Ein Pfäffiker Gemeinderat im Dienste lllnau-Effetikons
Lukas Steudler wechselt die Hüte
Pfäffikons Bauvorstand Lukas Steudler (FDP) wird neuer Leiter Hochbau in Illnau-Effretikon. Eine interessante Konstellation, die aber auch Fragen aufwirft.
In Illnau-Effretikon wird in den nächsten Jahren gebaut – und zwar nicht zu knapp. Nicht nur hat die Grossbank UBS die Stadt als künftigen Bauhotspot im Zürcher Oberland ausgemacht. Nach jahrelanger Planung wird sich das Gesicht der Stadt vor allem auch durch zahlreiche Grossprojekte im Zentrum nachhaltig verändern.
Just in dieser Zeit verliert die neue Stadträtin und Ressortleiterin Hochbau Rosmarie Quadranti (Die Mitte) mit David Gerig einen ihren wichtigsten Mitarbeiter. Der frühere Gemeindeschreiber von Kyburg ist in der Verwaltung seit 2018 als Leiter Hochbau tätig. Per 1. Mai wird er stellvertretender Gemeindeschreiber in der Nachbargemeinde Volketswil.
Man kann darüber diskutieren, ob der Zeitpunkt passend oder ungünstig ist. Unbestritten ist, dass Gerigs designierter Nachfolger weiss, um was es in diesem Fach geht: Lukas Steudler, Bauvorsteher von Pfäffikon und damit so etwas wie Quadrantis Pendant im Bezirkshauptort, wird die Position ab dem 1. März übernehmen.
Quadrantis «Glücksfall»
Der 42-Jährige hatte während der letzten neun Jahre als Geschäftsführer das staatliche Netzwerk «egovpartner» mit auf- und ausgebaut. In diesem haben sich die Gemeinden, Städte und der Kanton zusammengeschlossen, um die digitale Transformation der Verwaltungen und der öffentlichen Dienste voranzutreiben.
Quadranti spart denn auch nicht mit Lorbeeren. Sie spricht von einem «Glücksfall» und preist Steudlers breites Wissen bezüglich Verwaltung und Digitalisierung, aber auch seine langjährige Führungserfahrung an.

Tatsächlich ist Lukas Steudler ein ausgewiesener Verwaltungsprofi. Vor seinem fast zehnjährigen Engagement bei «egovpartner» hatte er bereits die Lehre auf der Gemeindeverwaltung Pfäffikon gemacht und danach unter anderem mehrere Jahre beim Regionalen Informatik Zentrum RIZ in Wetzikon gearbeitet.
2012 wurde schliesslich für die FDP in den Gemeinderat von Pfäffikon gewählt, wo er seither dem Ressort Bau und Umwelt vorsteht. Er kennt die Herausforderungen des Bauens, aber auch der Stadt- und Verkehrsplanung aus der Sicht des politischen Entscheidungsträgers.
Ein neues Kapitel
Er selbst spricht von einem guten Zeitpunkt für einen Wechsel. Mit der Überführung des ursprünglich kantonalen Netzwerks «egovpartner» in eine neue, von den Gemeinden als ebenbürtige Partner mitgetragene Organisationsform, konnte er ein berufliches Kapitel abschliessen.
In Illnau-Effretikon betrete ich ein sehr spannendes Feld zu einer sehr spannenden Zeit.
Lukas Steudler
In Illnau-Effretikon trifft Lukas Steudler nun neue Voraussetzungen an. Er steigt zwar als Leiter Hochbau in das Metier ein, das er aus seiner politischen Arbeit als Gemeinderat kennt. Anders als in Pfäffikon fallen dagegen die Liegenschaften, nicht aber der Tiefbau in seine Zuständigkeit.
Er sagt: «In Illnau-Effretikon betrete ich ein sehr spannendes Feld zu einer sehr spannenden Zeit. Zudem kann ich als Mitglied der Verwaltungsleitung mein Know How in der Digitalisierung und der digitalen Transformation auch bei der beschlossenen Digitalisierungsstrategie einsetzen.»
Enges Verhältnis
So interessant die Konstellation sein mag, so wirft sie aber auch zwei Fragen auf. Sollte der Bauvorsteher des Bezirkshauptorts gleichzeitig den Hochbau in der grössten Stadt des Bezirks leiten? Und ist die politische Unabhängigkeit Steudlers gewahrt? Immerhin sitzt er zusammen mit Illnau-Effretikons ehemaligem Hochbauvorsteher und heutigen Stadtpräsidenten Marco Nuzzi und dem Finanzvorsteher Philipp Wespi im Bezirksvorstand der FDP.

Sowohl Rosmarie Quadranti als auch Lukas Steudler betonen, dass man sich darüber durchaus Gedanken gemacht habe. «In unserem Milizsystem müssen wir neben der Politik auch noch arbeiten», gibt die Stadträtin zu bedenken. «Deshalb müssen wir mit solchen Konstellationen umgehen und den Hut zwischen den Positionen wechseln können.»
Auch Steudler bedient sich der Hut-Analogie: «Ich war schon beim Kanton in einer ähnlichen Situation und habe es geschafft, die Hüte zu wechseln. Das ist für mich selbstverständlich.»
Hinzu komme, dass im Bereich Hochbau die Berührungsflächen zwischen Illnau-Effretikon und Pfäffikon trotz der geographischen Nähe klein seien. Und sollte es dennoch einmal nötig werden, werde er in seinem politischen Amt in Pfäffikon in den Ausstand treten.
Der Stadtpräsident blieb aussen vor
Hinsichtlich der FDP-Verbindungen ihres neuen Leiter Hochbaus bekräftigt Rosmarie Quadranti, dass das Selektionsverfahren sauber und ohne die Beteiligung von Stadtpräsident Nuzzi und Finanzvorsteher Wespi verlaufen sei. Und sowieso: «Die politischen Entscheidungen treffe ich.»
Lukas Steudler sieht das ähnlich: «Ich bin nicht zum Politisieren angestellt worden. Das tue ich in Pfäffikon.»
