Die Walder sorgen sich um ihren Bachtelweiher
Es ist ein nebliger Morgen am Bachtelweiher. Der Walder Schriftsteller Nicolas Lindt und die Bauingenieurin Silvia Schoch Keller stehen ratlos am trüben Tümpel. Er ist alles, was vom schönen Weiher übrig geblieben ist. Schon vor zwei Jahren haben Lindt und Schoch Keller mit anderen Oberländern die IG Bachtelweiher gegründet.
Die beiden machen sich Sorgen, dass ihr geliebtes Naherholungsgebiet so saniert und renaturiert wird, dass man hier in Zukunft auch nicht mehr baden darf. Momentan ist durch den Nebel nur ein trauriges Loch aus Schlamm zu sehen.
Der Weiher als Geheimtipp
Es sei nichts falsch daran, dass man achtsam mit der Natur umgehen wolle. «Mich beschleicht nur manchmal das Gefühl, dass wir hier in Wald wiedergutmachen müssen, was im Grossraum Zürich sonst alles verbaut wird », sagt Lindt. Die Sanierung und die unnötige Verzögerung sei ein Eingriff für die Menschen, die sich hier gerne aufhielten. Auch der Weg rund um das heutige Schlammloch darf momentan nicht mehr betreten werden.
«Man konnte die Badenden an zwei Händen abzählen.»
Silvia Schoch Keller, Bauingenieurin
Der Weiher sei ein Geheimtipp gewesen, ergänzt Silvia Schoch Keller. Da es in der Nähe keine direkten Parkplätze gibt, kämen viele Wanderer eher zufällig zu einem Picknick oder einem Sprung ins kalte Nass vorbei. Die Bauingenieurin sagt: «Man konnte die Badenden an zwei Händen abzählen.» Und die Besucher hätten immer brav ihre Abfälle wieder mitgenommen.
Zur Vorgeschichte: Schon im September 2021 wurde der Bachtelweiher leergefischt, weil die Fachstelle Naturschutz des Kanton Zürichs eine Sanierung des Weihers plante. Die Fische und Krebse wurden in umliegende Weiher untergebracht.
Wie die Baudirektion Zürich damals in einer Medienmitteilung schrieb, sei d ie Sanierung notwendig, da sich das Gebiet als Gefährdung im Falle von Hochwasser erweise. «Im Falle eines Dammbruchs würde die Flutwelle zu Schäden an den ehemaligen Industriegebäuden in der Hueb führe n. »
Das Sanierungsprojekt wurde vom Bund abgelehnt
Pikantes Detail: Der Weiher wurde leergefischt, bevor die Bewilligung für das Sanierungsprojekt überhaupt vorlag. Nun hat der Bund diese Form der Sanierung aber nicht bewilligt. Der Grund: Die Umsetzung sei zu wenig sicher. Somit müsse das Projekt noch einmal überarbeitet werden, schreibt Jaqueline Stalder von der Fachstelle Naturschutz.
«Ein Jahr später wird nichts mehr vom Eingriff sichtbar sein»
17.10.2021

Sanierung des Bachtelweiher
Der Bachtelweiher muss saniert werden. Beitrag in Merkliste speichern Silvia Schoch Keller schüttelt den Kopf. Sie verstehe nicht, warum man beim Bund von einem schlimmstmöglichen Fall ausgehe. Und auch nicht, warum der Kanton Zürich ein Sanierungsprojekt publiziere, das nicht mit den Bundesbehörden abgesprochen sei. «Ich erwarte eine neue öffentliche Auflage des angepassten Projekts, zu dem sich die Betroffenen äussern können.»
«Dass wir so lange warten müssen, entspricht nicht dem, was uns zu Beginn versprochen w orden ist. »
Nicolas Lindt, Schriftsteller aus Wald
Ein neues Projekt sei in Planung, schreibt Isabelle Rüegg von der Baudirektion des Kantons Zürich. Mehr dazu könne man voraussichtlich erst Anfang nächsten Jahres sagen. Auch zu den Kosten wollte man keine Auskunft geben, da diese momentan noch nicht bekannt seien.
Kein Badesommer 2023 am Bachtelweiher
Soviel ist aber klar: Der Bachtelweiher werde im Sommer 2023 noch nicht wieder hergestellt sein. Die Sanierungsarbeiten zögen sich bis in den Herbst hinein und würden allenfalls bis in den Frühwinter 2023 dauern. Die Begrünung der Flächen würde dann im Frühling oder sogar erst im Frühsommer 2024 stattfinden.
«Dass wir so lange warten müssen, entspricht nicht dem, was uns versprochen worden ist», sagt Nicolas Lindt. Er vermutet, dass dieses Hin- und Her zwischen Bund und Kanton eine Verzögerungstaktik ist, um den Oberländern den Weiher in Zukunft nicht mehr als Badeweiher zugänglich zu machen.
Auch für die Tiere sei es schlimm, dass der Weiher nur noch ein Schlammloch sei – gerade im vergangenen trockenen Sommer. «Ich frage mich, wo da der gesunde Menschenverstand bleibt.»
