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Wenn sich der Champignon als Knollenblätterpilz entpuppt

Die Vielfalt an Pilzen ist dank des trockenen Sommers ungewöhnlich gross. Doch wer sammelt, soll auf der Hut sein – nicht selten wird Essbares mit Giftigem verwechselt. Unterwegs mit einem Oberländer Hobby-Pilzsammler.

Immer mehr junge Leute sammeln im Herbst gerne Pilze. So auch der Wetziker Roman Mordasini., Hinter dem Trend könnte ein Wunsch stecken, wieder näher an der Natur zu leben., Dieser Maronenröhrling wäre geniessbar - ist jedoch einfach zu alt., ... denn geniessbare von giftigen Pilzen zu unterscheiden, ist teilweise nicht so einfach., Diese knallorangenen Reizker sind zum Beispiel geniessbar. Besser einmal mehr die Pilze kontrollieren lassen.

Foto: Eleanor Rutman

Wenn sich der Champignon als Knollenblätterpilz entpuppt

«Ich esse, koche und finde gerne.» Roman Mordasini schwärmt schon auf der Fahrt in den Hittnauer Wald vom «Pilzle». «Ich finde es bedauerlich, dass wir so abhängig geworden sind von der Migros und vom Coop und finde es super, wenn ich mir mein Essen selbst suchen und zubereiten kann.»

Die Pilzsaison ist seit einigen Wochen in vollem Gange. «Es ist ein gutes Pilzjahr», sagt die Pilzkontrolleurin Ruth Bernhard aus Egg. Die Vielfalt sei momentan ungewöhnlich gross, da alle Pilze nun fast gleichzeitig aus dem Boden sprössen. Das habe mit dem trockenen Sommer zu tun. «Denn erst jetzt zeigen sich auch diejenigen Pilze, die normalerweise schon im August dagewesen wären.»

«Die Lockdown-Zeit war sicher ein Auslöser, warum nun auch viele jüngere Leute Pilze suchen.»
Ruth Bernhard, Pilzkontrolleurin aus Egg

Bei Ruth Bernhard kommen besonders viele Menschen vorbei, die erst neu mit dem «Pilzle» angefangen haben, wie sie sagt. Sie vermutet, hinter diesem Trend stecke der Wunsch, wieder näher an der Natur zu leben. «Die Lockdown-Zeit war sicher ein Auslöser, warum nun auch viele jüngere Leute Pilze suchen.»

Ferdinand Uehli, der schon seit vierzig Jahren in Zürich und jetzt auch in Illnau-Effretikon Pilze kontrolliert, beobachtet diese Entwicklung aber schon länger: «Das hat sich während den letzten zehn Jahren sehr verändert, es kommen viel mehr junge Leute in die Kontrolle.»

«Der Fund eines schönen Hexenröhrlings hat mich neugierig gemacht.»
Roman Mordasini, Hobby-Pilzsammler aus Wetzikon

Einer dieser jungen Pilzsammler ist Mordasini. Er sei schon früh zum Pilzsammeln gekommen, sagt er, als er in der Nähe des Hittnauer Golfplatzes mit suchendem Blick durch den Wald streift. «Der Fund eines schönen Hexenröhrlings hat mich damals neugierig gemacht.» So richtig gepackt habe es ihn aber erst ein wenig später, über die Verwandtschaft seiner Frau.

«Einmal hatten wir schon alles fertig gerüstet und in die Pfanne geworfen», schöne Steinpilze seien es gewesen. «Doch dann mussten wir alles wegschmeissen, weil bittere Gallenröhrlinge darunter waren.» Zum Glück habe das einer der Köche rechtzeitig bemerkt, aber schade sei das schon gewesen, erzählt der 34-Jährige.

Ein Hexenröhrling im Wald.

Manche «Pilzler» haben auf ihrer Suche aber weniger Glück. Dieses Jahr gebe es mehr Vergiftungen im Vergleich zum Vorjahr, berichteten verschiedene Medien Anfangs September. «Momentan gibt es viele Knollenblätterpilze» sagt Ines Bader, die in Bubikon und Wolfhausen Pilze kontrolliert. «Diese sind tödlich.»

