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Gesellschaft

«Plötzlich schlug etwas gegen meinen Hinterkopf»

Auch Menschen können Opfer von Greifvögeln werden - so passiert einem Jogger im Hardwald.

Ein Mäusebussard im Sturzflug – nicht nur für kleine Tiere eine Gefahr.

Foto: Marco Sulzer

«Plötzlich schlug etwas gegen meinen Hinterkopf»

Greifvogelattacke in Volketswil

Hitchcock-Moment im Hardwald: Ein Leserreporter wurde von einem Mäusebussard angegriffen. Dieser wollte wohl seine Brut verteidigen.

Wer regelmässig joggt, tut seiner Gesundheit etwas Gutes. Doch auf den vermeintlich schönen Joggingstrecken lauern manchmal unerwartete Gefahren. Diese Erfahrung musste am Donnerstag auch ein Leserreporter machen, der jeweils über Mittag von seinem Arbeitsplatz in Volketswil aus eine Runde dreht.

«Ich hatte gerade den Hardwald erreicht und genoss die schöne Umgebung, als mir plötzlich etwas gegen meinen Hinterkopf schlug», erzählt er. «Zuerst dachte ich, ein Kollege hätte mich eingeholt und mir mit der flachen Hand einen Klaps gegeben – wie man das halt unter Kumpels scherzhaft so macht.»

Doch als er sich umdrehte, war niemand da. «Erst dann sah ich über mir den Mäusebussard fliegen.»

Offene Stellen am Kopf

Das ganze Ausmass der Attacke entdeckte er dann zurück im Büro, als er seinen Hinterkopf richtig untersuchen konnte. «Ich dachte, der Vogel hätte mich nur mit dem Flügel getroffen, weil ich nach dem Abtasten meines Kopfs kein Blut an meinen Händen sah.»

Tatsächlich aber hatte der Bussard seine Krallen in die Haut gebohrt. Die offenen Stellen am Kopf dürften aber nicht einmal eine Narbe hinterlassen.

Zerkratzter Kopf nach Mäusebussard-Angriff.
Glück im Unglück: Ein paar Kratzer bleiben von der Vogelattacke zurück.

Somit erging es dem Leserreporter besser als einer Joggerin, die vor einigen Jahren im gleichen Gebiet von einem Vogel attackiert wurde. Auf sie stürzte sich ein Bussard gleich zweimal, die Folgen waren neben blutigen Kratzern auch starke Kopfschmerzen. «Den Wald werde ich zumindest für einige Zeit meiden», so das Fazit der Joggerin damals.

Gebiete meiden

Tatsächlich sind Angriffe von Mäusebussarden auf Menschen in den Monaten Mai bis Juli keine Seltenheit. Manchmal sind auch Milane die Aggressoren. Die Vogelwarte Sempach hat gar ein Merkblatt erarbeitet, was solche Vorfälle betrifft: «Wir raten den Betroffenen, Gebiete, in denen solche Angriffe vorkommen, für mehrere Wochen zu meiden.»

Denn die Vögel greifen an, um ihre Jungen zu schützen. «Kommt ein Jogger zufällig in der Nähe des Horstes oder eines frisch ausgeflogenen Jungvogels vorbei, sehen die Altvögel in ihm eine Gefahr», heisst es in dem Schreiben. «Sie versuchen, den vermeintlichen Feind durch Flugattacken zu vertreiben.»

Ein schöner Mäusebussard in Wetzikon.
Diesen Krallen wollen weder Mensch noch Tier zu nahe kommen.

Meist bleibe es auch bei solchen Scheinangriffen, nur in Einzelfällen werde der Kopf des Opfers zerkratzt. Die Angriffe erfolgen meist von hinten – Spaziergänger und Velofahrer bleiben in der Regel verschont.

Im Gegensatz zu anderen Wildtieren muss man beim Mäusebussard keine Tollwutübertragung befürchten. «Doch auch bei kleineren Verletzungen sollte man sich beim Hausarzt gegen Starrkrampf (Tetanus) impfen lassen.»

«Willkommen in der Natur»

Der Fall im Kanton Aargau, als eine Frau vor einigen Jahren nach einem Angriff an Hasenpest erkrankte, ist die absolute Ausnahme. Laut Vogelwarte werden schweizweit pro Jahr nur rund ein Dutzend Angriffe überhaupt bekannt.

Der Leserreporter nimmt den aktuellen Vorfall jedoch mit Humor – nicht zuletzt, weil er erst kürzlich gegen Tetanus geimpft wurde: «Willkommen in der Natur, sage ich!»

Joggingrunde von Volketswil nach Uster, in der Mitte Greifvogelattacke.
Der Leserreporter liess sich bei seiner Joggingrunde nicht beirren – wählte aber für den Rückweg eine andere Strecke.

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