Knallrote Blätter, gelbe Bäume, neblig geheimnisvolle Landschaften, kühlere Temperaturen – kein Zweifel – der Herbst ist wieder da. Unweigerlich drängen sich Verse aus dem Rilke Gedicht «Herbsttag» auf: «Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross …».
Dazu all die kulinarischen Angebote: überall locken Wild- und Spätzli-Angebote, Sauser-Empfehlungen und frischer Most. Auch Fondue- und Raclette-Reklamen häufen sich. Als bestände das Leben nur aus Essen, Wanderungen, Fernsicht und das wunderbare Herbstlicht gehen beinahe unter.
Ja, er war heiss, der vergangene Sommer, sehr heiss und trocken. Da dürstet man nach Erholung. Die Trägheit der Hitze ist Vergangenheit, ist entschwunden und vergessen, die Flucht an kühle Flecken erübrigt sich – jetzt kommt die Besinnung, jetzt darf man sich in Melancholie suhlen.
Denn bald gehts wieder Schlag auf Schlag: der Weihnachtsstress naht, das Jahr neigt sich zu Ende und ist schon wieder vorbei. Bis dahin geniesse ich den Herbst mit seinen verlangsamenden Tendenzen.
Allerdings das Gefühl, die Zeit lasse sich mit dem Vergehen keine Zeit mehr, es scheint, als sei froh möglichst schnell vorbeizurauschen. Schon wieder ist ein neues iPhone auf dem Markt, schon wieder soll man sich impfen lassen, schon wieder feiert ein Bekannter ein hohen, runden Geburtstag.

