Ein Förster, der immer jemanden zum Schwatzen braucht
Dübendorfer des Jahres
Markus Tanner ist Förster und wurde jüngst zum Dübendorfer des Jahres gewählt. Mit vielseitigem Engagement prägt er das Stadtleben, machte sich aber mit seiner direkten Art nicht nur Freunde.
So kennen die meisten Dübendorfer Markus Tanner: Angezogen mit roter Arbeitshose, leuchtend oranger Arbeitsjacke und klobigen Arbeitsschuhen. Sein spärlich gewordenes Haar kurzrasiert, ein musternder Blick begleitet von einem Lächeln.
Der bald 65-Jährige ist Förster und wurde im Januar zum Dübendorfer des Jahres gewählt. Als Treffpunkt hat der Mann aber nicht etwa eine schönes gesundes Stück Wald vorgeschlagen, sondern die reformierte Kirche in Dübendorf. Und weil Tanner, wie er während dieses Termins öfter sagen wird, nicht gerne allein ist, hat er auch noch Pfarrerin Rahel Strassmann zum Treffen mitgenommen.

Für ihn müssen am Ende einer Diskussion alle Punkte geklärt sein.
Rahel Strassmann
Pfarrerin reformierte Kirche Dübendorf
Auf die Frage, wie er es denn so mit der Religion habe, antwortet er erst ausweichend. «Gut, ich arbeite oft in der Kirche mit.» Zum Beispiel habe er geholfen, im Advent die Krippenfiguren in der Kirche aufzustellen und engagiere sich im Team des «Impuls-Gottesdienstes». Danach beantwortet er aber doch noch die Gretchenfrage: «Ich glaube an Gott – das ist mir ganz wichtig. Ich frage ihn auch häufig, wie ich jetzt weiter entscheiden soll.» Meist bekomme er eine Antwort, als Eingebung oder auf eine andere Art und Weise.
Engstirnig? – «Sicher nicht»
Pfarrerin Strassmann, die wegen seines kirchlichen Engagements viel mit Tanner zu tun hat, beschreibt ihn als geduldig, als jemanden, der alles bis zum Schluss ausdiskutiert. «Für ihn müssen am Ende einer Diskussion alle Punkte geklärt sein.»
Ausgiebig über Tanners Charakterzüge hat sich die Laudatorin bei der Ehrung des Dübendorfer des Jahres geäussert. Nebst vielen schmeichelnden Begriffen fiel auch das Wort «engstirnig», was Tanner nicht gerne hörte. «Ich habe Leute aus meinem Umfeld gefragt, keiner würde mich als engstirnig bezeichnen. Ich habe klare Vorstellungen und bin nicht leicht von diesen abzubringen, aber engstirnig würde ich das nicht nennen.»




Auch Strassmann schüttelt ob der Bezeichnung den Kopf, und sagt: «Tatkräftig, bodenständig und naturverbunden», mit diesen Attributen habe die Kirche Markus Tanner in der Nomination beschrieben und als Dübendorfer des Jahres vorgeschlagen.
Was ihn auf die Palme bringt
Doch natürlich ist Tanner nicht nur ein gottesfürchtiger Mann, sondern auch einer im Forstgewand der Holzkorporation Dübendorf. Die privatrechtliche Körperschaft bewirtschaftet 174 Hektaren, was rund 70 Prozent des Dübendorfer Waldes entspricht. Dass diese intensive Arbeit im Team bewältigt werden muss, ist klar. Es entspricht Tanners Gemüt, der sagt: «Ich will kein Einzelkämpfer sein.»
«Ich habe nicht nur Freunde, das ist mir klar, aber ich versuche mich mit allen zu arrangieren.»
Markus Tanner
Tanner macht keinen Hehl daraus, dass es bei Unstimmigkeiten nicht immer harmonisch zu und her geht. «Ich kann schon auch laut werden», sagt Tanner. «Wenn mir etwas nicht passt, muss ich Dampf ablassen.»
Was bringt denn den Dübendorfer des Jahres auf die Palme? «Unrecht», sagt er. «Unrecht von meinem Standpunkt aus gesehen», sagt er und lacht. «Es gibt Menschen, deren Ansichten ich eher als schwierig empfinde – sie meine wahrscheinlich auch. Ich habe nicht nur Freunde, das ist mir klar, aber ich versuche mich mit allen zu arrangieren.»
Verzicht auf politisches Amt
Ob beim Aufstellen des Adventskranzes auf dem Dorfplatz mit dem Quartierverein Gockhausen, oder bei der Froschwanderung mit dem Naturschutzverein an der Buchrainstrasse, Tanner war und ist vielerorts engagiert.
Nonstop Leute grüssen müsse er deswegen nicht in Dübendorf, aber: «Man kennt mich schon.»
Diese Bekanntheit wurde ihm bei den Behördenwahlen 2010 fast zum Verhängnis. Er liess sich von den Verantwortlichen der GLP zu einem Listenfüller fürs Gemeinderatsamt überreden. «Mir wurde damals versichert, dass ich auf den hintersten Plätzen keine Chance habe. Prompt wurde ich gewählt.» Die Wahl habe er aber ablehnen müssen. «Ich hätte eigentlich gerne politisiert, doch dafür hätte ich anderes, das mir lieb ist, aus Zeitgründen aufgeben müssen.»
Seinen Arbeitsort am Waldrand von Gockhausen will Tanner dann doch noch zeigen. Weil er aber möglichst viele Menschen um sich haben will, lässt er Pfarrerin Strassmann nicht einfach in der Kirche zurück. So begleitet sie ihn auf den Werkhof der Holzkorporation Dübendorf zur Brennholzlagerhalle. Das mächtige Gebäude mit der eindrücklichen Holzkonstruktion würden sie im Mitarbeiterkreis, ehrfürchtig auch «Kathedrale» nennen.
«Mit Markus kann man wirklich über alles reden.»
Sven Schenk
Leiter der Holzkorporation Dübendorf
Die Nachfrage nach Brennholz bekam im letzten Jahr auch die Holzkorporation zu spüren. «Die Leute haben Hamsterkäufe gemacht.» Über 50 Prozent mehr Holz hätten sie verglichen mit anderen Jahren verkauft.
Dazu nickt Sven Schenk, der Nachfolger von Markus Tanner, der zurzeit von ihm eingearbeitet wird. Tanner steht kurz vor seiner Pensionierung, und seit Januar hat Schenk die Leitung der Holzkorporation übernommen. «Er kennt wirklich alle Leute hier und sagt mir, wie die verschiedenen Waldbesitzer so ticken. Darauf kann ich mich dann einstellen», sagt Schenk. Natürlich würden sie nicht nur die Arbeit besprechen. «Mit Markus kann man wirklich über alles reden.»
