79-Jähriger eröffnet Rostbratwurst-Imbiss
Ostdeutsche Spezialität in Kollbrunn
Ein Baumer Unternehmer betreibt in Kollbrunn neu einen Imbissstand mit ostdeutschem Flair. Mit seinem Hauptprodukt, der Rostbratwurst Thüringer Art, hat er es nicht nur auf Heimweh-Deutsche abgesehen.
An den Toren zu Kollbrunn steigt einem seit Kurzem ein herzhafter Duft in die Nase.
Er kommt nicht von ungefähr. Auf dem grossen Parkplatz neben der leerstehenden Spinnerei-Fabrikhalle hat Conradin Joos diesen Mittwoch seinen Imbissstand eröffnet.
Bereits der Name verrät, womit es die Tösstaler Kundschaft hier zu tun hat: «Rostbratwurst Thüringer Art» steht in grossen Lettern auf dem roten Partyzelt, das Sitzmöglichkeiten für Gäste bietet. Besagte Würste sind denn auch das wichtigste Produkt der frisch eröffneten Imbissbude.
«Meine Freunde sagen, ich spinne.»
Conradin Joos
Inhaber Rostbratwurst-Imbiss
Die Idee, einen Gastrobetrieb mit Fokus auf die Ostdeutsche Wurstspezialität zu eröffnen, hat Joos von seinem Freund, der selbst aus Thüringen stammt Dieser ist Herr über die Küche im Kollbrunner Imbiss.
Eine Wurst zum Schwärmen
Der Stand bietet neben der traditionellen Rostbratwurst auch Currywurst und ostdeutsche Spezialitäten wie «Vita-Cola» oder «Hasseröder Bier» an. «Die Thüringer Rostbratwurst habe ich schon vor vielen Jahren einmal auf einer Deutschlandreise probiert – ich war begeistert», schwärmt Inhaber Joos.
Kennengelernt hat Joos seinen Thüringer Geschäftspartner als Mieter seiner Wohnung. Als dieser – seines Zeichens gelernter LKW-Fahrer – auf Jobsuche war, kam ihnen der Einfall. «Mit über 50 ist es schwer, eine neue Stelle zu finden», sagt Joos. «Da haben wir überlegt, was man Eigenes auf die Beine stellen könnte.»

Heraus kam der Wurststand mit DDR-Flair, betrieben von der Thüringen Imbiss GmbH mit Sitz in Joos’ Heimatort Bauma. Dass er mit fast 80 Jahren noch eine eigene Firma gründet, hätte der Unternehmer mit dem markanten weissen Bart nicht gedacht.
«Ich wollte mein Leben lang nie eine AG oder GmbH gründen, hatte stets nur Einzelfirmen», sagt der Gründer, lacht und fügt hinzu: «Meine Freunde sagen, ich spinne.»
Erste Erfahrungen in Russikon
Die Imbissbude ist nicht sein erstes Projekt. Er war bereits als Autohändler tätig, reparierte Wohnwagen und fuhr Taxi.
Bevor es ihn nach Kollbrunn verschlug, betrieb Joos den Wurstimbiss ein halbes Jahr lang in Russikon. «Wir konnten einige Stammkunden gewinnen, aber es war zäh. Schliesslich mussten wir für ein Bauprojekt Platz machen.»
Nach fieberhafter Suche wurde der Inhaber beim Spinnerei-Areal fündig. Dass er hier ebenfalls einen provisorischen Standort bezieht, ist ihm bewusst.
Längerfristig will die Swiss Property AG das Areal zu einem neuen Quartier umbauen. «Aber wenn wir vier, fünf Jahre hierbleiben können, ist das schon ein guter Anfang», sagt Joos.
Ferne Tradition, kurze Wege
So weit die Wiege der Wurst auch entfernt sein mag, so regional sind die Zutaten: Die Würste bezieht der Imbiss von der Metzgerei Hotz aus Pfäffikon. Der Leiter der Baumer Metzgerei-Filiale stammt ebenfalls aus Thüringen und kennt das Originalrezept.
«Sie schmeckt gleich wie das Original – das bestätigen auch unsere deutschen Gäste.»
Conradin Joos
Inhaber Rostbratwurst-Imbiss
Die Brötchen zur Wurst haben gar einen noch kürzeren Transportweg. Sie werden vom Wisliger Huusbeck in dessen Backstube hergestellt. Diese befindet sich ebenfalls auf dem Kollbrunner Spinnerei-Areal.
Weil «Thüringer Rostbratwurst» eine geschützte Herkunftsbezeichnung ist, darf die von Hotz hergestellte Wurst nur die Bezeichnung «nach Thüringer Art» tragen. Doch Joos versichert: «Sie schmeckt gleich wie das Original – das bestätigen auch unsere deutschen Gäste.»
Zielgruppe: LKW- und Töff-Fahrer
Um die Wurst zu mögen, muss man allerdings kein Heimweh-Deutscher sein. «Ich bin sonst wirklich heikel, aber die schmeckt wirklich gut», bestätigt ein Stammgast, der sich zuerst einen Kaffee genehmigt.
Mit seinem Imbiss hat es Conradin Joos vor allem auf die gut befahrene Tösstalstrasse abgesehen: «Wir hoffen auf viele Töff- und LKW-Fahrer, die hier Pause machen.»