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So steht es um die Zukunft des «Leone»-Grundstücks in Rikon

Auf dem Grundstück des Restaurants entsteht ein Wohnblock. Wie er aussehen wird, bleibt ein Rätsel. Der Wirt hat derweil andere Pläne.

Viel ist nicht mehr übrig vom markanten Riegelhaus in Rikon: Das ehemalige Restaurant Leone muss einem Neubau weichen.

Foto: Noah Salvetti

So steht es um die Zukunft des «Leone»-Grundstücks in Rikon

Wohnblock statt historisches Riegelhaus

Auf der Parzelle der Traditionsbeiz Leone in Rikon entsteht ein Wohnblock. Pächter Tariq Mahmood wirtet derweil im Nachbarkanton. Und spielt bereits mit dem Gedanken, sein Geschäft auszubauen.

Jahrzehntelang war das Riegelhaus an der Rikemer Tösstalstrasse ein Fixpunkt im Dorf. Im einstigen «Löwen» und späteren «Leone» bewirtete man nicht nur Gäste. Auch die Gemeindeverwaltung Zell war einst hier domiziliert.

Umso überraschender dürfte die Nachricht über den Abbruch des historischen Hauses für den einen oder anderen Dorfbewohner, Stammgast und Passanten gewesen sein. Und umso schneller ging es dem 1870 erbauten Gebäude an den Kragen.

Kaum hatte Wirt Tariq Mahmood Ende März die Tür hinter sich geschlossen, fuhren die Bagger auf. Der Abbruch des ehemaligen Traditionslokals geht seither schnell voran.

Gut die Hälfte des Hauses ist inzwischen verschwunden, der restliche Gebäudeteil wird noch schadstoffsaniert, bevor auch ihm dasselbe Schicksal blüht.

Bleibt die Frage: Was passiert mit dem Grundstück, wenn das Restaurant Leone ganz verschwunden ist? Schon länger war klar, dass der Eigentümer des Grundstücks, der Unternehmer Ruzhdi Ajrizi, hier ein Mehrfamilienhaus bauen will.

Man sieht ins Innere eines alten Fachwerkhauses, das bereits zur Hälfte abgerissen wurde.
Jene Haushälfte, die noch steht, wird vor dem Abbruch schadstoffsaniert.

Rechtlich ist das ohne Weiteres möglich. Denn das Gebäude ist nicht denkmalgeschützt, und der private Gestaltungsplan für das Areal lässt die Option für einen Ersatzbau offen.

Visualisierungen? Fehlanzeige

Anders als bei vergleichbaren Bauprojekten fehlen schmucke Visualisierungen, die veranschaulichen sollen, wie das Nachfolgegebäude aussehen wird. Ajrizi verweist auf das zuständige Architekturbüro ARS aus Winterthur.

Dort umreisst man das Projekt wie folgt: Auf der «Leone»-Parzelle entsteht ein Neubau mit Wohnungen in den oberen Etagen und einer Gastrofläche im Erdgeschoss. Für diese Fläche hat Tariq Mahmood bereits einen Pachtvertrag unterzeichnet.

Das Grundstück war nicht ausgenutzt, und durch einen Neubau sind mehr Wohnungen möglich.

Lara Baumann, Architektin und Geschäftsführerin ARS Architekten

Ab dem ersten Obergeschoss entstehen total acht Mietwohnungen, die in der Grösse von zwei- bis fünfeinhalb Zimmern variieren.

Wer sich trotz fehlenden Visualisierungen ein Bild vom Aussehen des Hauses machen möchte, muss sich auf sein Vorstellungsvermögen und sein Baugewerbe-Vokabular verlassen.

«Die Fassade wird als Kompaktfassade mit einem hochwertigen Verputz ausgeführt. Ein Metallband trennt das Erd- vom Obergeschoss ab», erklärt Architektin und Geschäftsführerin Lara Baumann.

Neubau entspricht «aktuellen Anforderungen»

Grund für den Neubau sind unter anderem die Mängel am alten Gebäude. So trat etwa Grundwasser in den Keller ein. Hinzu kommt: «Das Grundstück war nicht ausgenutzt, und durch einen Neubau sind mehr Wohnungen möglich, die den aktuellen Anforderungen entsprechen», sagt Baumann.

Damit sind die heutigen Standards hinsichtlich Wohnfläche und Barrierefreiheit gemeint. Auch energetisch entspricht der Neubau laut der Architektin den aktuellen Anforderungen. Beheizt wird er mit einer Wärmepumpe. Eine Photovoltaikanlage sei «noch nicht» geplant.

Die Bauzeit für das Mehrfamilienhaus beträgt Stand heute etwas mehr als ein Jahr. Tariq Mahmoods Plan, seine Gäste im Sommer 2024 wieder zu begrüssen, ist also durchaus ambitioniert.

Man sieht einen Herrn mit einem blauen Hemd, der vor einem Restaurant steht.
«Leone»-Pächter Tariq Mahmood wirtet neuerdings im Nachbarkanton.

Der Wirt scheint jedoch kaum Grund zur Nervosität zu haben. Kurz vor der Schliessung war er noch auf der Suche nach einer Ausweichmöglichkeit für sich und seine Stammgäste. Prompt wurde er fündig: Seit Anfang Mai empfängt Mahmood seine Gäste in der Wirtschaft zum Hirschen am Dorfrand von Sirnach TG.

Auf dieses Lokal wurde er über einen Makler aus seinem Bekanntenkreis aufmerksam. «Das Restaurant stand vorher schon etwas mehr als ein halbes Jahr leer, weil die bisherigen Pächter in Pension gingen», sagt Tariq Mahmood.

Zweites Standbein statt Ersatzlokal?

Der Start im neuen Lokal sei gut verlaufen. Mit dem «Hirschen» schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe. Er gibt den Stammgästen aus Sirnach «ihr» Lokal zurück und zieht gleichzeitig weiterhin Tösstaler Kundschaft an.

«Es kommen immer wieder Gäste aus Turbenthal oder Rikon vorbei, Sirnach ist ja nicht so weit entfernt», erzählt Mahmood. Dort setzt der «Leone»-Wirt auf klassische Schweizer Küche – auch, weil das Lokal keinen Pizzaofen hat.

Sein Pachtvertrag im «Hirschen» läuft vorerst für zwei Jahre. In sein Stammlokal nach Rikon wird er aber fix zurückkehren, sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Bis sein Vertrag in Sirnach ausläuft, will Tariq Mahmood dann beide Lokale parallel betreiben.

Und er denkt bereits daran, den «Hirschen» in Sirnach zu seinem zweiten Standbein zu machen: «Wenn es gut läuft, kann ich mir auch gut vorstellen, beide Standorte zu betreiben.»

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