Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Wenn der Mami-Zimmer-Aufräum-Effekt einen ganzen Verein beschäftigt

Der Volketswiler Verein Clean Walkers räumt regelmässig in der Gemeinde auf. Die Sinnfrage darüber stellen sich Kritiker und Verein gleichermassen.

Der Volketswiler Verein Clean Walkers ist regelmässig unterwegs, um Abfall in Quartieren und der Natur aufzusammeln,

PD

Wenn der Mami-Zimmer-Aufräum-Effekt einen ganzen Verein beschäftigt

«Clean Walkers» Volketswil

Der Volketswiler Verein Clean Walkers räumt regelmässig in der Gemeinde auf. Die Sinnfrage darüber stellen sich Kritiker und Verein gleichermassen.

«Ich würde den Verein sofort auflösen», sagt Michel Fässler, Präsident der «Clean Walkers» aus Volketswil. «Doch erst, wenn es das Littering-Problem nicht mehr gibt.» Und danach sehe es nicht aus. «Eine solche Welt werden wir wahrscheinlich vorerst nicht erleben.»

Deshalb machen sich die Vereinsmitglieder morgen Samstag mit vielen Freiwilligen einmal mehr daran, weggeworfenen Müll in Volketswil aufzulesen.

Und natürlich sind ihnen viele dankbar und zeigen dies auch. Mal drücke ihnen eine Passantin eine 20er-Note in die Hand, mal hupe ein Automobilist aufmunternd. Doch gerne hätte er mal einen Dank aus den Reihen jener Minderheit, die für das ganze Littering verantwortlich ist. «Leider habe ich noch nie gehört: Danke, dass ihr den Müll einsammelt, den ich weggeworfen habe.»

«Liegenlassen ist für die Natur keine Option.»

Michel Fässler

Vereinspräsident Clean Walkers 

Tatsächlich überwiegt aber bei Fässler der Ärger über solche Leute: «Einfach darauf zählen, dass Gemeindearbeiter und wir dann schon aufräumen – bei denen stimmt die Einstellung nicht. Die müssen zuerst im Kopf etwas ändern.»

Kritik fürs Hinterherräumen

Doch ist dieses Hinterherräumen nicht eine erzieherische Bankrotterklärung? «Auch wir machen uns diese Überlegungen immer wieder. Wir nennen das den Mami-Zimmer-Aufräum-Effekt.» Doch bei solchen Diskussionen gebe es nur eine Antwort: «Liegenlassen ist für die Natur keine Option.»   

Die «Clean Walkers» würden Aufräumen ja nicht als Hobby betreiben, sondern hätten es schlicht satt, in einem verdreckten Gebiet zu leben.

Ein Mann vor einem grossen Haufen Zigarettenstummeln.
Häufiges Abfallgut: Clean-Walker-Präsident Michel Fässler präsentiert einen Berg gesammelter Zigarettenstummel.

«Kühe verenden, weil sie ein Stück Aludose gefressen haben, Zigarettenstummel verunreinigen das Wasser und Plastik ist sowieso überall in der Natur zu finden», sagt Fässler. Wenn in modernen Filmproduktionen der Held lässig eine Zigarette wegschnipst, brauche man sich nicht wundern, dass dies auch im richtigen Leben bloss ein Kavaliersdelikt sei. 

Portemonnaie und Pass

Jedoch werde nicht alles mutwillig weggeworfen. Kürzlich seien sie mit dem Verband zum Schutz des Greifensees unterwegs gewesen und hätten im Naturschutzgebiet Bälle von fast sämtlichen Ballsportarten zusammengelesen. 

Auch Portemonnaies oder gar Pässe hätten sie schon bei ihren Putzaktionen gefunden – und dann der Polizei übergeben. Müll bleibt aber das hauptsächliche Gut, das die Freiwilligen vom Boden auflesen. An der morgigen «Frühlingsputzete» wird das wieder der Fall sein. Während insgesamt sechs Stunden sammelt der Verein auf drei verschiedenen Touren in der Gemeinde Abfall. 

Er werde immer wieder gefragt, wie viele Tonnen dabei zusammenkommen, sagt Fässler. Für ihn sei jedoch nicht das Gewicht entscheidend, sondern die Stückzahl. Ein Clean Walker sammle schätzungsweise 600 bis 1000 Stücke, bei etwa 60 Personen komme so einiges zusammen. 
Fässler ist sich bewusst, dass damit das Littering-Problem nicht gelöst ist. «Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein.» 

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns