anstand.
Nun kehren diese Module wieder an ihren alten Standort zurück – was auch dringend nötig ist. Bis die in Dübendorf geplante Kantonsschule bezugsbereit ist, werden nämlich noch zehn bis zwölf Jahre ins Land ziehen. Und der Druck durch die steigenden Schülerzahlen auf den Standort Uster weiter zunehmen.
12 neue Schulzimmer
Mit dieser neuerlichen Umzugsaktion will der Kanton für diese Zeit die Kapazität in Uster um 200 Personen erweitern und Platz für bis zu 1200 Schülerinnen und Schüler anheben.
Konkret geht es um zwei 30 Meter lange und 15 Meter breite, zweistöckige Baukörper, die über eine gedeckte Passerelle miteinander verbunden sind. In ihnen werden 12 Unterrichtszimmer und diverse weitere Vorbereitungs- und Arbeitsräume für Lehrpersonen und Schülerinnen Platz finden.

Die Installationen werden in den nächsten Monaten im Westen des bestehenden Campus errichtet. Der erste Bagger ist bereits vor Ort, die Fläche eingezäunt. Eine Eröffnung ist für den Frühling 2024 angedacht.
Die vermeintlich lange Bauzeit erklärt sich daraus, dass die bis anhin als Provisorium genutzten Anlagen nach zwei Jahren in Uster und deren drei in Winterthur erstmals mit einem längerfristigen Horizont verwendet werden – und dementsprechend aufgewertet werden müssen.
Im Sinne der Kreislaufwirtschaft
Einerseits wird die Gebäudehülle gedämmt. Andererseits, und das ist das Novum, wird an der Süd- beziehungsweise an der Südwestfassade ein verglaster, unbeheizter Holzbau erstellt.
Dieser Arbeits- und Aufenthaltstrakt, wie ihn der Regierungsrat in seinem Beschluss nennt, ähnelt einem Wintergarten, der sich in den kalten Jahren durch die tiefstehende Sonne selbst erwärmt. Auf dessen Dach wird überdies eine Photovoltaikanlage erstellt.



Da das Bauvorhaben als Pilotprojekt im Sinne der seit 2022 in der Kantonsverfassung festgeschriebenen Kreislaufwirtschaft geführt wird, wird wenn immer möglich mit Materialien gearbeitet, die bereits dem Kanton gehören. Das Stichwort lautet auf Neudeutsch «Re-use»: Fenster, Betonplatten, Leuchten oder Türen sollen also von anderen Liegenschaften übernommen und weiterverwendet werden.
Patrick Ehrismann, Rektor der Kantonsschule Uster, legt aufgrund dieser «architektonischen Aufwertung» denn auch Wert darauf, dass bei den neuen Anlagen nicht von «Containern», sondern von «Modulbauten» gesprochen wird.
Er betont: «Wir werden die bestehenden Bäume allesamt erhalten und die Bauten um sie formieren. So bleibt auch der Dorfcharakter bestehen.»
Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 6,7 Millionen Franken, die der Regierungsrat im März als gebundene Ausgabe bewilligt hat.
