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Uster ruft die Klimatage aus und niemand geht hin

Die ausgeklügelte Veranstaltungsreihe der Stadt Uster scheint nur Wenige anzulocken. Nur fünf Teilnehmende interessieren sich für die Führung zum Thema Kompost. Auch andere Anlässe in dieser Veranstaltungsreihe sind eher schlecht besucht.

Die spärlichen Teilnehmer auf dem Weg zu den Komposthaufen., Gärtnermeister Kunz erklärt den Unterschied zwischen Verfaulen und Verrotten., Eine Diskussion zum Thema Plastik entbrennt., So sieht die Erde aus, wenn sie aufbereitet ist., Die dampfenden Haufen riechen erdig-süsslich., Ein Gärtner bringt den Winterschnitt in die Anlage., Die fertigen Komposthaufen warten auf die Weiterverarbeitung., Diese Maschine macht die ganze Arbeit: Der Kompostwender.

Foto: Eleanor Rutman

Uster ruft die Klimatage aus und niemand geht hin

Später Nachmittag in der Baumschule Kunz in Winikon. Der Gärtnermeister Kunz Senior himself begrüsst die kleine Runde.

Eine Teilnehmerin fragt, um was es hier genau gehe, sie habe einfach eine Chat-Nachricht bekommen. Sie weiss aber nicht, ob dies jetzt ein Workshop oder eine Führung ist. Ein älterer Herr hat die Ausschreibung schon im September in einer Wirtschaftsbeilage gesehen und sich den Termin vorgemerkt. 

Diese Veranstaltung dreht sich ums Verrotten, ums Kompostieren und den natürlichen Kreislauf im Garten. Es ist einer der sechs Anlässe der Klimatage in Uster «6R»; Refuse, Reduce, Reuse, Repair, Recycle und Rot.

Eine Marketingidee und deren Umsetzung

Die ganze Reihe klingt marketingtechnisch durchdacht und bezieht sich auf die Ursprungsidee, die am Ustermer Bürgerpanel von 2021 entstanden ist. Sie ergänzt somit den Massnahmenplan zum Thema Klima der Stadt.

«Damals wurden zwanzig Einwohner der Stadt ausgelost, um an zwei Wochenenden über die Zukunft von Uster zu brainstormen», erzählt Nadine Freuler, die Leiterin der Fachstelle Nachhaltigkeit. Sie hat daraufhin die Ustermer Klimatage ins Leben gerufen. Viel Aufwand für wenig Ertrag?

Zwei Männer gehen durch eine Baumschule.

Der Unternehmer der Baumschule Heinz Kunz kümmert die kleine Anzahl Menschen wenig. Er führt die Teilnehmer durch farbige Laubbäume und herbstliche Sträucher hindurch in Richtung duftende und dampfende Erdhügel.

«Beim Kompostieren muss man unterscheiden zwischen Verfaulen und Verrotten.»
Gärtnermeister Heinz Kunz

Ein säuerlicher Geruch liegt in der Luft, ähnlich wie Düngemittel. Der Gärtnermeister schnuppert und sagt: «Manchmal stinkt es hier noch etwas mehr; wenn zum Beispiel Gras von einem Sportplatz gebracht wird».

Er vermutet, dass dieses jeweils in einer Mulde zwischengelagert werde, bevor es in die Baumschule komme. Wenn Rasenschnitt über längere Zeit unberührt lagert, verfault es schnell.

«Bei der Verarbeitung von Grüngut muss man unterscheiden zwischen Verfaulen und Verrotten», erklärt Kunz. Ersteres könne für Stromgewinnung genutzt werden. Bei der Herstellung von Kompost spielt aber das Verrotten die grosse Rolle: Der Prozess wird angekurbelt, wenn Sauerstoff dazukommt. Klingt simpel.

Ein Plastikstück in einer Hand.

«Gut Kompostieren ist wie gut kochen», vergleicht Kunz. Es brauche gute Zutaten, die richtigen Werkzeuge und Zeit. In der Baumschule nutzt er dafür eine Maschine: Den Kompostwender.

Er beschleunigt den Verrottungs-Prozess, indem er die erdigen Komposthaufen umwälzt und mit Sauerstoff anreichert. Die Arbeit also, die normalerweise Würmer machen würden.

Weichmacher in der Erde

Kunz findet ein Plastikstück in einem der Komposthaufen. «Oh, das sollte aber nicht hier drin sein. Wenn sich der Weichmacher im Plastik zersetzt, werden die Plastikstücke immer kleiner und können fast nicht mehr aus dem Kompost entfernt werden.»

