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Nach 500 Überstunden: «Ich musste die Notbremse ziehen»

Betriebsleiterin Sabrina Lejeune war praktisch rund um die Uhr Ansprechperson für sämtliche Probleme.

Fotos: PD

Nach 500 Überstunden: «Ich musste die Notbremse ziehen»

Dübendorfer Kino-Chefin

Betriebsleiterin Sabrina Lejeune spricht darüber, weshalb sie im Kino Orion gekündigt hat. Und wieso sie der Institution vielleicht doch erhalten bleibt.

Frau Lejeune, der neue Vorstand des Vereins Kino Orion hofft, dass Sie Ihre Kündigung zurückziehen und den Betrieb weiterhin führen werden. Ist das realistisch?

Sabrina Lejeune: Ein neuer Vorstand löst nicht automatisch alle Probleme. Doch ich merke schon, wie neuer Schwung reingekommen ist. Es gibt frische Ideen und schon zusätzliche Freiwillige. Auch bekomme ich Hilfe in technischer und auch handwerklicher Hinsicht. Da hat man mir schon einmal eine grosse Last von den Schultern genommen.

Das war unter dem alten Vorstand nicht möglich?

Ich möchte nach vorne schauen und keine Vergangenheitsbewältigung machen. Es liegt in der Natur der Sache, dass mit der Zeit gewisse Dinge festfahren. Von dem her hat der frühere Vorstand richtig gehandelt, indem er den Weg für neue Kräfte freigemacht hat.

Also überlegen Sie es sich nochmals?

Die Reaktionen von Gästen und Freiwilligen waren nach meiner Kündigung mega herzig, aber ich kann dazu jetzt einfach noch nichts sagen. Ich bin froh, dass ich während der Festtage mal zur Ruhe komme und darüber nachdenken kann.

Ich war praktisch rund um die Uhr Ansprechperson für alle möglichen Probleme.

Was war letztlich der Hauptgrund, weshalb Sie gekündigt haben?

Ich habe Teilzeit als Leiterin der Administration begonnen und vor nicht ganz einem Jahr auch noch die frei gewordene Stelle als Betriebsleiterin übernommen. Neben den Präsenzzeiten war ich auch noch praktisch rund um die Uhr Ansprechperson für alle möglichen Probleme. In einem halben Jahr haben sich auf 500 Überstunden angestaut. Ich bin eine Macherin und packe gerne mit an, das ist mein Naturell, aber am Ende musste ich einfach die Notbremse ziehen.

Wieso haben Sie nicht einfach eine Stellvertretung angestellt?

Das hätte ich gerne, aber auf die letzte Stellenausschreibung kam gerade mal eine Bewerbung rein, und die hat nicht gepasst. Ich hätte mich gerne mehr um das Personelle gekümmert, aber daneben musste ich ja noch einen Betrieb führen.

Immer wenn ich lachend oder weinend aus dem Saal komme, weiss ich wieder, wieso ich Kino mache.

Lohnt es sich überhaupt noch, ein Kino zu betreiben?

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht, nein. Ein-Saal-Kinos werden immer das Problem haben, dass die Personalkosten pro Gast zu hoch sind. Zugkräftige Filme bekommen wir zudem erst nach den grossen Multiplexkinos. Mit einem Nischenprogramm mit Arthouse-Filmen geht es aber, solange man daneben mit Gastronomie, Spezialevents und Vermietungen noch andere Einnahmequellen hat. Allerdings zeigt sich, dass unser Zielpublikum nach Corona etwas vorsichtiger ist und mehr Zeit braucht, um wieder regelmässig in den Ausgang zu gehen.

Ihnen aber scheint die Freude am Kino nicht zu vergehen.

Immer wenn ich nach einem guten Film lachend oder weinend aus dem Saal komme, weiss ich wieder, wieso ich Kino mache. Ich werde im Kino alt, das ist genau meine Branche.

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