Auch die Egger Pilzkontrolleurin Ruth Bernhard bestätigt das. «Die Knollenblätterpilze zeigen sich in unserer Region erst jetzt, ich hoffe, das führt dann nicht zu bösen Überraschungen.» Fast jedes Jahr sei ein Knollenblätterpilz bei einer ihrer Pilzkontrollen darunter gewesen. «Oft handelt es sich dabei um eine Verwechslung mit einem Champignon oder einem Täubling.»

Genügend Kontrollstellen im Oberland

Martine Frei, Leiterin Marketing und Kommunikation des Spitals Uster, berichtet, dass diese Saison mit nur zwei bis drei Fällen von Lebensmittelvergiftungen wegen Pilzen bisher ruhig verlaufen sei. «Die Patientinnen und Patienten waren nur ambulant hier und konnten nach der Untersuchung wieder nach Hause gehen.»

Der langjährige Pilzkontrolleur Ferdinand Uehli sagt dazu mit Nachdruck: «Wenn man sich nicht hundertprozentig sicher ist, soll man die Pilze unbedingt kontrollieren lassen.» Kontrollstellen im Zürcher Oberland gebe es genug.

«Man muss auch lernen, die Pilze richtig anzuschauen.»
Ruth Bernhard, Pilzkontrolleurin in Egg

Mittlerweile gibt es auch viele Apps für Pilzkontrollen. Die Meinungen dazu gehen auseinander. Die Eggerin Bernhard hält wenig davon. «Eine App genügt einfach nicht.» Am Schlauesten sei es, wenn man mit jemandem mitgehe, der etwas von Pilzen verstehe. «Man muss auch lernen, die Pilze richtig anzuschauen», weiss die Expertin.

Erst kürzlich sei eine ältere Frau mit einem vermeintlichen Steinpilz bei ihr gewesen. «Wenn sie den Pilz umgedreht hätte, hätte sie sofort gesehen, dass es sich nicht um einen Steinpilz handelt, weil er unten Lamellen aufwies.»

Pilz in Hittnau.

Der Hobby-Pilzsammler Roman Mordasini geht hingegen selten zur Pilzkontrollstelle. «Manchmal drehe ich zwei Pilze heraus, wenn ich neugierig und mir nicht sicher bin.» Lieber pflücke er einfach nur diejenigen Pilze, die er auch wirklich bestimmen könne. Er konzentriert sich da auf Steinpilze und Parasolpilze.

«Trüffel mag ich natürlich auch.» Mordasini bringt seinem Hund momentan das knifflige Trüffelsuchen bei. «Zuhause funktioniert das schon ganz gut, wir können dem Hund ein Trüffelstück in einen Turnschuh legen und er findet es.»

Er geht oft mit dem Hund in den Wald. «Heute geniesse ich es, mal ohne Hund unterwegs zu sein, so kann ich ganz meinem eigenen Instinkt folgen.» Er geht in die Hocke. Aus dieser Perspektive fände er die Pilze schneller, sagt er. «Viele Pilze sieht man von oben gar nicht, weil sie sich farblich vom Waldboden nicht gross abheben.»

Roman Mordasini macht den Schnüffel-Test.

Auch auf seinen eigenen Geruchssinn verlässt sich der Wetziker. So schnüffelt er immer wieder selber an einem Pilz. «Dieser hier riecht sehr nach Verwesung» sagt er und rümpft die Nase. Es sei ein alter Maronenröhrling. Eigentlich geniessbar, jedoch einfach zu alt. Er verstehe es nicht, wenn Menschen so einen Pilz mitnehmen würden.

«Es macht einfach Freude, es ist wie bei einer Schatzsuche.»
Roman Mordasini, Pilzliebhaber

Heute hat Mordasini keinen Pilz mitgenommen. Die vielen knallorangenen Reizker, die er gefunden hat, mögen seine Frau und Kinder nicht, deswegen hat er sie stehen gelassen. Aber letzte Woche habe er genau in diesem Wald viele Parasolpilze geerntet. «Die schmecken wunderbar, wenn man sie im Ei wendet und paniert.»

Auf die Frage, was ihn am Pilzsammeln am meisten fasziniert, sagt er: «Es macht einfach Freude, wenn man einen Pilz findet, es ist wie bei einer Schatzsuche.» Das Spannende daran sei eben auch, dass man nie wisse, was einen erwarte. «Und wenn man nichts findet, dann war man wenigstens an der frischen Luft.»

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