Weitere Bachtel-Mitbesitzer gesucht
Genossenschaft wirbt
«Der Bachtel gehört mir.» Das sollen möglichst viele von sich sagen können. Die Genossenschaft Bachtel-Kulm sucht neue Mitglieder.
Der Bachtel bietet fast vom ganzen Oberland einen Blickfang. Und er hat eine magische Wirkung. So zieht er an sehr schönen Tagen, egal, ob im Sommer oder Winter, über 1000 Besucher an.
Und selbst bei Schlechtwetter kommen noch mehrere Dutzend Personen auf die markante Kuppe, auf der ein 75 Meter hoher Turm steht.
«Der Bachtel gehört uns allen.» Das sagt Hubert Rüegg, Vorstandsmitglied der Genossenschaft Bachtel-Kulm, die heute rund 570 Mitglieder zählt.
Der Vorstand wünscht sich, dass die Genossenschaft weiterwächst und möglichst viele neue Leute dazukommen. Deshalb lanciert er auch eine Werbeaktion mit Flugblättern sowie Standaktionen.
Ein Dienst für die Bevölkerung
Grund für dieses Wachstumsziel ist das grösste Vorhaben in der Geschichte der 102 Jahre alten Genossenschaft: Sie will das Restaurant Bachtel-Kulm umfassend sanieren.
Dieses gehört der Genossenschaft ebenso wie über 70'000 Quadratmeter Wiese und Wald zuoberst auf dem Oberländer Hausberg.
Die Genossenschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Bachtel-Kulm unentgeltlich als öffentlich zugänglichen Erholungsraum und als Begegnungsstätte für die Bevölkerung zu erhalten.
Dazu gehören ein Picknick- und Spielplatz, eine grosse Feuerstelle samt Gratisholz, ein öffentliches WC und ein Aussichtsturm.
Dieser ist zwar im Besitz der Swisscom, steht aber auf dem Land der Genossenschaft. Diese hat es der Swisscom zur Auflage gemacht, dass sie eine Aussichtsplattform unterhalten muss.

«Der ganze Unterhalt wird ehrenamtlich erbracht», unterstreicht Rüegg. Das heisst: jährlich Hunderte Stunden, die von Genossenschaftsmitgliedern gratis geleistet werden.
Mähen, Bänkli streichen, Brennholz nachfüllen oder die Pflege des Alpengärtchens und das Vorbereiten auf den Winter gehören etwa dazu.
Wichtige Pachteinnahmen
Um das alles zu finanzieren, braucht die Genossenschaft ein gut funktionierendes Restaurant. «Wir leben in erster Linie von den Pachteinnahmen», betont Rüegg.
Damit das Lokal aber auch künftig wie geschmiert läuft, braucht es jetzt die Auffrischung. Und diese geht ins Geld.
Rund sechs Millionen Franken kostet das Projekt «Bachtel 2025», zu dem auf der Website www.bachtel2025.ch weitere Informationen zu finden sind – inklusive Angaben, wie man Mitbesitzer werden kann.
Knapp die Hälfte dieser Gesamtsumme soll über Spendengelder gedeckt werden. Gut eine Million ist mittlerweile beisammen – von Genossenschaftern, umliegenden Gemeinden, Firmen und Organisationen.
Noch offen sind Anfragen an Stiftungen. Doch die Genossenschaft setzt vor allem auch auf die Verbreiterung ihrer Basis.
«Wir erhoffen uns einen grossen Schneeballeffekt. Eine breite Bevölkerungsschicht rund um den Bachtel soll die Genossenschaft unterstützen», hält Rüegg fest.
Mängel hinter der Fassade
Seit Anfang dieses Jahrs wirtet Aco Rastoder auf dem Bachtel. Seither hat er bereits selbst erlebt, woran es hinter der Fassade des Restaurants überall hapert – von der Küche über das Restaurant, die schiefe Terrasse bis hin zu Vorratskeller, undichtem Dach und Heizung.
Wegen der alten Installation und der schlechten Isolation werden auf dem Bachtel oben fast 20’000 Liter Öl pro Jahr verbrannt.
Im Keller entspricht der Bodenbelag nicht mehr den Vorschriften, an gewissen Wänden dringt Feuchtigkeit ein, und in der Küche steht ein Herd mit gerade einmal vier Platten.
«Und damit sollen wir 150 Gäste gleichzeitig bekochen!», meint der Pächter halb amüsiert.
«Wegen all dieser Probleme sollte der Umbau möglichst schnell in Angriff genommen werden können. So müssen wir auch nicht mehr viel Geld in die Erhaltung der alten Infrastruktur stecken», meint Rüegg.
«Alle, und damit meine ich wirklich alle, können mithelfen, dass ab nächstem Jahr auf dem Bachtel ein nachhaltiges, mit Erdsonden und Solaranlage ausgestattetes Restaurant entstehen kann.»
Die bestehenden Mängel fallen den Gästen nicht auf, denn Rastoder hat mit seinem Team die Gasträume aufgefrischt: «Hier habe ich alles geschminkt.»
Farbe, Deko und Blumen lenken von den weniger schönen Stellen ab. «In der Gaststube muss es so schön sein wie in meinem Wohnzimmer.»
Im Frühling 2024 soll dann der längst fällige Umbau starten. Danach braucht es derlei Kosmetik hoffentlich nicht mehr – auch dank der hoffentlich zahlreichen neuen Mitglieder der Genossenschaft.
