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Ausflugsrestaurants der Region beklagen fehlendes Personal

Auch nach Corona kämpft die Gastronomie mit Personalmangel. Für viele Betriebe auch in der Region wird es eng.

Auch das Berggasthaus auf dem Rosinli sucht für diesen Sommer Verstärkung.

Symbolfoto: Seraina Boner

Ausflugsrestaurants der Region beklagen fehlendes Personal

Mitarbeitende sind rar

Ob am Flugplatz Speck, auf dem Pfannenstiel, dem Rosinli oder im Berggasthaus Sennhütte in Steg: Diesen Sommer gibt es nur wenig Spielraum für Betriebe.

Die Frühlingssaison ist angebrochen. Die Ausflugsrestaurants der Region bereiten sich auf durstige Gäste und auf volle Terrassen vor. Damit rückt die Frage nach geeignetem Personal ins Zentrum. Wer kann all die Sommerausflügler bedienen? Wer aktuell eine Stelle im Gastrobereich sucht, kann auswählen, denn viele Stellen sind unbesetzt.

Ein Problem, das auch Cheyenne Kessler im Restaurant Speck in Fehraltorf beklagt. Wegen Personalmangel muss die junge Inhaberin teilweise sogar Bankette streichen und Reservationen zurückweisen. Aktuell sind im Ausflugslokal beim Flugplatz Speck zwei Stellen ausgeschrieben: Gesucht werden eine Restaurant-Fachperson und eine Servicemitarbeiterin oder ein Servicemitarbeiter.

Beide Stellen sind in Voll- oder Teilzeit möglich. «Ich versuche da flexibel zu sein», sagt Kessler, die das beliebte Restaurant am Sportflugplatz von ihrem verstorbenen Vater übernommen hat.

Vor Corona sei es definitiv einfacher gewesen, geeignetes Personal zu finden, sagt Kessler. «Man konnte beinahe am Abend eine Person entlassen und am nächsten Tag wieder eine neue einstellen.» Diese Zeiten sind vorbei.

Umschulung während Kurzarbeit

Kessler hat eine Vermutung: «Viele Servicefachangestellte waren während zweier Jahre in Kurzarbeit und hatten während der Krise Zeit, sich umschulen zu lassen.» Viele seien in die Lebensmittelbranche abgewandert, zu Aldi oder Lidl. Als Gastronomin oder Gastronom habe man gute Chancen, als Lieferantin oder Lieferant zu arbeiten.

Wenn man diese Gemeinschaft nicht mehr hat, dann geht man lieber nach Hause.

Cheyenne Kessler, Inhaberin Restaurant Speck

Auch seien viele Angestellte zurück in ihr angestammtes Land gereist. «Während des Lockdowns allein in einem Zimmer zu sitzen, da hätte ich auch keine Freude gehabt.» Für viele Menschen in der Gastronomie seien die Mitarbeitenden wie eine Familie. «Wenn man diese Gemeinschaft nicht mehr hat, dann geht man lieber nach Hause», sagt die Inhaberin des Restaurants Speck.

Keine «Aussichten» auf der Hochwacht

Dieses Problem kennen auch andere beliebte Ausflugsziele in der Region. Auch auf dem Pfannenstiel im Restaurant Hochwacht werden aktuell zwei Mitarbeitende und zusätzlich zwei Aushilfen gesucht. «Es ist schwierig, gute Leute zu finden», sagt Renato Bernardino. Da nütze auch die schöne Aussicht wenig.

Das Restaurant Hochwacht auf dem Pfannenstiel soll saniert werden. Wann, ist noch unklar.
Das Panorama auf der Hochwacht bietet einen weiten Blick auf den Greifensee.

Der stellvertretende Geschäftsleiter hat vor Kurzem vier Personen interviewt. «Bei allen habe ich gemerkt, dass sie eigentlich nicht arbeiten wollen.» Der eine habe gemeint, er habe einen Tennisarm, ein anderer, er werde bald operiert, die Stelle gehe für ihn nicht.

