In der Region sind Quereinsteiger motiviert – und eine Hilfe
Quereinsteiger, Studierende, Personen ohne Abschluss: Seit Anfang August können sie alle an Schulen in der Region aufgrund des akuten Fachkräftemangels unterrichten.
Inzwischen ist ein Quartal vergangen und es stellt sich die Frage: Sind sie eine Ent- oder Belastung für das Schulsystem? Und sind sie noch motiviert oder bereits am Anschlag?
Stabiles System in Illnau-Effretikon
«In Illnau-Effretikon konnten wir die vakanten Stellen vor allem mit Studenten von pädagogischen Hochschulen besetzen», sagt Franziska Bürgisser, Leiterin Bildung. Dadurch, dass viele von ihnen im letzten Studienjahr seien, erschwere das bisweilen die Planung im Hintergrund. «Auswirkungen auf die Klassen hat das aber nicht», versichert Bürgisser.
Das aktuelle «Notsystem» sei durchaus stabil. Eine Belastung für die Neo-Lehrkräfte sehe sie im «Tanz auf zwei Hochzeiten». «Die Studierenden müssen einerseits bei uns arbeiten und gleichzeitig Studienleistungen erbringen, sich auf Prüfungen vorbereiten.»
«Viele neue Lehrkräfte wollen im Frühjahr sogar schon Klassenlager durchführen.»
Franziska Bürgisser, Leiterin Bildung
Man wolle aber aus Sicht der Stadt die neuen Lehrpersonen unbedingt weiterbeschäftigen, weshalb sie auch von den Schulleitungen und dem Kollegium unterstützt würden. «Für kommunale Fachbegleitung haben wir in Illnau-Effretikon vor einigen Jahren schon extra Gelder auf Gemeindeebene gesprochen.»
Auf gesundheitliche Aspekte und Belastung in der Lehrerschaft angesprochen, sagt Bürgisser, dass es momentan kaum Ausfälle gebe. «Viele neue Lehrkräfte bringen sich ein, wollen im Frühjahr sogar schon Klassenlager durchführen.»
Sie gibt jedoch zu, dass die Situation gesamthaft sicherlich besser wäre, mit ausgebildetem Personal. «Aber wir hatten wohl auch Glück, was die Stellenbesetzung angeht.» Und so überwiege momentan die Ruhe etwas mehr als die Zufriedenheit.
Positives Bild in Egg
In Egg zeichnet sich derweil ein ähnliches Bild ab. «Bei uns sind noch all die Neuen mit an Bord und unterrichten mit viel Freude», erklärt Claudio Zambotti.
«Die Schulentwicklung bleibt vorerst auf der Strecke»
19.08.2022

Egger Leiter Bildung im Interview
Für Claudio Zambotti, Leiter Bildung in Egg, waren die Sommerferien eine stressige Zeit. Beitrag in Merkliste speichern Der Leiter Bildung hält fest, dass man allerdings gewusst und erwartet habe, dass das aktuelle Schuljahr nicht einfach werde. «Wir unterstützen die neu angestellten Lehrkräfte dort, wo wir können, mit Fachpersonal. Momentan läuft alles gut.»
Kein negatives Feedback aus Wetzikon
«Auch in Wetzikon läuft es», sagt Thomas Ruppanner. In Wetzikon wurde weniger als eine Handvoll Lehrkräfte ohne Diplom angestellt, alle haben sich vorher schulnah bewegt. «Uns war ein guter Start für die Neu- und Quereinsteiger wichtig», erklärt Ruppanner. So habe man allen mit dem Plan L des Bildungsinstituts Unterstrass, einem Begleitungsprogramm, eine berufsbegleitende Unterstützung gesprochen.
Der Leiter Bildung in Wetzikon erzählt, dass noch niemand den Bettel hingeworfen habe und alle neuen Lehrkräfte mit viel Freude dabei seien. «Weder aus Elternkreisen noch der Fachschaft habe ich bisher etwas Negatives gehört. Und im Schulbereich muss man immer davon ausgehen, dass, wenn man nichts hört, alles gut ist.»
«Wir wüssten nicht, was wir ohne die Quer- und Neueinsteiger machen würden.»
Thomas Ruppanner, Leiter Bildung
Natürlich hätte auch er lieber ausgebildete Lehrpersonen, attestiert dem aktuellen System aber eine gewisse Stabilität. «Es funktioniert.» Man habe aber auch darauf geschaut, dass die neuen Personen keine beziehungsweise nicht zu viele «Ämtli» übernehmen, sondern diese von gestandenen Lehrerinnen und Lehrern ausgeübt werden.
Führt das aber nicht zu einer Überlastung aufseiten der bestehenden Kollegien? «Nein», hält Ruppanner fest, «denn auch bei Lehrpersonen mit Diplom frisch von der PH schauen wir darauf, diese nicht zu überfrachten.» So sei letztlich das Gerüst, wer welche Aufgaben übernimmt, immer das gleiche. Nur halt der Background der angestellten Personen ein anderer. «Letztlich wüssten wir nicht, was wir ohne die Quer- und Neueinsteiger machen würden.»
Auch in Uster wollen Neo-Lehrpersonen bleiben
In Uster, so ist in einer schriftlichen Antwort von Primarschulpräsidentin Patricia Bernet zu vernehmen, sind die «Neo-Lehrpersonen mit offenen Armen empfangen worden und bereits gut integriert».
Anfänglich hätten sich einige Personen im Kollegium Sorgen um die Mehrbelastung für das Team gemacht. So bedarf es noch einiger Anpassungen im Primarschulbereich bei der Zusammenarbeit mit Schulischen Heilpädagogen und Fachlehrpersonen.
«Wichtig ist, dass es nach diesem ‹Spezial-Jahr› Anschlusslösungen gibt.»
Patricia Bernet, Primarschulpräsidentin
Dennoch, «momentan ist das System stabil», schreibt Bernet. Sie wünscht sich allerdings, dass die Bildungsdirektion «schnellst kommuniziert, wie die Neo-Lehrpersonen im nächsten Jahr angestellt werden können». Beziehungsweise informiert, wie sie an der Pädagogischen Hochschule berufsbegleitend eine Ausbildung machen können.
«Wichtig ist», schreibt die Ustermer Primarschulpräsidentin, «dass es nach diesem ‹Spezial-Jahr› Anschlusslösungen gibt, sonst stimmen Aufwand und Ertrag nicht überein.»
In den Quer- und Neueinsteigenden sieht sie sowohl eine Ent- als auch Belastung. Einerseits konnten nur dank ihnen offene Stellen besetzt werden, andererseits benötigen sie eine enge und professionelle Begleitung durch interne Mentorat-Teams und Schulleitungen. Sie hält jedoch fest: «Bisher gab es keine Lehrperson, die sich über eine neue Kollegin oder einen neuen Kollegen ohne Lehrdiplom negativ geäussert hat.»
Auch seien die neuen Unterrichtskräfte nach wie vor sehr motiviert, auch wenn ihre Arbeitslast hoch sei. «Nach eigener Aussage fallen sie abends total geschafft, aber überglücklich ins Bett.» Nur sollte die Belastung mit der Zeit abnehmen.
Noch sind ihr keine Fälle bekannt, in denen neue Lehrpersonen ausgebrannt seien. «Alle neu- angestellten Lehrpersonen möchten bleiben. Die ersten Probezeitgespräche fanden bereits statt.»
