Der Verkehr im Nadelöhr
Seegräben revidiert Richtplan
Autobahnbau, zweites Bahngleis und Anlaufstelle für Ausflügler: Verkehrsfragen beschäftigen Seegräben stark. Und dann spielt da noch der Stahlpreis in die Planung hinein.
Das Tal ist eng. Täglich quetschen sich rund 30'000 Autos und 160 Züge hindurch. Hinzu kommen wohl noch ein paar Hundert Velofahrer und Fussgängerinnen. Das Aatal ist verkehrsmässig gesehen so etwas wie die Hauptschlagader der Region.
Die Gemeinde Seegräben, auf deren Gebiet der grösste Teil dieses Nadelöhrs liegt, steht vor grossen verkehrsplanerischen Herausforderungen, zumal es in Zukunft noch mehr Autos und Züge werden dürften.
Drei Herausforderungen
«Herausfordernd sind für unsere Gemeinde erstens die stark verzögerten Planungsarbeiten für die Oberlandautobahn und folglich der immer noch zunehmende Verkehr auf der Bundesstrasse durch das Aatal», meint Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP). «Zweitens wird gegenwärtig mit Hochdruck das zweite Bahngeleise zwischen Aathal und Uster geplant, was den ÖV, auch für Seegräben, stärkt.»
Und eine dritte Herausforderung sieht er in der Sicherung des Wochenend-Busbetriebs zwischen dem Bahnhof Uster und Seegräben. Diese Linie soll mithelfen, das Dorf am Pfäffikersee vom Ausflugsverkehr zu entlasten. An schönen Wochenenden und Ferientagen wird die kleine Gemeinde zusätzlich von Erholungssuchenden überrollt, die zur Juckerfarm oder an den See streben.

Gegenwärtig läuft das letzte Jahr des vierjährigen Pilotversuchs für diese Busverbindung. «In der ersten Jahreshälfte wird mit der VZO und dem ZVV das weitere Vorgehen festgelegt», erklärt Pezzatti. An der Ausrichtung nach Uster werde sich wohl nichts ändern, denn diese «hat sich grundsätzlich bewährt».
Brücke auch für Ausflügler
Diese drei Herausforderungen hätten indes keine direkten Auswirkungen auf den kommunalen Richtplan Verkehr, mit dessen Revision sich Seegräben zurzeit befasst. Indirekt aber eben schon. Denn neu im Plan verzeichnet ist die Brücke übers Aatal, die dereinst Fussgängern und Velofahrern offenstehen soll.
Zur geplanten Brücke gehört auch ein Liftturm beim Bahnhof Aathal. Künftig könnten Ausflügler mit dem Zug anreisen, schnell zur Brücke hochfahren und dann fast ohne Steigung zur Juckerfarm respektive zum See wandern.
Die Machbarkeit dieses kommunalen Grossvorhabens ist 2020 und 2021 von den kantonalen Ämtern überprüft worden. Der Gemeinde seien eine Reihe von Hinweisen gemacht worden, wie das Projekt noch verbessert werden könne, hält Pezzatti fest. Auch die kantonale Natur- und Heimatschutzkommission und die kantonale Denkmalpflegekommission haben das Projekt beurteilt und Anpassungsvorschläge gemacht.
Rohstoffpreis beeinflusst Projekt
In der Folge ist das Projekt laut dem Gemeindepräsidenten «nochmals sorgfältig optimiert» worden. In den kommenden vier Jahren werde feststehen, welchen Anteil Bund und Kanton im Rahmen des Agglomerationsprogramms mittragen werden.

«Wenn die Stahlpreise wieder auf einem normalen Niveau sind, werden wir die genauen Projektkosten bestimmen und der Bevölkerung das aktuelle Projekt vorstellen», sagt Pezzatti. Bis zum Ende der laufenden Legislatur, also bis 2026, soll das Projekt der Bevölkerung an der Urne zum Entscheid vorgelegt werden.
Neue Strecken für Velofahrer
Die laufende Revision des kommunalen Verkehrsplans ist vorwiegend ein Nachführen kantonaler und regionaler Planungen im gemeindeeigenen Planungsinstrument. So beinhaltet er auch einige Punkte, die vor allem für Velofahrer interessant sind.
Das kantonale Amt für Mobilität hat eine Studie für eine Trasseeführung einer Veloschnellroute zwischen Schwerzenbach und Wetzikon erstellt. Auf Seegräbner Boden käme es zu leichten Anpassungen. «Die Studie ist abgeschlossen. Die neue Route hat aber nicht erste Priorität bei der Umsetzung und bedarf noch der politischen Legitimation», ergänzt Gemeindeschreiber Marc Thalmann.
Am See wird weiter entflechtet
Auch entlang des Pfäffikersees sind Anpassungen für die Velofahrer vorgesehen. Im Rahmen des kantonalen Projekts Mobilität und Umwelt Pfäffikersee soll das Wegstück zwischen Talhof unterhalb des Ruetschbergs und der Wegverzweigung nach Auslikon respektive Robenhausen eingangs Seegräben nur noch als Wanderweg dienen.
Dafür soll der bestehende Weg zwischen Talhof und der Obstanlage Jucker durch das Wäldchen neu zum Veloweg werden. Dafür muss er aber erst noch instand gestellt werden, was bis 2024 geschehen soll. «Damit soll auf dem viel begangenen Wegstück eine Entflechtung zwischen Fahrrad- und Fussgängerverkehr erreicht werden», erklärt Pezzatti.
Zwei neue Veloabstellplätze
Um das Fahrverbot entlang des Pfäffikersees durchsetzen zu können, sollen an den Zugangswegen nördlich und südlich der Badi zwei Veloabstellplätze gebaut werden. Ausserdem ist eine Vergrösserung des bestehenden Veloabstellplatzes beim Gemeindehaus vorgesehen.
Und schliesslich dürfte es für die Spaziergänger auch noch eine kleine Änderung geben. Das Wegstück zwischen der Messikommer Eiche und Robenhausen ist laut Pezzatti kaum mehr mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahrbar und ein Ausbau wegen des Moorschutzes auch nicht möglich.
Daher wird der Weg nach den Plänen des Kantons neu für dieses Stück um das Moor herumgeführt. «Damit wird gleichzeitig das Kulturland zur Bewirtschaftung richtig erschlossen», hält der Seegräbner Gemeindepräsident fest. Das Vorhaben soll bis 2024 umgesetzt sein.
Noch bis zum 9. Januar läuft die öffentliche Auflage des kommunalen Verkehrsrichtplanes. Danach wird der Gemeinderat zu allfälligen Einwendungen Stellung nehmen. Letztlich wird er einer der nächsten Gemeindeversammlungen zum Entscheid vorgelegt.
