Gemeinderat will die «Maurmer Post» ausschreiben
Obschon alle zufrieden sind
Der Maurmer Gemeinderat will seine beliebte Dorfzeitung digitalisieren und in private Hände legen. Noch vor zwei Jahren war die Skepsis in der Bevölkerung dafür zu gross.
Gut Ding will Weile haben. Das gilt in Maur nicht nur für das gefühlt ewige Politikum des Generationenprojekts auf der Looren. Auch die Zukunft der Dorfzeitung liegt schon eine Weile in der Schwebe – seit zwei Jahren, um genau zu sein.
Im März 2021 war der damalige Gemeinderat erstmals mit dem Vorhaben an die Bevölkerung gelangt, die «Maurmer Post» an einen privaten Verlag oder an ein Kommunikationsunternehmen zu übergeben.
Damit wollte er einerseits die digitale Entwicklung in Angriff nehmen – bis heute gibt es die Zeitung nur in gedruckter Form und als Epaper. Anderseits die Unabhängigkeit der Redaktion stärken, die bislang im Sold der Gemeinde steht.
Bei den Bürgerinnen und Bürgern löste das allerdings eine beträchtliche Skepsis aus. Unter dem Druck der Ortsparteien zog der Gemeinderat schliesslich das Anliegen wieder zurück. Er wolle es breiter aufstellen, liess er verlauten.
Das letzte Wort hat die Gemeindeversammlung
Das ist inzwischen geschehen: Im letzten Jahr hat sich ein 19-köpfiges Forum mit den aufgeworfenen Fragen auseinandergesetzt. Involviert waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und der Redaktion selbst. Dazu wurde eine Bevölkerungsumfrage durchgeführt.
Auf Grund der Ergebnisse bringt der neue Gemeinderat das Projekt jetzt wieder aufs Tapet: Am 13. März will er der Bevölkerung im Rahmen einer Informationsveranstaltung seine Pläne vorstellen und Rückmeldungen einholen. Am 12. Juni soll dann an der Gemeindeversammlung über den Rahmenkredit für eine Ausschreibung abgestimmt werden.
In einer Medienmitteilung schreibt der Gemeinderat von der Notwendigkeit einer «digitalen Ergänzung» und dass dabei die Kontrolle über die Qualität und den Inhalt in der Gemeinde bleiben soll.
Konkret will er die redaktionelle Hoheit an die bereits bestehende Kommission der «Maurmer Post» delegieren. Diese soll aber erweitert und breiter abgestützt werden. Mit Vertretungen diverser Interessengruppen wie Parteien, Vereine, Schule oder Kirche.
Wunsch nach einer «dynamischen» Website
Nur, wie soll das gehen? Und läuft man mit so vielen Köchen nicht Gefahr, den Brei zu verderben? Ein Telefonat an Maurs Gemeindepräsident Yves Keller (FDP) bringt Aufschluss.
Er erklärt: «Wir haben seit Jahren die Kommission ‹Maurmer Post›, die sich aus fünf lokalen Medien- und Agenturschaffenden zusammensetzt. Sie übersieht das Redaktionelle mittels Blattkritik und Inputs. Die Idee wäre nun, eine Art äusseren Ring zu schaffen, der über klar definierte Wege die Befindlichkeiten aus der Bevölkerung an die Kommission heranträgt.»
Wir sind mit unserer Zeitung sehr zufrieden. Andere Gemeinden beneiden uns um sie.
Gemeindepräsident Yves Keller (FDP)
Bei der digitalen Ergänzung gehe es derweil darum, eine «zeitgemässe, dynamische Website» zu unterhalten, die per Computer oder Mobiltelefon genutzt werden kann. Auf dieser sollen Beiträge bei Bedarf vorzu aufgeschaltet, verlinkt oder auch in ungekürzter Version publiziert werden können.
Für eine solche Dienstleistung, davon ist der bürgerliche Gemeindepräsident überzeugt, sei die Privatwirtschaft besser geeignet als der Staat.
Der Kleister zwischen den OrtsteilenDennoch, ganz risikofrei ist das Unterfangen nicht. Die «Maurmer Post» wird in der Bevölkerung geschätzt, der vierköpfigen Redaktion gute Arbeit attestiert. In gedruckter Form wird sie jeweils am Freitag gratis in alle Haushalte geliefert. Das schafft Erwartungen.
Da die 11’000-Einwohner-Gemeinde über fünf Ortsteile, nicht aber über ein eigentliches Zentrum verfügt, kommt ihr darüber hinaus eine auch eine gesellschaftliche Bedeutung zu.

Yves Keller spricht von einem «Gemeinschaftsgefühl», das die «Maurmer Post» nähre, und sagt stolz: «Wir sind mit unserer Zeitung sehr zufrieden. Andere Gemeinden beneiden uns um sie.»
Genau deshalb sieht er nun eine Notwendigkeit, die Übergabe in private Hände voranzutreiben. «Die Gesellschaft verändert sich. Wollen wir den Anschluss nicht verpassen, müssen wir den nächsten Schritt machen. Und jetzt können wir aus einer Position der Stärke agieren.»
Frühestens in einem Jahr
Stand jetzt sind freilich noch einige Punkte offen, das zeigt die Nachfrage zu den Auflagen einer Ausschreibung. Muss das Redaktionsteam übernommen werden? Von wo aus wird operiert? Wieviel will man sich das Ganze kosten lassen? Wie genau werden die Qualitätsansprüche definiert?
All das muss noch geklärt werden – wobei Gemeindepräsident Keller zumindest schon die Richtung vorgibt: «Das wird keine Sparübung, die Qualität muss stimmen.»
Zuerst gelte es, die Rückmeldungen aus der Bevölkerung aufnehmen, sich mit anderen Gemeinden auszutauschen und schliesslich den Antrag an der Gemeindeversammlung im Juni durchzubringen. Mit einer «Maurmer Post» unter einer neuen Verlegerschaft wäre frühestens in einem Jahr zu rechnen.
