Zeitreise im Illnauer «Rössli»
Schilling statt Franken
Seit rund vier Monaten führen Nadja und Rainer Hoffer das Restaurant Rössli in Illnau. Momentan kann dort auch mit altem österreichischem Geld bezahlt werden.
Über 20 Jahre ist es her seit in Österreich der Euro den Schilling abgelöst hat. Nun kann man wieder mit ihm bezahlen – allerdings nicht in Österreich, sondern im Restaurant Rössli in Illnau.
Dessen Geschäftsführer Rainer Hoffmann ist gebürtiger Wiener. Als er 1997 in die Schweiz kam, war der Schilling in Österreich noch omnipräsent. «Vor kurzem habe ich gelesen, dass seit der Euro-Umstellung noch Schillinge im Gegenwert von fast 500 Millionen Euro fehlen», erzählt er.
5000 Schillinge erwartet
Da im «Rössli» im Februar sowieso die «Österreich-Wochen» geplant waren, hat er dies zum Anlass genommen, die Extrakarte nicht nur mit den Preisen in Franken, sondern auch den Preisen in Schilling zu versehen. «Wir rechnen mit den zuletzt aktuellen Wechselkurs Franken-Schilling von 1 zu 8», sagt Hoffer. Auch auf jeder Rechnung wird der Betrag in Franken und Schilling ausgewiesen.
Im Team laufen bereits Wetten, wie viele Schillinge wohl zusammenkommen. «Ich habe auf 5000 getippt – das wären rund 700 Franken.»
Nur: Obwohl die Österreich-Wochen am 4. Februar begonnen haben, sind noch keine Schillinge in der Kasse gelandet. «Viele Gäste dachten, das Ganze sei nur ein Gag», erzählt Hoffer. «Aber sie sagten, sie werden ein zweites Mal kommen und ihre Schillinge mitbringen.»
Schilling-Umlauf
Seit der Umstellung auf den Euro per Januar 2002 sind mehr als zwei Jahrzehnte vergangen. Dennoch befinden sich heute noch immer umfangreiche Schilling-Beträge in Umlauf.
Die ruhenden Schillingbestände belaufen sich derzeit (Stichtag 31. Dezember 2022) auf 6,9 Milliarden Österreichische Schillinge, wie die Österreichische Nationalbank auf ihrer Website schreibt. Das entspricht einem Gegenwert von rund 499 Millionen Euro. Dieser Wert betrifft Banknoten und Münzen der letzten Serie mit unlimitierter Umtauschmöglichkeit.
Laut der Nationalbank sind konkret noch über 43,5 Millionen Banknoten und über 3,5 Milliarden Münzen nicht eingetauscht worden.
Bei seinem nächsten Besuch in Wien wird Hoffer die Schillinge, die er eingenommen hat, auf der Bank in Euro umtauschen. «Ich habe auch noch ein paar zuhause herumliegen, die ich umtauschen will – oder vielleicht aus Nostalgiegründen doch behalten…»
Mehr Schnitzel als Züri Gschnetzelts
Die Aktionswochen dauern offiziell noch bis Ende Februar. Da die österreichischen Spezialitäten momentan bei den Gästen sehr gut ankommen – «aktuell verkaufen wir mehr Schnitzel und Tafelspitz als Züri Gschnetzelts und Leber» – denkt Hoffer allerdings über eine Verlängerung nach.
Im April beginnt dann das stark saisonal geprägte Konzept. «Mit diesem konnten wir uns in der Ausschreibung auch gegen 40 Mitbewerber durchsetzen», so der Gastgeber, der im November gemeinsam mit seiner Frau Nadja Hoffer die Nachfolge von Vreni und René Kaufmann im «Rössli» angetreten hatte.
«Wir müssen es noch einen Zacken besser als die Kaufmanns machen, damit wir als ‹gleich gut› anerkannt werden.»
Rainer Hoffer
Geschäftsführer «Rössli» Illnau
Ein Erbe, das die Hoffers jeden Tag unter Druck setzt. «Und es ist auch gut und richtig, dass wir diesen Druck wahrnehmen. Wir alle wissen: Wir müssen es noch einen Zacken besser als die Kaufmanns machen, damit wir als ‹gleich gut› anerkannt werden.»
Vereine wieder da
Zumindest bei den Google-Bewertungen konnte das Ehepaar Hoffer bislang die gleiche Zufriedenheitsrate erreichen wie seine Vorgänger. «Für mich erfreulich ist, dass wir die vielen treuen und langjährigen Stammgäste des Rössli Illnau überzeugen können.» Die Vereine seien bereits alle wieder da.
«Das nicht immer alles klappt, ist auch klar», sagt Rainer Hoffer. Negative Rückmeldungen nehme man an und stelle sich der Kritik. «Auch ich mache Fehler. Wichtig ist, dass wir daraus lernen und uns verbessern.»
