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«Mein Publikum lacht lauter und freimütiger als vor der Pandemie»

Am Samstag ist Michael Elsener zu Gast im Engelburgsaal. Im Interview verrät er, wie sich sein Programm und das Publikum verändert haben – und wie er es schafft, nicht selbst in den Sog der sozialen Medien zu geraten.

«Ich könnte drei Stunden durchreden»: Michael Elsener über sein neues Programm, das auf Inputs aus dem Publikum zurückgreift., Der Comedian ist mit «Fake Me Happy» zurück auf den Comedy-Bühnen: Hier 2017 in Maur., Am kommenden Samstag tritt der Comedian in Rikon auf.

Foto: Nathalie Guinand

«Mein Publikum lacht lauter und freimütiger als vor der Pandemie»

Der Comedian Michael Elsener ist zurück auf den Co­medy-Bühnen der Schweiz. In «Fake Me Happy», seinem neuen Live-Programm, nimmt er sich die sozialen Medien mit ihren Scheinwelten und «Fake-Ichs» zur Brust. Dabei sorgt der Zuger gleich selbst für prominente Unterstützung – dank seiner Parodien.

Michael Elsener, wie fühlt es sich an, an einem Ort aufzutreten, der eine Schnecke im Wappen trägt und für seine Pfannen bekannt ist?
Michael Elsener: Ich freue mich aufs Znacht! Weisse Schnecke auf grünem Grund: Das könnte auch das Visual sein für die ­bisherige Klima-Politik der Schweiz.

Sie tragen dieselbe Frisur, seit Sie 14 sind. Anscheinend scheuen Sie sich vor Verän­derungen. Treten Sie deshalb im als traditionell geltenden Tösstal auf?
Die Frisur konservativ, der Geist progressiv. Mit dieser Verkleidung sollte ichs auch sicher durchs Tösstal schaffen. Wobei ich die Menschen bei meinen Fahrradtouren durchs Tösstal als sehr offen wahrgenommen habe.

Seit ich 14 war, habe ich so ziemlich alles in meinem Leben verändert. Ausser natürlich, wie Sie korrekt anmerken, meine Frisur. Ich ziehe diesen Justin-­Timberlake-Chic aus den 1990er Jahren wohl so lange durch, bis meine Kopfhaut einen Berset macht.

Wo wir schon beim Thema Veränderungen sind: Wie hat sich die Pandemie auf den ­Humor ihres Publikums ausgewirkt?
Ich finde, mein Publikum ist lauter geworden. Es wird viel freimütiger rausgelacht als vor drei Jahren. Mir kommts jeweils ein bisschen so vor, als würden alle nochmals so richtig Gas geben wollen, weil niemand weiss, wie lange wir noch haben, bis das nächste Virus kommt.

Ihre Show lebt auch von Vorschlägen aus dem Publikum. Was machen Sie, wenn da nichts Schlaues kommt?
Einen konkreten Plan B gibt es nicht. Ich habe einfach immer mehr Nummern in petto, als ich auf der Bühne bringe. Ich könnte ohne Inputs drei Stunden durchreden. Aber mit Vorschlägen aus dem Publikum macht mir mein Programm viel mehr Spass: Ich kann selber mehr lachen.

In Ihrem Programm «Fake Me Happy» kritisieren Sie die Scheinwelten und Fake-Ichs auf Instagram und Co. Gibt es denn nicht bereits genug ­Social-Media-Kritik?
Bei der Premiere ging es im Programm noch viel um Fakes und Fake News, weil das vor zwei Jahren überall heiss diskutiert wurde. Mittlerweile habe ich das Programm stark verändert. Aktuell gehts darum, wie wir mit dieser crazy Welt umgehen können und wie wir uns im Angesicht der grossen Probleme immer wieder selbst belügen. «Fake Me Happy» quasi als Überlebensstrategie, gespickt mit vielen Parodien.

Als Person des öffentlichen Lebens sind Sie ja selbst auf die sozialen Medien angewiesen. Wie schaffen Sie es, sich nicht selbst in deren Strudel zu verlieren?
Ich schalte mein Smartphone jeweils erst um 13 Uhr ein. Morgens schreibe und probe ich an neuen Sachen. Mit einem halben Tag ohne Smartphone habe ich jeden Tag für eine gewisse Zeit das entspannte Gefühl, ich wäre in den Ferien.

Mit Ihren Imitationen machen Sie selbst vor Bundesräten nicht halt. Haben Sie schon ­einen Ersatz für Ueli Maurer? Wir hätten da einige ­Charakterköpfe auf Lager, zum Beispiel den Ufo-Sichter von Hinterschmidrüti …
Sind die gesichteten Ufos bei euch vielleicht Ausschuss-Pfannendeckel, die aus der Kuhn-­Rikon-Fabrik geworfen werden? Rein vom Dialekt her wäre Albert Rösti praktisch zu parodieren. Wegen seiner Verstrickungen mit der Gasindustrie finde ich ihn allerdings weniger praktisch für die Schweiz.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Michael Elsener tritt am Samstag, 19. November, im Engelburgsaal in Rikon auf. Die Show beginnt um 20 Uhr, Türöffnung ist eine halbe Stunde früher. Tickets sind an der Abendkasse und unter Eventfrog.ch erhältlich. Der Anlass wird vom ­Kulturverein AbisZell organisiert.

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