Der grosse Hosenlupf des Turnvereins Fehraltorf
Regionalmeisterschaft der Turnerinnen und Turner
Wie bereitet man sich auf ein Fest mit 4000 Turnerinnen und Turnern vor? Ein Besuch bei den Verantwortlichen auf der Fehraltorfer Pferdesportanlage Barmatt.
Es ist einer dieser Tage, von denen man sagt, dass es nur einmal regne – auch wenn das natürlich nie so ganz stimmt. Über der Rennbahn Barmatt in Fehraltorf liegt kühler und feuchter Nebel. Es sind garstige Verhältnisse, die wenig Lust auf ein Fest machen.
Es ist das Glück der Veranstalter vom lokalen Turnverein, dass es bis zum grossen Wochenende noch ein paar Tage hin ist. Am Samstag und Sonntag des 3. und 4. Juni wird hier ein Grossanlass stattfinden, der mächtig Leben in die 6700-Seelen-Gemeinde bringt.
Zur alljährlichen Regionalmeisterschaft der Sektion Winterthur und Umgebung werden auf dem Areal 4000 Turnerinnen und Turner und ebenso viele Zuschauende erwartet. Um den reibungslosen Ablauf, die Verpflegung und die Sicherheit zu gewährleisten, sind dazu 1000 Helferinnen und Helfer aufgeboten. Das Budget beträgt eine knappe Million Franken.
Zwei Monate Extra-Arbeit
Es sind Zahlen, die Eindruck machen. Und hinter denen eine ehrenamtliche Arbeitslast steht, die wiederum nur schwierig in Zahlen zu fassen ist. Roman Brechbühl, 35, im OK zuständig für das Sponsoring, versucht es trotzdem.
Er sagt: «Seit dem Kick-off im Dezember 2021 habe ich zusätzlich zu meiner Vollzeitstelle bei einer Bank total zwei Monate gearbeitet. In dieser Zeit bin ich zusammen mit Freunden 960 potenzielle Sponsoren angegangen. 210 konnten wir für die Sache gewinnen.»
Zum Rundgang über das Gelände hat er seinen Vereins- und OK-Kollegen Daniel Bucher mitgebracht. Der 44-Jährige verantwortet den Bau der Anlagen und steht seit mittlerweile sechs Wochen auf Platz im Einsatz. Wobei es das zu relativieren gilt: Die Aufbauarbeiten, bei dem ihm jeweils bis zu 50 Freiwillige zur Hand gehen, finden in der Regel an einem Samstag statt.
Nach seinem Aufwand gefragt, zuckt er mit den Schultern. «Natürlich ist er gross, zeitlich vielleicht sogar noch etwas grösser als bei Roman. Doch die Arbeit ist eng mit meinem Beruf in der Holzbaubranche verbunden und macht mir Spass. Es gibt ein Gefühl der Zufriedenheit, wenn man am Abend jeweils sieht, was man geleistet hat.»
Das Aufbauteam bei der Arbeit.
Die Zufriedenheit ist denn auf der Besichtigung auch zu spüren. Bis dato sind knapp die Hälfte der Installationen errichtet worden. Sie befinden sich allesamt im südöstlichen Teil des Areals: das 1000 Quadratmeter grosse Barzelt, das 1800 Quadratmeter grosse Zelt für die Wettkämpfe zum Geräteturnen und dazwischen Wurf- und Sprunganlagen.
Die Feuerprobe haben sie bereits überstanden. Am Wochenende ist an dieser Stelle der «Fiirabig Cup» über die Bühne gegangen. Der jährliche Turnanlass des Turnvereins Fehraltorf, welcher üblicherweise in der Mehrzweckhalle Heiget stattfindet. «Rund 1000 Turner aus 47 Vereinen waren hier, fast alles hat bestens funktioniert», berichtet Roman Brechbühl.
In einem nächsten Schritt wird nun auch noch der restliche Teil der Anlagen hergerichtet. Im nördlichen Bereich werden unter anderem Laufbahnen, eine Gymnastikwiese und zig kleine Plätze für Aktivitäten im Fit- und Fun-Bereich aufgebaut. Allein das zeigt, wie gesellschaftlich breit dieser Anlass abgestützt ist.
