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Dübendorf lässt Wirt mit Sozialhilfebezügern allein

Der Gfenner Güggeli-Huus-Wirt Walter Dossenbach hat mit den prekären Lebensverhältnissen seiner Mieter zu kämpfen, die ihm das Sozialamt vermittelt. Von den Behörden fühlt er sich alleine gelassen.

Wirt Walter Dossenbach ist entsetzt: Ein Gast bereitete sich trotz Verbot ein Fondue im Zimmer zu. , Doch teilweise strömen auch noch miesere Gerüche aus den Zimmern des «Güggeli-Huus Frohsinn»., Der Wirt hatte in den letzten zehn Jahren ..., ... öfters Sorgen wegen seiner Mieter. , Dossenbach bot wegen des Drogenkonsums seiner Mieter auch schon die Polizei auf., Nun will er nicht mehr weitermachen und hört per Ende Jahr auf.

Foto: David Marti

Dübendorf lässt Wirt mit Sozialhilfebezügern allein

Walter Dossenbach hat als Wirt eigentlich stets genug zu tun. Sein «Güggeli-Huus Frohsinn» im Dübendorfer Ortsteil Gfenn ist bei Gästen beliebt. Weil er aber in dem Haus Zimmer an Sozialhilfeempfänger vermietet, hat er sich in den letzten Jahren unfreiwillig noch die Aufgaben als Nothelfer, Sozialpädagoge, Putzhilfe oder zuletzt als Müllmann aufgehalst. 

Im Restaurant bekundet Dossenbach seinen Umut, über die jüngste Eskapade eines Mieters. Vom Mann habe er erst Monate lang keine Miete erhalten und plötzlich sei dieser Hals über Kopf verschwunden. Zurück blieb sein ganzer Hausrat und eine Menge Unrat.

«Als ich einem Mieter im Haus begegnete, der auf allen vieren die Treppen hinunterkroch, habe ich die Ambulanz gerufen.»
Walter Dossenbach, Wirt

«Sowas habe ich noch nie erlebt», sagt Dossenbach. Im Zimmer seien allerlei Abfall, verkrustete Speisereste, Medikamente, sowie Kleider und weitere Habseligkeiten des Mannes verstreut gewesen. Mobiliar, das zum Zimmer gehörte, ramponiert und versifft. Die Wohnung teilweise unter Wasser. 

Zimmer mit einem Haufen Müll.

Dossenbach, der zu diesem Zeitpunkt bereits einen Nachfolgemieter gefunden hatte, fackelte nicht lange und packte alles zusammen. «14 prall gefüllte 110-Liter-Kehrichtsäcke habe ich aus der Wohnung getragen.» 

Weil der Sozialhilfebezüger seine Miete länger nicht bezahlte, habe er die Sozialhilfe kontaktiert, die in der Regel die Wohnkosten der Betroffenen übernehmen. Vonseiten der Behörde hiess es dann, dass der Mann sich erst bei der Dübendorfer Einwohnerkontrolle anmelden müsse, erst dann bekäme er sein Geld. «Ich musste selber beim Schalter vorbei, um den Mann anzumelden, was nicht ganz einfach war. Das ist doch nicht meine Aufgabe als Vermieter.»

Immerhin hat der Mann sich dann doch noch gemeldet und zusammen mit seinem Vater alle Säcke abgeholt und das Sozialamt hat inzwischen die Rechnung bezahlt.

Ambulanz und Polizei

Der Sozialhilfeempfänger ist nur ein Beispiel von vielen, der seine Spuren in dem Gebäude hinterlassen hat. «Einige meiner Mieter sind in prekärem Zustand in die Zimmer eingezogen mit physischen und psychischen Problemen. Oft waren es Drogensüchtige.» Kürzlich musste Dossenbach auch für eine neue Tür, professionelle Reinigung und Wasserabsaugung der Wohnung aufkommen, was ihn insgesamt rund 2300 Franken kostete.

«Die Polizei hat sich Zutritt zum Zimmer verschafft, Drogen eingepackt und den Mann verhaftet.»
Walter Dossenbach, Wirt

Mehrmals habe er Rettungswagen oder Polizei aufbieten müssen. «Als ich einem Mieter im Haus begegnete, der auf allen vieren die Treppen hinunterkroch, habe ich die Ambulanz gerufen.» Hinterher habe sich der Arzt bei ihm bedankt und gesagt, dass das Leben des Mannes nur noch am seidenen Faden gehangen sei.

Vermittelt werden ihm die Leute von der städtischen Sozialhilfe. Seit zehn Jahren laufe das so. «Die Mitarbeiter sind froh und dankbar, dass ich ihren Klienten eine Unterkunft zur Verfügung stelle.» Und Dossenbach ist dankbar, dass er Mieter bekommt. Unverhohlen sagt er: «Ich bin auf die Mieteinnahmen angewiesen.» 650 Franken verlangt er für die Einzimmerwohnung.

