Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Warum zu viel Licht Schaden anrichtet – auch in der Region

Taghelle Lichtquellen können die Natur und die Tierwelt verwirren. Was eine Privatperson dagegen unternehmen kann, erzählt Lukas Schuler des Vereins Dark-Sky.

Lukas Schuler des Vereins Dark-Sky setzt sich gegen Lichtverschmutzung ein.

Foto: Seraina Boner

Warum zu viel Licht Schaden anrichtet – auch in der Region

Die Nacht als Tag vorgegaukelt

Taghelle Lichtquellen können die Natur und die Tierwelt verwirren. Was eine Privatperson dagegen unternehmen kann, erzählt Lukas Schuler des Vereins Dark-Sky.

Die Lichtverschmutzung war für Lukas Schuler schon in den Neunzigerjahren ein Thema, als er noch Hobby-Astronom war. Als er damals im Limmattal ins Teleskop blickte, bemerkte er, wie extrem das Sterngucken durch Licht in der Erdatmosphäre beeinflusst und eingeschränkt wird.

Der Naturwissenschaftler lebt heute in Wallisellen «mitten in der Lichtsuppe der Agglomeration», wie er selber sagt. Schuler ist Geschäftsleiter des gemeinnützigen Vereins Dark-Sky Switzerland. Aufgewachsen ist der 53-Jährige in Hombrechtikon.

Wie kann eine Privatperson besser Licht eindämmen?

Grundsätzlich machen wir einfach zu viel. Man kann sich zum Beispiel immer fragen, ob die geplante Leuchte wirklich notwendig ist. So sollte man im Garten keine Solarlichter im Boden anbringen, die nur zur Zierde dienen. Man darf sich allgemein bewusst sein, dass es sich bei einer Nachtruhestörung nicht nur um Lärm handeln muss, sondern auch um Licht. Das würde bedeuten, ab zehn Uhr nachts, einfach unnötiges Licht ausschalten. Mit Zeitschaltuhren kann auch sehr gut gearbeitet werden. Klar, wer auf dem Balkon noch Zeitung lesen will oder eine Party veranstaltet, mit Beleuchtung, dann wird das Licht in der Zeit aktiv gebraucht. Das soll aber nicht heissen, dass man die Partybeleuchtung danach noch eine Woche lang brennen lässt –ohne sie zu nutzen. Ein Konsument kann viel bewirken: Generell sollte man auf die Farbtemperatur (Kelvin) der Lichtquelle achten. Auch beim Autokauf: Auf die Farbe der Scheinwerfer achten. Viele Autohersteller nutzen heute blaueres und viel helleres Licht als früher.

Nachtspaziergang zum Thema Lichtverschmutzung
15.2.2023
Kurzwelligeres, also bäuliches Licht zieht mehr Insekten an und ist deswegen schädlicher.

Wem schadet zu viel Licht?

Die Natur folgt einem Zyklus von Tag und Nacht. Wenn dieser gestört wird durch künstliche Lichtquellen, entsteht Chaos für die Tierwelt. Zum Beispiel sind nun auch Mäuse tagsüber zu sehen. Normalerweise würden Nagetiere sich erst in der Dunkelheit auf Essenssuche machen, weil sie sich tagsüber vor Räubern versteckt halten. Wenn es nun aber auch nachts taghell ist, bringt das ihr Verhalten komplett durcheinander. Unsere Lichtquellen sind heute viel heller als die natürliche Nacht. Zudem zieht kaltes Licht viele Insekten an, diese wiederum ziehen die Spinnen an, welche die Insekten fressen wollen. Spinnen sind Nahrungsquellen für Amseln, also halten sich plötzlich auch Vögel nachts an diesen Stellen auf. Es handelt sich um einen zusammenhängenden Kreislauf, der zunehmend aus dem Lot gerät. Viele Architektinnen und Landschaftsgärtner bringen zum Beispiel Lichtquellen im Boden an, die nur zur Zierde dienen. Doch an diesen Plätzen würde nie ein Vogel nisten, er würde sich zu gestört fühlen.

Spielt die Farbe des Lichtes eine Rolle?

Auf jeden Fall. Wir erzeugen heute mehr blaues, also kurzwelliges Licht, als früher. Dieses bringt mehr Störwirkung für Tiere, weil dieses Licht denjenigen Quellen gleicht, an denen sie sich in der Nacht orientieren, also Mond und die Sterne. Das kann dazu führen, dass sich zum Beispiel ein Nachtfalter völlig orientierungslos um eine helle Lampe herum dreht. Oranges Licht hingegen, wie unsere älteren Strassenlampen, sind da viel besser, weil langwelligere Leuchten weniger Insekten anziehen. Für Insekten bedeutet kühles Licht, dass sich hier ein Orientierungspunkt befindet. Das kann das ganze System durcheinanderbringen.

Wie hell darf die Nacht sein?

Niemand stellt den Sinn einer Aussenbeleuchtung infrage. Viele Lampen strahlen aber viel weiter, als nur dorthin, wo sie wirklich gebraucht werden. Wir erzeugen zu viel Blendung und Ablenkung: Zum Beispiel ein schlecht geplanter Sportplatz, dessen Leuchten nach oben gerichtet sind. Die Spielerinnen und Spieler sollen auf dem Rasen etwas sehen können, aber wem nützt das Licht, da oben? Mit guter Planung kann man die künstliche Himmelsaufhellung eindämmen – ohne dabei auf notwendiges Licht zu verzichten, das uns zum Beispiel als Wegweiser am Boden dient.

Warum hilft der technische Fortschritt – und die neuen LED-Lampen – nicht zur Beschränkung?

Wir produzieren heute hellere Lampen, die weniger Strom verbrauchen. Mittlerweile können wir mit einem Achtel der Energie dieselben Lichtverhältnisse herstellen. Sprich: Alles wird heller und auch kurzwelliger. Es wäre eine gute Gelegenheit, den gesparten Strom einfach anderweitig zu nutzen.

Wie man schlauer mit Lichtquellen umgeht, kann man hier nachlesen: Es gibt auf der Webseite vom Bundesamt für Umwelt einen sieben Punkte-Plan dazu.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns