Feuer und Flamme für eine starke Armee
Vor genau 100 Jahren, am 24. September 1922, feierten gut 30’000 Personen die Einweihung des Wehrmännerdenkmals auf der Forch. Dieses erinnerte an die Opfer während und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg.
Am Samstag waren es zum Jubiläum rund 100mal weniger. Die Zahl von gut 300 Besucher lag leicht unter der, mit der die Organisatoren, der Kantonale Unteroffiziersverband Zürich & Schaffhausen, gerechnet hatten. Der Nieselregen und der wolkenverhangene Himmel hatten wohl einen grösseren Aufmarsch verhindert.
Salutsalven aus Gewehren und Kanone
Wer allerdings zum Denkmal hochmarschierte oder gefahren wurde – für die älteren Besucher war ein Transport organisiert worden – , den erwartete eine würdige Feier.
Empfangen wurden die Frauen und Männer sowie die Kinder am Fusse der hohen Flamme mit dem Befehl « Feuer » . Die Compagnie 1861 sowie die Maritz Batterie feuerten mehrere Salutsalven.
Oberstleutnant Thomas Amstutz, der Präsident des Kantonalen Unteroffiziersverbandes Zürich & Schaffhausen, betonte, mit der Feier werde die Dankbarkeit dafür ausgedrückt, dass die Schweiz seit dem Sonderbundskrieg von 1847 von kriegerischen Ereignissen verschont geblieben sei. Zugleich sei der Tag ein Gedenken an alle bis heute im Dienst verstorbenen Armeeangehörigen.
Parallelen zwischen damals und heute
Der Küsnachter Gemeindepräsident Markus Ernst unterstrich, dass seine Gemeinde stolz auf dieses Denkmal in Form einer grossen Flamme sei. Und er machte Parallelen von damals zu heute aus.
Nicht nur befänden wir uns wieder in unruhigen, kriegerischen Zeiten, sondern auch damals wie heute sei das Land hart von einer Pandemie getroffen worden.
Diese Ähnlichkeiten strich auch der Zürcher Regierungspräsident Ernst Stocker (SVP) heraus. Im Unterschied zu damals seien allerdings der Staat und das Gesundheitswesen heute stärker. So habe der Kanton Zürich die Coronakrise wirtschaftlich gut gemeistert und für die Pandemieopfer sei besser geschaut worden.
Er erinnerte sich an seinen Grossvater, der damals ebenfalls an der Spanischen Grippe erkrankte und seine Haare verlor. Dieser habe auch von den grossen Entbehrungen erzählt. So sei die Flamme ein Symbol für die harten, aber heiligen Opfer.
Doch dieser Ort, von dem aus sich ein prächtiger Ausblick aufs Land und die Berge biete, sei auch ein Ort der Zuversicht, unterstrich Stocker. Er erhoffe sich, dass er durch diese Feier auch wieder bekannter werde.
Spontaner Applaus für den Sicherheitsdirektor
Hier werde an die Pflicht und die Entbehrungen erinnert, meinte Sicherheitsdirektor Mario Fehr (parteilos).
Der Regierungsrat schlug dann aber gleich den Bogen zu den aktuellen Ereignissen: «Die letzte Woche war eine gute Woche für unsere Armee.» Endlich liege das Ja zu den neuen Kampfjets vor. Das sei auch nötig gewesen für eine starke Armee, «die da ist, wenn man sie braucht».
Dies sei in jüngerer Zeit etwa bei Corona- oder Unwettereinsätzen der Fall gewesen, aber auch wenn es darum gehe, internationale Kongresse in der Schweiz zu schützen.
Für seinen Appell, jetzt dafür zu sorgen, dass die Armee vollständig ausgerüstet und damit auch wieder kampffähig werde, erntete der Sicherheitsdirektor Szenenapplaus. Den gab es auch für den Einsatz der Sanitäter, Polizei und der Militärs, die einen Mann nach einem Schwächeanfall versorgten.
Ein Kranz für die Verstorbenen
Höhepunkt der Feier bildete die Kranzniederlegung zur Erinnerung an die im Militärdienst verstorbenen Soldaten. Der Chef der Armeeseelsorge, Hauptmann Samuel Schmid, schlug den Bogen vom Dank-, Buss- und Bettag, der vor einer Woche begangen wurde zu dieser Feier. Alle drei Elemente seien auch hier wichtig.
In seiner Ansprache zog auch Divisionär Rolf André Siegenthaler, der designierte Chef der Logistikbasis der Armee, einen Vergleich. Dabei kam er auf eine Feier zu sprechen, die 1930 beim Forchdenkmal abgehalten wurde.
Ein Oberst Zeller beklagte den damals bedenklichen Zustand der Armee, die die Sozialdemokraten schon damals abschaffen wollten. Erst im allerletzten Moment, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, habe die Armee noch einige Waffensysteme kaufen können, um wenigstens eine Chance gegen die deutsche Kriegsmaschine zu erhalten.
Appell für starke Armee
Schon damals habe man gegen das Vergessen gekämpft und für eine starke Armee, «weil Kriege auch dann geschehen, wenn die meisten nicht daran denken». Mit einem grossen Schuss Ironie zeigte er auf, dass sich Ähnliches wie damals auch heute abgespielt habe.
Trotz der Zustimmung zum neuen F-35 und dem Fliegerabwehrsystem Patriot sei das angesichts «der zwanzigjährigen Verwahrlosung der Armee bei 0,7 Prozent der Bundesausgaben» nur «ein Tropfen auf den heissen Stein».
Wie 1930 stünden wir wieder vor dem Forchdenkmal «und sind uns bewusst, dass das Opfer von jenen, die damals gestorben sind, nur dann einen Sinn hat, wenn wir heute, in unserer Zeit, die heutigen und künftigen Bedrohungen von der Schweiz abhalten», betonte Siegenthaler.
Auch heute solle sich ein potenzieller Angreifer gut überlegen müssen, ob er wirklich zum entscheidenden Schritt schreite. Dafür sei aber eine starke Armee nötig.
Zum Abschluss der rund eineinhalbstündigen Feier am Denkmal sangen die Anwesenden gemeinsam die Nationalhymne.
Im nahen Festzelt erhielten alle Besucher eine kostenlose Stärkung und zur Erinnerung an die Feier erhielten sie ein grosses Glas mit dem Aufdruck «100 Jahre Wehrmännerdenkmal» samt Flamme.