Die Mitarbeitenden bevorzugen eine Anstellung als Aushilfen, oder sie bleiben nur für eine kurze Zeit.»

Mirjam Wüthrich, Leiterin Geschäftsfeld Tourismus der Standortförderung Zürioberland

Bei der Standortförderung Zürioberland ist das Problem bekannt. Mirjam Wüthrich sagt, der Fachkräftemangel in Restaurants sei ein oft besprochenes Thema unter ihren Mitgliedern. «Die Mitarbeitenden bevorzugen eine Anstellung als Aushilfen, oder sie bleiben nur für eine kurze Zeit», sagt die Leiterin Geschäftsfeld Tourismus. Somit entstehen häufige Wechsel. Das kostet die Restaurantbetreiberinnen und -betreiber viel Energie und Arbeitszeit für neue Bewerbungsgespräche.


> Lesen Sie hier das Interview mit Mirjam Wüthrich


Wie geht Renato Bernardino auf der Hochwacht damit um? «Es muss halt weitergehen, ich versuche positiv zu bleiben.» Denn schon jetzt ist die Terrasse auf der Hochwacht geöffnet. Damit werden noch etwas mehr Gäste erwartet als im Winterhalbjahr.

Das Bergrestaurant Sennhütte kann zurzeit wegen eines Unfalls nur sporadisch bedienen.

Auch die Situation im Betrieb Berggasthaus Sennhütte in Steg zeigt, dass es nur wenig Spielraum für Ausfälle gibt. Gastgeberin Sarah Tiefenbacher und ihr Mann Felipe suchen ebenfalls zusätzliche Hilfe im Service: «Eine aufgestellte, flinke Person, die zu uns passt und unsere Gäste gerne verwöhnt und schon Erfahrung in der Gastronomie hat.»

Telefonisch sind sie nicht erreichbar, aber auf der Website ist zu lesen, dass der hübsche Gasthof im Tösstal zurzeit nur sporadisch geöffnet ist.

Wenig Spielraum für Ausfälle

Der Grund: Koch Felipe Rojas hatte einen Unfall und kann für die nächsten vier Wochen nicht arbeiten. «Wir suchen nach Lösungen und Hilfe. Wir machen das Beste aus der Situation und hoffen, wir müssen uns so wenig wie möglich einschränken», steht auf der Website des Gasthofs.

Es könne sein, dass das Lokal mal nur für durstige Hälse geöffnet sei, nicht aber für hungrige Bäuche. Reservationen für Übernachtungen könnten jedoch gewährleistet werden. Für die konkreten Öffnungszeiten sollen die Ausflügler besser vorher auf Google nachschauen.

Zu guter Letzt sagt auch der neue Pächter auf dem Rosinli: «Ich bin immer auf der Suche nach Servicepersonal.» Das Ausflugsziel mit der langen Rutschbahn ist vor allem für Familien attraktiv. Wenn das Wetter schön ist, dann überquillt das Rosinli förmlich.

Am Ostermontag hatten wir 600 Gäste. Am drauffolgenden Tag dann noch drei.

Paul Buchs, Pächter auf dem Rosinli

Deswegen sucht Paul Buchs vor allem flexible Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «Am Ostermontag hatten wir 600 Gäste, am drauffolgenden Dienstag waren es noch drei Leute.» Man müsse als Betreiber einen grossen Pool an einsetzbaren Menschen haben, damit man sich den Verhältnissen schnell anpassen könne. Bei ihm arbeiten Studenten sowie Pensionierte für einzelne Tage.

Ob wegen Ausfällen oder zu wenig Personal viele Lokale schliessen müssen? Auf diese Frage wollte keines der Gasthäuser konkret eingehen. Man spürt, es dreht sich hier um ein eher unangenehmes Thema. Auf dem Hörnli wollte man gar keine Auskunft geben, und auf dem Bachtel war niemand erreichbar.

Am Zürioberland Forum der Standortförderung Zürioberland wird am 15. Juni über Berufe diskutiert. Hauptthemen sind neue Arbeitsformen und Möglichkeiten für junge Menschen.

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