Inmitten der ganz grossen Stars
Eishockey-Torfrau
Ein Goaliehelm der Schweizer Nationaltorfrau findet Aufnahme ins Olympische Museum – es ist auch eine Ehre fürs Zürcher Oberland. Oder doch nicht?


«Eishockeyprofi aus Wald wird im Olympischen Museum geehrt.» So lautet der Titel der
E-Mail einer PR-Agentur an die Redaktion der Zürcher Oberland Medien.
Gemeint ist Andrea Brändli, die Stammtorfrau des Schweizer Frauen-Nationalteams – mit über 70 Länderspielen. An den Olympischen Spielen und der WM von diesem Jahr war sie die unumstrittene Nummer 1.
Und bereits seit 2018 spielt Brändli in der Western Collegiate Hockey Association der NCAA Division I. Zuerst vier Jahre für die Ohio State University – ab dieser Saison bei der Boston University.
«Die Zürcher Oberländerin hat mit ihren 25 Jahren bereits einiges erreicht», heisst es in der Nachricht. Und die PR-Agentur würde sich freuen, ein Interview aufzugleisen.
Tatsächlich wird nicht alle Tage eine Sportlerin oder Sportler aus der Region im geschichtsträchtigen «Musée Olympique» geehrt.
Die Sportredaktion ist aber dennoch irritiert, weshalb ihr Brändli nie aufgefallen ist. Obwohl «unsere» Eishockey-Nationalspielerinnen immer wieder Thema waren.
So die mittlerweile zurückgetretene Mönchaltorfer Torfrau Janine Alder, die an der WM 2019 noch in der Hierarchie auf Augenhöhe mit Brändli war. Oder die aufstrebende Gossauerin Sinja Leemann (20), die schon zwei Weltmeisterschaften bestritt und an den letzten Olympischen Spielen in China eine feste Grösse war.
In Kloten aufgewachsen
Die Auflösung folgt im persönlichen Gespräch schnell – nach zunächst viel kompliziertem Hin und Her mit der PR-Agentur wegen eines Termins. «Mein Heimatort ist Wald», sagt Brändli, die eigentlich eine Klotnerin ist. Damit hat es sich aber schon.
Denn gelebt hat sie nie in der Oberländer Gemeinde. Und auch sonst gibt es kaum familiären Bezug. Es ist also nicht die Goaliemaske einer Torhüterin aus dem Oberland, die in die Ausstellung des Olympischen Museums von Lausanne aufgenommen wurde. Neben den Gegenständen von Superstars wie Michael Phelps oder Usain Bolt. «Es ist schon eindrücklich, ein Teil davon zu sein», sagt Brändli.

Die Hoffnung, dass sie in der Zukunft ihr Können in der Region noch zeigt, besteht trotzdem. Ende Saison geht ihre College-Zeit mit dem Abschluss der Master-Arbeit zu Ende. Die US-Profiliga, Schweden oder die Schweiz nennt sie als Optionen für die Zukunft.
Denn: Brändli hat noch viel vor. Gerade mit dem Nationalteam, mit dem sie an den letzten Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften die Medaille im Spiel um Platz 3 knapp verpasste. Dies will sie unbedingt nachholen und kündigt an, bis Olympia 2026 spielen zu wollen.
Männer-Hockey als Option
Würde Brändli aber inskünftig in der Schweiz spielen, käme für sie nur ein Männerteam infrage. In Bassersdorf und Schaffhausen hatte sie als junge Torhüterin vor ihrem Aufenthalt in den USA auf Stufe 2. Liga erste Erfahrungen gesammelt. Heute würde ihr die Liga nicht mehr reichen.
Drängt sich also nicht ein Wechsel zum MHL-Klub Dübendorf oder Erstligisten Wetzikon auf? Brändli ist nicht abgeneigt und sagt: «Das wäre ein Meilenstein.» Und von Wetzikon nach Wald wären es auch nur wenige Kilometer.