Das entbrennt eine kleine Diskussion unter den Teilnehmern, die in ihren eigenen Gärten Kompost lagern. Manche nutzen dafür Gitter, die mit schwarzen Plastikplanen ausgestattet sind.

Ob in diesen Planen auch Weichmacher drin sei? Der Gärtnermeister kann diese Frage nicht sicher beantworten.

Kompostieren für Anfänger

Was der 63-Jährige jedoch den Hobby-Gärtnern empfiehlt, klingt einfach: Idealerweise besitzt man zwei Komposthaufen, die jährlich abwechslungsweise gefüllt werden.

In den einen soll man aktuelle Bio-Abfälle reingeben. Denjenigen mit dem älteren Grüngut soll man immer Mal wenden und die Erde für die Gartenbeete nutzen.

Was nehmen die Teilnehmenden denn jetzt konkret an Wissen mit? Der ältere Herr sagt, er habe gelernt, dass er seine Komposterde jeweils noch aufwerten könnte mit zusätzlichem Humus-Substrat, das er in Zukunft kaufen will. Vielleicht in der Baumschule Kunz.

«Dieses Jahr wurden 170 Gegenstände repariert, während es im letzten Jahr noch 100 waren»
Muriel Reimers, Werklehrerin

Und was bringen die Klimatage in Uster allgemein? Die Werklehrerin Muriel Reimers erzählt auf der Kompostführung, wie sie beim Repair-Café geholfen hat. Dieses war heuer auch Teil der Veranstaltungsreihe «6R» und findet im Gegensatz zu den restlichen fünf «R»s schon seit 2016 statt.

Kaputtes bei Kaffee und Kuchen reparieren

24.10.2022

Klimatage in Uster

Die Klimatage in Uster haben gestartet. Beitrag in Merkliste speichern Das Café sei ein Erfolg. «Dieses Jahr wurden 170 Gegenstände repariert, während es im letzten Jahr noch 100 waren», sagt Reimers. Sie fügt begeistert an, «einer hat eine kaputte Nähmaschine gebracht und ist danach direkt noch vier Stunden geblieben.» Er reparierte im Anschluss mit seinem geflickten Gerät defekte Kleider von anderen Besuchern.

Erst zwei Anmeldungen

Was die Anmeldungen für die kommenden Veranstaltungen angeht, sieht es jedoch nicht so rosig aus. Der Event «Refuse», bei dem sich alles um den Verzicht von künstlichem Verpackungsmaterial dreht, verzeichnet erst zwei konkrete Anmeldungen.

«Bis zum 10. November ist ja noch etwas Zeit», gibt sich die Leiterin der Fachstelle für Nachhaltigkeit optimistisch. Die Leute kämen meistens eher spontan.

Umweltinteressierte Menschen erreichen

«Grundsätzlich möchten wir die Bevölkerung für Klima- und Umweltthemen sensibilisieren», sagt Freuler. Man wisse nur noch nicht genau, wie man die Menschen erreiche, die sich nicht so stark für die Umwelt interessieren.

Zudem hat Freuler die Veranstaltung absichtlich schon um halb fünf Uhr geplant. Das sei sicher mit ein Grund, warum nicht so viele Menschen bei der Führung dabei waren. «Es wird jetzt ja so früh dunkel, später hätten wir in der Kompostieranlage nicht mehr viel gesehen.»

Warum niemand aus dem zwanzigköpfigen Bürgerpanel gekommen ist, kann die Leiterin der Fachstelle für Nachhaltigkeit nicht sagen.

Die Klimatage in Uster mit den «6R»s dauern an und können noch besucht werden.

Anmelden kann man sich bei den Klimatagen der Stadt Uster.

Refuse – Verzichten: Der Laden «Unverpackt Zürioberland» bietet mit anderen Fachpersonen am Donnerstag 10. November einen «Zero Waste»-Vortrag und eine Einführung ins unverpackte Einkaufen.

Recycle – Rezyklieren: Das Team der Hauptsammelstelle an der Dammstrasse macht am Montag 14. November Führungen durch die Sammelstelle und informiert über das Thema Recycling.

Reuse – Wiederverwenden: In der Stadt- und Regionalbibliothek liegt vom 24. Oktober bis 19. November eine Auswahl von Büchern auf, die sich unter anderem mit den Themen Zero Waste, Do-it-yourself und Konsum und beschäftigen.

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