Illnauer Öko-Trottoirs werden untersucht
Gibt es Mängel?
Mit Sickertrottoirs will die Stadt auf den Klimawandel reagieren. Doch die in Illnau realisierten Projekte sorgen auf bürgerlicher Seite für Kritik. Jetzt meldet sich der Stadtrat zu Wort.
Das Wasser versickert zwischen den Steinen, bleibt im Wasserkreislauf und kühlt über die Bäume die Umgebung: Mit den Ende 2022 fertiggestellten Sickertrottoirs an der Alpen- und Wingertstrasse will die Stadt Illnau-Effretikon der Klimaerwärmung aktiv begegnen.
Doch noch ehe sie ihre kühlende Wirkung erstmals entfalten konnten, haben die neuen Trottoirs bereits die Gemüter erhitzt. Mit den geschlossenen rechtsbürgerlichen Reihen im Rücken, hat der FDP-Parlamentarier Hansjörg Germann im Dezember ein dringliches Postulat eingereicht.
Darin fordert er den Stadtrat auf zu prüfen, ob die Mehrkosten für solche «Öko-Strassen» als gebundene Ausgaben – also am Parlament vorbei – gesprochen werden dürfen. Und ob kurzerhand ein Bau- und Planungsstopp bis zum Vorliegen von Erfahrungswerten verhängt werden muss.
Für einmal vorab und schriftlich
Eigentlich hätte dieses Postulat an der nächstmöglichen Parlamentssitzung behandelt werden sollen. Das Problem: Die Sitzung im Februar fiel mangels Traktanden aus.
Das Thema hat auch im Zuge der medialen Berichterstattung viel zu reden gegeben.
Tiefbauvorsteher Erik Schmausser
Weil der nächste Termin erst auf den 23. März fällt, hat der Stadtrat beschlossen, sich bereits vorab zu äussern: Für einmal erklärt er seine Bereitschaft, das Postulat anzunehmen schriftlich. Ein Akt, den er sonst üblicherweise erst direkt vor der Abstimmung im Parlament vollzieht.
«Einerseits ist das Postulat dringlich, andererseits hat das Thema auch im Zuge der medialen Berichterstattung viel zu reden gegeben», begründet Tiefbauvorsteher Erik Schmausser (GLP) auf Nachfrage den Schritt.
Tatsächlich gehen die Bedenken von Germann und den Mitunterzeichnenden weit. Sie hinterfragen den Sinn des sogenannten Schwammstadtkonzepts in Einfamilienhausquartieren und stören sich an den höheren Kosten: Immerhin müssen spezielle Steine eingesetzt, Randsteine entfernt und Baumgruben ausgehoben werden.
Weiter sehen sie jede Menge Schwierigkeiten und Gefahren. Schützenhilfe erhalten sie aus der Bevölkerung: Ein Anwohner will gar Verstösse gegen das Baugesetz erkannt haben, weil die Fugen zwischen den Steinen zu breit seien. Ältere und gehbehinderte Menschen könnten die Trottoirs so nur eingeschränkt nutzen und müssten auf die Strasse ausweichen.
Abklärungen im GangeInsbesondere in letzterem Punkt gibt sich der Stadtrat selbstkritisch. In seiner schriftlichen Begründung bekennt er: «Sollte es tatsächlich zu Fehlern, respektive Fehlüberlegungen gekommen sein und die Beschaffenheit der Trottoire verschiedene Kriterien verletzen, so bedauert der Stadtrat dies.»

Um das herauszufinden, so schreibt der Stadtrat weiter, habe man bei den bereits erneuerten Strassen Abklärungen bezüglich Mängel eingeleitet. So wurde unter anderem eine Begehung mit einer Seniorenvereinigung organisiert. Damit will die Stadt klären, ob «andere Baumaterialien die Oberflächenbeschaffenheit optimieren können».
Das wiederum zieht die Frage nach sich, was passieren würde, falls die bereits sanierten Strassen tatsächlich Mängel aufweisen. Müssten sie allenfalls noch einmal neu saniert werden?
«Vorderhand nicht», erklärt Tiefbauvorsteher Schmausser am Telefon. «Aktuell ist der politische Prozess zur Sanierung der Rütli- und Brandstrasse in Illnau im Gang. Bei diesen Trottoirs werden wir andere Steine mit schmäleren Fugen verwenden. Daraus können wir später Rückschlüsse ziehen.»
Planungsstopp ist kein ThemaBezüglich der Mehrkosten zeigt sich der Stadtrat derweil bereit, die vom Postulanten verlangten Punkte zu prüfen. Nicht eingehen will er auf den geforderten Planungs- und Baustopp. Die geplanten Sanierungen seien schliesslich nicht der Sickersteine, sondern der nötigen Asphalt- oder Leitungsarbeiten angesetzt worden.
Ob er sich dem Postulat überhaupt annehmen muss, ist aktuell aber noch völlig offen. Über die Überweisung des Vorstosses muss das Parlament am 23. März bestimmen. Es könnte eine hitzige Debatte werden.