Turner sind sich alles gewöhnt
Inzwischen hat sich der Niesel- wieder in prasselnden Regen verwandelt. Nach den niederschlagsreichen Tagen sind die Wiesen grün – und der Boden weich. Die Vorstellung, dass in zwei Wochen auf dem Feld ennet des kleinen Talbachs, der die Pferdesportanlage im Süden begrenzt, Tausende Teilnehmende und Besucherinnen auf einem grossen Zeltplatz gastieren werden, wirkt da noch etwas verwegen.
«Der Boden hier gehört insgesamt acht Landwirten, die ihn uns zur Verfügung stellen», erklärt Daniel Bucher. «Natürlich wären auch die froh, wenn das Wetter jetzt dann drehen würde. Aber sie wissen ja auch, dass das nicht in unserer Hand liegt.»
Für die Turnerinnen und Turner wird das freilich kein Problem sein. Von sengender Hitze bis zu kalten Regennächten sind sie sich alles gewöhnt. Turnfeste seien Volksfeste, ähnlich wie Festivals, sagt Roman Brechbühl. «Die Vereine kommen mit ihren Zelten, Traktoren und Wagen. Und wenn die Schuhe mal dreckig sind, dann sind sie eben dreckig.»







Für den letzten Teil des Treffens geht es schliesslich ins trockene Bistro der Reithalle unterhalb der Tribüne. Noch werden im Rund die Pferde bewegt. Doch auch dieses wird noch umfunktioniert. Der Unterhaltungsbereich, der bis in die späten Stunden genutzt wird, ist hier vorgesehen.
Auch die Reithalle erhält noch ihre Feuerprobe: Am Mittwoch vor dem Feststart spielt in ihr die Stubete Gäng, eine zeitgenössische Volksmusikband mit nationaler Bekanntheit. «Damit wollen wir allen Helfenden, dem lokalen Gewerbe und der Bevölkerung aus Fehraltorf danken und etwas zurückgeben», wie Brechbühl erklärt.
Tatsächlich kann der Aspekt der Dankbarkeit und des Zurückgebens in dieser Sache nicht hoch genug eingeschätzt werden: Es ist quasi ihr oberstes Prinzip. Jahr für Jahr richtet ein anderer Verein die Regionalmeisterschaft mit ihren Dutzenden von Wettkämpfen aus, Jahr für Jahr ziehen die Turnvereine dorthin, um ihr Darbietungen zu zeigen und den Anlass zu geniessen.

Wie das Beispiel aus Fehraltorf zeigt, ist das für die Veranstalter ein Hosenlupf, der enorme Anstrengungen erfordert – alle auf Basis der Ehrenamtlichkeit. Die Kosten für den Betrieb und das Material werden vom näheren Kleingewerbe, Gönnern und der Gemeinde getragen – meist in Form von Naturalien. Gewinne sind dabei keine vorgesehen und falls doch, gehen sie an die Vereine der Helfenden.
Entgegen dem landläufigen Trend lassen sich dabei in der Regel genügend Leute finden, die sich dafür engagieren. In Fehraltorf liegt das einerseits daran, dass der inzwischen 125-jährige Turnverein mit seinen gut 600 Mitgliedern stark im Dorf verankert ist. Generell aber auch in der Kultur der Szene – man kennt und stützt sich.
Ein Verein, ein Stück Identität
«Jahrelang durften wir an diese Veranstaltungen bei den anderen Turnvereinen gehen, nun ist es an der Zeit, dass wir sie zu uns einladen», sagt Roman Brechbühl. Wie Daniel Bucher ist er von Kindsbeinen an Mitglied des Turnvereins Fehraltorf. Er ist für beide ein Stück Identität, das vielfältige Leben in ihm eine Lebensrealität.
Dementsprechend geht es ihm am Wochenende vom 3. und 4. Juni nicht um grosse sportliche Dramen oder finanziellen Reibach, sondern um das gemeinsame Erlebnis. «Ich wünsche mir, dass wir viele tolle Rückmeldungen kriegen», sagt Brechbühl. Draussen regnet es noch immer. «Und zwei Tage Sonne – ja, das wäre schön.»