Vorwürfe an die Sozialbehörden

Doch Dossenbach fühlt sich in vielen Fällen von den Behörden im Stich gelassen. Immer wieder habe er auch die Mitarbeiter des Sozialamtes aufgefordert vorbeizukommen, um sich ein Bild der Wohnsituation ihrer Klienten zu machen. Nur etwa zehnmal seien sie in den zehn Jahren dieser Aufforderung nachgekommen. Gebracht habe es nicht viel. Sein Wunsch: «Das Sozialamt hätte mehr Kontrollen in den Zimmern machen sollen.»

«Wir sind nicht befugt, in Privaträumen Kontrollen durchzuführen.»
Sozialamt Dübendorf

 

Dazu schreibt das Sozialamt auf Anfrage, dass der gesetzliche Schutz der Privatsphäre auch für sie gelte. «Wir sind nicht befugt, in Privaträumen Kontrollen durchzuführen.»

Auf den Vorwurf, das Sozialamt habe sich nicht um die Wohnsitzanmeldung eines Klienten und Walter Dossenbachs Mietforderung gekümmert, schreiben die Behörden, dass auf konkrete Fälle aufgrund der Bestimmungen über den Datenschutz nicht eingegangen werden könne. Die betreffenden Personen würden von ihnen aber auf ihre Pflicht zur Anmeldung bei der Einwohnerkontrolle innert 14 Tagen hingewiesen.

Doch zusätzliche Bedingungen werden vonseiten der Behörden offenbar nicht gestellt, so heisst es weiter: «Es obliegt den betroffenen Personen, sich innert gesetzlicher Frist bei der Einwohnerkontrolle anzumelden.»

 

Dunkelziffer zur Wohnsituation von Sozialhilfeempfänger

Aktuell werden in Dübendorf 277 Sozialhilfefälle behandelt. Wie viele davon an Dritte vermittelt, in Institutionen oder in Notwohnungen untergebracht sind, kann das Sozialamt nicht sagen. Auch zu den Kosten für die Unterbringung kann die Behörde keine Auskunft geben. Diese seien nur mit ausserordentlichem Aufwand aus den einzelnen Klientenkonti ermittelbar. 
Falls immer möglich, würden Hilfesuchende in Dübendorf untergebracht, schreibt das Sozialamt. In Ausnahmefälle können dies vorübergehende Hotelunterbringungen oder Notfallplatzierungen, beispielsweise in Notschlafstellen, ausserhalb der Gemeinde sein.

 

Güggeli-Huus-Wirt Walter Dossenbach kann derweil ohne Kontrollen nur erahnen, was in seinen Zimmern abgeht. Öfters seien darin Drogen konsumiert worden. Welche? Das weiss Dossenbach nicht. Aber gerochen habe es im Gang jeweils stark. Als es ihm einmal zu viel wurde, hat er die Polizei gerufen. «Die hat sich Zutritt zum Zimmer verschafft, Drogen eingepackt und den Mann verhaftet. Am Abend war er aber bereits wieder auf seinem Zimmer.»

Dossenbach hat Mitleid mit dem Mann. «Das ist ein lieber Kerl. Drogensucht ist für mich eine Krankheit, wie jede andere auch.» Auch sonst ist er den wenigsten Sozialhilfeempfänger böse, die ihre Miete nicht bezahlen, den Wohnungsschlüssel verlieren oder in einem Fall das Werkzeug in der Waschmaschine waschen, und so das Gerät demolieren.

Um seinen Mietern einen Treffpunkt und eine Verweilmöglichkeit zu bieten, habe er ihnen während der wärmeren Monate jeweils einen Grill draussen aufgestellt. «Einzige Bedingung war, dass sie hinterher alles wieder aufräumen, was auch geklappt hat.»

Wirt schmeisst hin

Neben Sozialhilfeempfänger habe er oft auch andere Mieter, die kurzfristig, wegen Ehekrachs oder aus anderen Gründen, eine Bleibe suchten. Für sie und die anderen derzeitigen Mieter will er im Dezember ein Weihnachtsessen kochen, bevor alle raus müssen. Denn Dossenbach will nicht mehr weiter wirten und gibt die Pacht auf. «Ich werde in diesem Jahr 70 und will kürzertreten.»

Ein Immobilienunternehmen habe das Haus inzwischen gekauft und wolle die sechs Zimmer zu zwei Mietwohnungen umbauen. Das Restaurant soll erhalten bleiben.

Mit einer umtriebigen Mieterschaft wird es Dossenbach künftig nicht mehr zu tun haben. «Für mich ist das Kapitel zu Ende.»

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