«Die meisten Leute kommen erst kurz vor Heiligabend vorbei»
ReWi-Podcast
Es gibt eine Alternative zum jährlich abgeholzten Weihnachtsbaum aus dem Wald: Den Christbaum im Topf. Guido Gerber vermietet und verkauft in seinem Gartenbaugeschäft Gerberco seit drei Jahren Weihnachtsbäume im Topf. Ein Interview zum Aufwand und Ertrag dieses zusätzlichen Wintergeschäfts und was Gerber dazu antreibt.
Die Adventszeit ist kaum angelaufen, da stellt sich die Frage auch schon nach dem Christbaum. Soll man sich dieses Jahr einen anschaffen? Und ist es heute noch vertretbar, einen Baum abholzen zu lassen um ihn dann im Januar wieder weg zu schmeissen?
Der gelernte Bauführer Guido Gerber betreibt seit dreissig Jahren ein eigenes Gartenbaugeschäft, die Gerberco. Den Namen hat er damals vom Lebensmittelgeschäft seiner Mutter übernommen. Seit 25 Jahren baut er mit seinem Team auch Sportplätze und Tartanbahnen. Und nun ist ein wintertaugliches Zusatzgeschäft dazu gekommen: Die Gerberco vermietet und verkauft für die Festtage Weihnachtsbäume im Topf.
In dieser Podcastfolge sprechen wir darüber, warum sich Guido Gerber für diesen zusätzlichen Geschäftszweig entschieden hat. Wir besprechen den Aufwand und den Ertrag hinter diesen Christbäumen im Topf, und schauen, ob diese Lösung wirklich nachhaltiger ist. Zu guter Letzt hören wir, in welchem Zustand die vermieteten Bäume im Januar zurückgebracht werden.
Wie kann man sich diese Weihnachtsbäume genau vorstellen, wie sehen die aus?
Diese Bäumchen sehen wie ganz normale Weihnachtsbäume aus, sie sind einfach etwas kleiner: Mit dem Topf ca. 140 Zentimeter gross. Sie haben einen kompakten Wurzelballen, das heisst, man kann sie gut im Haus haben und sie später auch im Garten einpflanzen – oder an uns zurückbringen.
Und die Wurzeln sind wichtig, dass diese Bäume auch überdauern?
Ja, die Wurzeln sind sehr wichtig. Es gibt leider verschiedene Arten von Weihnachtsbäumen im Topf. Es gibt solche, die im normalen Boden wachsen und dann kurz vor Weihnachten ausgestochen werden und erst dann in den Topf kommen. Bei diesen Bäumen geht ein Grossteil der Wurzeln verloren und sie können weniger Nährstoffe aufnehmen. Die Bäume, die wir hier haben, werden schon im Topf gezüchtet, somit sind die Wurzeln schon vorhanden.
Gibt es Menschen, die die Bäume behalten und dann im eigenen Garten pflanzen?
Das kann gut sein, etwa die Hälfte unserer Kunden kauft die Bäume und die Andere mietet. Vielleicht gibt es wirklich Menschen, die die Bäumchen nach Weihnachten einpflanzen und dann in drei Jahren abschneiden und als «normalen» Weihnachtsbaum nutzen.
Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Ich habe vor einiger Zeit darüber gelesen und legte mir dann selber so ein Bäumchen zu. Das hatte eben keine Wurzeln und überlebte leider nicht lang. Da machte ich mich auf die Suche nach einem Christbaum-Bauer und bin in Dänemark fündig geworden. Wir sind bei ihm vorbei gegangen, fanden sein Angebot nachhaltig und haben uns dann für diesen Lieferanten entschieden.
Wieso wollten Sie die Bäumchen nicht selber züchten?
Das dauert Jahre! Bis so ein Baum eine gute Grösse hat, dauert es sicher sechs, sieben Jahre. So lange wollten wir nicht warten. Deshalb haben wir uns einen externen Produzenten gesucht
Ist das Weihnachtsgeschäft denn jetzt schon angelaufen?
Ja, grad vorgestern kam die erste Bestellung herein. Ein Mann fragte Online nach dem schönsten Baum. Was immer das heisst! Ich habe einfach nach meinem Empfinden den schönsten Baum ausgewählt. Aber die Erfahrung zeigt, dass die Menschen erst auf die letzte Minute noch einen Baum kaufen kommen. Auch noch am Heiligabend um sechs Uhr. Uns ist es am Liebsten, wenn die Leute vor Ort einen Baum auswählen. Weihnachtszeit soll doch auch eine ruhige Zeit sein. Dann soll man sich doch die Zeit nehmen, um das Bäumchen auszusuchen. Wir bieten auch Familienbäume an, damit die Kunden im nächsten Jahr genau das gleiche Bäumchen wieder mieten können. Weihnachten bedeutet auch für mich eine gewisse Vorfreude und wenn die Leute Freude an ihrem Weihnachtsbaum haben, dann freut mich das auch.
