Das sind die Menschen hinter den Kiosken im Tösstal
Serie | Tösstaler Kioskbetreiber
Während sie andernorts von K-Kiosken verdrängt werden, prägen im Tösstal unabhängige Kioske das Ortsbild. Wir stellen drei Läden und ihre Betreiber vor.
Ob Zeitschrift oder Schläckseckli, Mineralwasser oder Zigaretten – im Kiosk gibt es alles, was der mobile Mensch braucht. Und meist noch ein Lächeln der Kioskfrau oder des Kioskmanns obendrauf.
Für die breite Masse ist der typische Bahnhofkiosk jener mit dem rot-weissen Schriftzug auf babyblauem Grund.
Das kommt nicht von ungefähr: Mit schweizweit mehr als 800 Filialen ist der Konzern Valora der Platzhirsch im Geschäft mit den Spontankäufen.
Wo das Geschäft brummt, findet sich in der Regel ein K-Kiosk: in Städten und an gut frequentierten Bahnhöfen etwa. Während der «Tante-Emma-Kiosk», so schreibt es «Tsüri.ch», in urbanen Zentren allmählich auszusterben scheint, ist die Situation im Tösstal eine andere.
K-Kioske geschlossen
Gleich an drei Bahnhaltestellen entlang der Tösstallinie betreiben Private den obligaten Bahnhofkiosk – und in Bauma gibt es einen privaten Kiosk einen Steinwurf vom Bahnhof entfernt.
Mal heisst er «Bahnhofshop», mal «Bahnhof Kiosk», und mancherorts deuten die nur langsam abperlenden blauen Folien darauf hin, dass hier mal ein K-Kiosk Kunden bediente.
Die letzten Bahnhofkioske von Valora befanden sich in Rikon und Turbenthal. Ersterer schloss im Jahr 2010 seine Türen, in Turbenthal zog man Ende 2020 den Stecker.
Über die Serie
In der Mini-Serie «Wir, die Tösstaler Kioskbetreiber» stellen wir die Köpfe hinter drei unabhängigen Kiosken im Tösstal und deren Geschichten vor.
«Hintergrund war, dass die Verkaufsstelle seit Längerem nicht mehr rentabel gewesen war. Diese Situation hatte sich aufgrund der Corona-Krise und des daraus folgenden drastischen Einbruchs der Kundenfrequenz noch zusätzlich verschärft», sagt Valora-Sprecher Martin Zehnder dazu.
Weshalb der Kiosk in Rikon geschlossen worden sei, lasse sich nicht mehr eruieren. Ebenso wenig wisse man, ob man am Bahnhof Kollbrunn überhaupt einmal einen Kiosk geführt habe.
Die Lücken, die der Kioskkonzern hinterlässt, versuchen die privaten Kioskbetreiberinnen und -betreiber zu schliessen: ein hartes Geschäft mit langen Arbeitstagen und wenigen Pausen. Doch die Unabhängigkeit hat auch Vorteile.
Ali Khawaja, Bahnhof Kiosk Rikon
Wer am Bahnhof Rikon haltmacht, den heisst Kioskinhaber Ali Khawaja willkommen. Der Platz in seinem Häuschen reicht gerade aus, um sich darin zu bewegen. Dafür erscheint das Angebot umso grösser. 2010 sprang er in die Bresche, als der K-Kiosk zuging.
Für den 56-Jährigen mit pakistanischen Wurzeln war es eine Premiere. Bevor er nach Rikon kam, war er als Gastro-Unternehmer tätig.
Im aargauischen Mellingen bei Baden führte er 13 Jahre lang das Restaurant Tajmahal. «Ich hatte aber schon lange Interesse daran, einen Kiosk zu betreiben», erzählt Khawaja.
Freude am Austausch
Auf das Angebot stiess er über seinen Freund, den Betreiber des Bahnhofshops in Kollbrunn. Dieser existiert bereits seit 2007. Khawaja beschreibt ihn als «eher zurückhaltenden Typ» – auf einen Zeitungsbericht wollte dieser denn auch verzichten.
Der Kassenschlager am Bahnhof Rikon ist schnell ausgemacht: «Zigaretten». Ali Khawaja ist im Dorf kein Unbekannter.
Es läuft okay – gut wäre was anderes, aber es reicht zum Leben aus. »
Ali Khawaja
Betreiber des Bahnhofkiosks in Rikon
«Die Leute kennen mich, und ich kenne die Leute.» Von seiner Präsenz zeugen auch diverse Flugblätter, die zwischen Klatschblättern und Mentos-Rollen hervorlugen.
Der soziale Aspekt ist es, was Ali Khawaja am Kioskbetrieb am meisten Freude bereitet: «Ich unterhalte mich gerne mit den Kundinnen und Kunden.»
Das Kioskgeschäft ist indes keine Goldgrube. Doch Ali Khawaja gibt sich zufrieden: «Es läuft okay – gut wäre was anderes, aber es reicht zum Leben aus.»
