Veganer Spaziergang zu Ustermer Metzgerei überrascht alle
Meret Schneiders Tour de uster
Es ist eine ungewöhnliche Kombination: Meret Schneider zeigte einer Gruppe Veganern am Samstag die fleischlosen Produkte der Metzgerei Hotz. Geschäftsführer Urs Marti präsentiert sein Sortiment gerne, auch wenn seine Leidenschaft eine andere ist.
«Mein Name ist Urs Marti und ich bin leidenschaftlicher Fleischesser.» So eröffnete der Geschäftsführer der Ustermer Hotz-Metzgerei am Samstag seine kurze Rede vor rund 30 Veganern und Vegetariern. Mit dabei: Grüne-Nationalrätin und Veganerin Meret Schneider.
Sie lud anlässlich des «Veganuarys» zum veganen Spaziergang durch Uster ein. Auf Social Media hatten sich rund 15 Interessenten angemeldet. Gekommen sind mehr als 30.
«Zum Veganuary wird man förmlich bombardiert mit Werbung zu veganen Produkten.» Vieles hinterlasse mehr Verwirrung als Klarheit, meint die 30-Jährige.
Auf einer Tour de Uster will sie deshalb Geschäfte vorstellen, die regionale, pflanzliche und gute Alternativen anbieten. Die Metzgerei Hotz ist der erste Halt auf dem Spaziergang – ein fleischloser Apéro inklusive.
Mehr vegane Kunden
Entgegen der Erwartung ist Meret Schneider nicht selten in Metzgereien. «Ich komme seit jeher mehrmals in der Woche in die Metzgerei Hotz und kaufe meine Fleischersatzprodukte.» Dass dort auch Fleisch in den Kühltheken liegt, störe sie nicht. «Es gehört eben zu einer Metzgerei dazu», meint sie.
Dass Hotz Alternativen anbiete, sei aber durchaus nicht selbstverständlich. «Ich verlange nicht, dass alle Metzgereien vegane Produkte verkaufen müssen. Sie haben allerdings das nötige Knowhow», so Schneider.
Denn das Handwerk sei bei einer Wurst mit Fleisch dasselbe wie bei einer ohne, meint sie. Gleichzeitig könne die Metzgerei aber ein weiteres Kundensegment ansprechen. «Sie sollten den Wandel als Chance, statt als Krise sehen», so Schneider.
Neue Wege
Sie lotst am Samstagnachmittag deshalb rund 30 interessierte Veganer und Vegetarier in die sowieso schon volle Metzgerei, einmal um die mit Fleisch gefüllten Tresen, in eine vegane Ecke.
Geschäftsführer Urs Marti freuts. Er zeigt der Gruppe sein untypisches Sortiment gerne, auch, wenn er deutlich weniger Gäste erwartet hat. Von der Resonanz ist er positiv überrascht, denn zu hitzigen Diskussionen kam es nicht. «Ich schätze es, dass auch ein paar extremere Vegetarier und Veganer die Metzgerei betreten haben.»
Der 42-Jährige geht gerne den unkonventionellen Weg. Coronabedingt hat er schon vor drei Jahren damit begonnen, Gemüse aus Dübendorf in seinen Filialen zu verkaufen. «Vor wenigen Monaten hatte ich dann das Gefühl, dass wir wiedermal etwas Neues ausprobieren wollen.»
Denn die Nachfrage nach Veganem oder Vegetarischem sei gross. «Wir machen das, was sich Teile unserer Kundschaft von uns wünschen», so der Geschäftsführer. Seinem Beruf bleibe er aber treu. «Fleisch ist und bleibt unsere Leidenschaft», meint Marti.
Die Herstellung ist gleich
Einen Grossteil der fleischlosen Produkte fabriziert die Metzgerei selber, einige kauft sie bei anderen kleinen Metzgereien ein. Auf Produkte der Grosskonzerne möchte Marti möglichst verzichten.
Die Herstellung der veganen oder vegetarischen Ersatzprodukte sei sehr ähnlich. «Wir wissen, wie man eine Wurst schlau würzt oder ein Geschnetzeltes macht.» Ob der Inhalt vom Huhn komme oder von einer Erbse, sei dabei fast egal.
Martis Alternativen müssen aber nicht immer wie Fleisch aussehen. «Nur gut schmecken sollen sie.»
Die rund 12 fleischlosen Produkte im Sortiment scheinen anzukommen. «Zwar verkaufen wir täglich meist nur einige Kilogramm. Für die Vegetarier und Veganer, die den Weg in die Metzgerei finden, sind das aber gute Zahlen.»
Karotte, statt Lachs
Bei Metzger-Kollegen und Mitarbeitenden kamen die Ideen von Marti nicht immer gut an. «Natürlich blutet uns allen ein bisschen das Metzgerherz», meint er. Trotzdem seien mittlerweile viele Berufskollegen auf den Zug aufgesprungen. «Wir haben sogar eine Erfahrungsgruppe von Metzgermeister, in der Veganismus immer wieder Platz findet.»
Auch bei den Teilnehmenden des Spaziergangs kommen die Alternativen am fleischlosen Apero gut an. Lucia lebt bereits seit 32 Jahren vegan. Sie ist frisch nach Dübendorf gezogen. «Wenn Meret uns zeigen kann, wie und wo ich lokal vegan einkaufen kann, sehe ich mir das sehr gerne an.»
Eine andere Teilnehmerin ist begeistert vom Apéro. «Ein ganz eigener Geschmack, anders als bei den Produkten der Migros oder Coop», meint sie, mit einem durch Karotten ersetzten Lachsbrötli in der Hand. «Das Randen-Gazpacho ist eine super Alternative zu Fleisch», tönt es aus einer anderen Ecke des Raumes.
Und auch die Ustermer Stadträtin Karin Fehr (Grüne) ist positiv überrascht vom Angebot. «Ich selber esse nur noch selten Fleisch. Dass es so viele gute Alternativen in Uster gibt, hätte ich nicht gedacht.» Als die Gruppe weiter zieht, ist vom Apéro nicht mehr viel übrig.
