Diese drei Bauten haben gewonnen
Die Öffentlichkeit für gute Architektur zu sensibilisieren und Planer und Bauherrschaften zu besonderem Engagement zu motivieren: Das ist die Idee des Baupreis Zürcher Oberland. Seit nunmehr 21 Jahren wird dieser im Drei-Jahres-Rhythmus vom Architekturforum Zürcher Oberland verliehen.
Heuer wurden von 33 Eingaben drei Projekte ausgezeichnet. Alle befinden sich im Bezirk Uster.
Landenberghaus, Greifensee
Ersteller: Politische Gemeinde Greifensee
Architekten: Horisberger Wagen Architekten, Stehrenberger Architektur
Das Landenberghaus ist ein Ort für gesellschaftliche und politische Veranstaltungen. Seine Grundform entstand im 13. Jahrhundert als Teil eines historischen Ensembles mit angrenzendem Pfarrhaus und dem Schloss Greifensee.
Bei der umfassenden Sanierung wurde das Dach mitsamt dem Treppengiebel auf die Mantellinie des benachbarten Pfarrhauses angehoben. Unter dem neuen aufgestockten Schrägdach entfaltet sich ein grossräumiger Veranstaltungs- und Konzertsaal mit umlaufender Empore. Die spezielle Dachform und Holzverkleidungen an den Wänden sorgen für eine ausgewogene Akustik.
Zur Würdigung des Baus heisst es, «die präzisen Schreiner- und Zimmermannsarbeiten im Innern kontrastieren mit der rohen Aura des Bruchsteinmauerwerks und balancieren so gekonnt zwischen Schwere und Leichtigkeit.»
Der geschichtsträchtige Ort würde durch die Verzahnung mit dem Bruchsteinmauerwerk und dem Fortbau der mittelalterlichen Grundmauern eine würdige Hommage erfahren.
Wohn- und Geschäftshaus Bankstrasse 1, Uster
Ersteller: Speich Immobilien AG, Zollikon
Architekten: Käferstein & Meister Architekten
Das Gebäude schliesst zusammen mit den Nachbargebäuden den belebten Bahnhofsplatz Uster ab. Ein denkmalgeschütztes Bankgebäude und ein modernes Geschäftshaus bilden die unmittelbare Nachbarschaft. Im Erdgeschoss befinden sich mehrere Restaurants.
Darauf folgen zwei Geschosse mit Dienstleistungen, während im dritten Obergeschoss Wohnungen zu finden sind. Das steile Satteldach wird geprägt durch schmale, hohe Dachgauben. Zwischen zwei Techniktürmen, die wie Kamine aus den Giebelfeldern ragen, wird eine schmale Dachzinne aufgespannt. Die Erschliessung erfolgt über die rückwärtige Hofseite. Eine hohe Eingangshalle führt durch einen Bogen über das zentrale Treppenhaus bis zur Zinne.
Klassische Elemente wie der ausgeprägte Sockel und symmetrische Fassade, die in Anlehnung an das denkmalgeschützte Nachbargebäude übernommen wurden, würden «spielerisch, teilweise ironisch neu interpretiert und in Farbe, Form und Materialisierung variiert», heisst es in der Würdigung.
MFH Wohnen in den Bäumen, Egg
Ersteller: Simone Baumann Immobilien AG
Architekten: Osterhage Riesen Architekten
Oberhalb von Egg liegt eine Parzelle mit Aussicht über das Zürcher Oberland. Das Ensemble besteht aus drei dreigeschossigen Baukörpern mit neun Wohnungen. Sie sind um einen Innenhof gruppiert und mit offenen Laubengängen verbunden. Im Erdgeschoss sind kleinere Wohnungen mit direktem Gartenbezug angeordnet, im Obergeschoss befinden sich grössere, zweistöckige Maisonettewohnungen mit üppig begrünten Attikaterrassen.
Umgeben sind die Häuser von einem grosszügigen Garten. Die Gestaltung ist zurückhaltend, der Fokus wird auf natürliche Materialien und ökologisch wirksame Strukturen gelegt. «Die Pflanzen sind die Hauptdarsteller, mehr als 700 Pflanzenarten verteilen sich rund um die grosse Wohnanlage und schaffen eine biodiverse Insel mit hoher Artenvielfalt», kann in der Beschreibung gelesen werden.
Zur Würdigung des dritten ausgezeichneten Projekts heisst es: «Die Wohnsiedlung überzeugt durch eine austarierte Setzung von drei Baukörpern und einem gut proportionierten polygonalen Freiraum.» Und weiter: «Spannungsvolle gemeinschaftliche Aussenräume stehen in direkter Beziehung zu den privaten Räumen der Wohnungen.»
Das Zusammenspiel von Architektur und Natur sei beeindruckend und bilde einen qualitativ hochwertigen Lebensraum für Mensch, Pflanzen und Tiere. «Das Ziel, die Natur und die Gebäude miteinander zu verschränken und ein einzigartiges, nachhaltiges und biodiverses Wohnkonzept zu gestalten, ist in überzeugender Art gelungen.»
Weitere Nominationen
Neben den drei ausgezeichneten Projekten erhielten vier weitere Bauwerke eine Nomination. Dazu gehört der Feuerring in Uster, ein Gemeinschaftsmöbel oder die Wohnüberbauung Ametsberg in Gossau.
Aber auch das Gesundheitszentrum Rosenthal in Wald sowie das Mehrfamilienhaus Stegenmühle in Wetzikon wurden nominiert.
Zu den nominierten und prämierten Projekten sagt Mike Weber, Präsident des Architekturforums Zürcher Oberland: «Sie alle sind örtlich gut verteilt im Zürcher Oberland und reflektieren unseren Zeitgeist.» Sie alle hätten eine identitätsstiftende Wirkung und zeigten auf, dass Architektur und Umweltgestaltung keine «Geschmacksache» sei, sondern klaren Kriterien unterliegt und zu einer höheren Lebensqualität beiträgt.
