In Sabine Juds Geschenke-Kiosk gehen bald die Lichter aus
Serie | Tösstaler Kioskbetreiber
Im Tösstal prägen unabhängige Kioske das Ortsbild. Doch das Lädeli von Sabine Jud in Bauma ist mehr als ein gewöhnlicher Kiosk. Damit ist aber bald Schluss: Die Geschenkboutique schliesst im Frühling.
Einen «normalen» Kiosk zu betreiben, das kommt für Sabine Jud nicht infrage. Das widerspiegelt sich nicht nur im Angebot, sondern auch im Namen ihres Geschäfts. Seit 2014 betreibt sie die Geschenkeboutique neben der Migros-Filiale in Bauma, unweit vom Bahnhof.
Den Laden hat sie vor neun Jahren übernommen. Ihr Vorgänger betrieb im Lokal bereits einen Kiosk. «Als ich übernommen habe, habe ich das Potenzial gesehen, daraus einen Geschenkeladen mit Kiosk zu machen», erzählt Jud.
In ihrer Boutique bietet sie neben den traditionellen Kioskwaren Geschenkartikel und -sets an, die sie auch individuell zusammenstellt.
Kaufverhalten hat sich verändert
Dass ihr Betrieb nicht zu einer Kioskkette gehört, hat für Sabine Jud vor allem Vorteile. «Ich kann mein Sortiment selbst bestimmen und individuell auf die Wünsche meiner Kunden eingehen.»
Über die Serie
In der Mini-Serie «Wir, die Tösstaler Kioskbetreiber» stellen wir die Köpfe hinter drei unabhängigen Kiosken im Tösstal und deren Geschichten vor.
Die Lieferantenbeziehungen, die ihr Vorgänger bereits hatte, hatten den Start vereinfacht. Dass der Konzern Valora wenige Meter weiter auch eine Avec-Filiale betreibt, spürt Sabine Jud kaum – wohl auch wegen der Geschenke, die der Mitbewerber nicht anbietet.
Dennoch ist für Jud klar: «Das Kaufverhalten hat sich in den letzten Jahren verändert, und Faktoren wie steigende Nebenkosten spielen auch mit hinein.» Man komme mit dem Geschäft gerade so über die Runden.
Laden schliesst vor Ende der Gnadenfrist
Die Betreiberin der Geschenkeboutique schätzt den Kontakt mit ihren Kundinnen und Kunden. «Es ist schön, wenn man Feedback zu den Geschenken erhält. Und ich schätze die persönlichen Beziehungen, die ich über die Jahre aufgebaut habe», sagt Jud. Das gebe es an der Kasse der Detailhändler nicht.
Doch bald geht dieses Kapitel zu Ende: Da die Migros ihre Verkaufsfläche erweitern will, muss Jud mit ihrem Laden Platz machen. «Ich wäre gerne geblieben, doch leider lief die Kommunikation nicht ideal.»
Meine Stammkunden bedauern, dass damit ein weiteres individuelles Angebot in Bauma verloren geht. »
Sabine Jud
Inhaberin Geschenkboutique Bauma
Der Vermieter setzte ihr eine Gnadenfrist bis Juni 2024. «Doch ich wollte nicht auf ein Ablaufdatum hinarbeiten, sondern das Ende selbst bestimmen.»
Eigentlich hätte sie sich vorstellen können, ihren Laden im neu entstehenden Coop auf dem Areal des alten Landi weiterzuführen. Da dies aber noch dauert, gibt Jud die Selbständigkeit auf. «Meine Stammkunden bedauern, dass damit ein weiteres individuelles Angebot in Bauma verloren geht.»
Am 25. März öffnet sie den Laden zum letzten Mal. Die gelernte Servicefachfrau sucht sich nun eine Anstellung – sieht darin aber auch das Positive: «Ich freue mich auch auf die geregelten Arbeitszeiten und die Flexibilität.»