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Kanton zahlt, damit diese besonderen Bäume stehen bleiben

Buchen, Eichen, Ahorn, Weisstannen oder Föhren: Kommen sie ins Alter, haben sie alle grosses Potenzial als Lebensraum für Tiere, Flechten oder Pilze. In der Region sind dank kantonalem und privatem Engagement besonders viele Biotopbäume zu finden.

Mit grossen Lettern und einer Plakette ist dieser Biotopbaum ob Fischenthal markiert. , Der Umweltwissenschafter Dominik Scheibler (links) und Revierförster Stefan Burch initiierten 2014 «Dein Baum»., Der Ustermer Stadtförster Benajmin Kistner zeigt einen Biotopbaum. , Ein Totholzareal im Staatswald südwestlich des Tierhags.

Foto: Imre Mesterházy

Kanton zahlt, damit diese besonderen Bäume stehen bleiben

Sie sind alt. Sie sind gross. Sie sind wertvoll, mindestens für all die Tiere und Pflanzen, die auf, in und von ihnen leben. Und sie werden immer mehr: die Biotopbäume. Seit 2018 lässt sich der Kanton Zürich den Erhalt solcher Bäume etwas kosten, 500 Franken sind es pro Exemplar.

Kantonsweit werden bisher genau 629 Bäume nach den Richtlinien «Biotopbaum» aktiv gefördert. Rund ein Drittel davon steht laut Kantonsforstingenieur Kurt Hollenstein im Zürcher Oberland. Dieser hohe Anteil verwundert nicht, ist doch gerade das ganze Tösstal stark bewaldet.

Dick muss sein

Nach der Definition des Bundes handelt es sich um einen Biotopbaum, wenn er beim Laubholz einen Mindestdurchmesser von 50 Zentimeter hat, bei Nadelholz müssen es mehr als 70 sein. Dazu muss er besondere ökologische Merkmale aufweisen – wie etwa grosse Totäste, Höhlen, abgestorbene Partien – oder er muss durch Pilze befallen sein.

Auch mit Moos und Efeu bedeckte Bäume gelten als wertvoll. «Solche Biotopbäume, die auch nach dem Absterben im Wald verbleiben, leisten längerfristig einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt im Wald», erklärt Kurt Hollenstein.

Ökologisch wertvoll

Gibt es solche Baumexemplare nicht zuhauf im Wald? Tatsächlich gebe es diese in genügender Anzahl im Zürcher Wald, räumt Hollenstein ein, «aber: Sie werden mit der Zeit genutzt und durch jüngere, nachrückende Bäume ersetzt.» Erst mit der Sicherung von Biotopbäumen bestehe Gewähr, «dass einzelne Bäume gerade auch im Wirtschaftswald bis zum Zerfall stehen bleiben und so an ökologischem Wert gewinnen.»

Aus Sicherheitsgründen – morsche Bäume haben die Tendenz, sich auch einmal eines grossen Asts zu entledigen – werden entlang von Wegen und Strassen, aber auch bei Feuerstellen oder bei Waldspielgruppenplätzen keine Biotopbäume bezeichnet. «So wird versucht, präventiv mögliche Konflikte zu vermeiden», meint Hollenstein.

Markiert mit Plaketten

Die 500 Franken erhalten nur Besitzer von Privatwald, die sich vertraglich dazu verpflichten, den ausgewählten Baum stehen zu lassen. Für Hollenstein hat sich diese Fördermethode bewährt und sie sei auch in der Praxis begrüsst worden. «Sie ist allerdings etwas aufwändig, was sich dadurch erklärt, dass sichergestellt werden muss, dass die Bäume über Jahrzehnte stehen bleiben sollen und nicht zum Beispiel irrtümlich gefällt werden.»

Auffällig muss es sein: Dieser Biotopbaum ob Fischenthal soll noch Jahrzehnte stehen bleiben.

Damit das nicht geschieht, sind sie mit grossen Lettern markiert und tragen auch eine Plakette. Solche sind etwa entlang von Wanderwegen im Hasenböl ob Fischenthal zu sehen, wo sind mit grossen Nägeln befestigt sind. Nägel und Baum, das verträgt sich doch nicht? Hollenstein winkt ab: «Oft weisen die Bäume eine sehr dicke Rinde auf und die Nägel und Schrauben kommen kaum oder nicht bis ins Holz. Geschieht das aber, ist das zwar unschön, aber vertretbar, da der Baum ja nicht genutzt wird.»

Der Kantonsforstingenieur gibt zu bedenken, dass es keine Farbe gebe, die über Jahre erkennbar bleibe. In der Regel würden die Biotopbäume mit einem Holzpfosten samt Tafel gekennzeichnet. Wo aber kein solcher Pfosten eingeschlagen werden könne, werde auch mal darauf verzichtet.

Auf Schutzwald ausgedehnt

Wie erfolgreich das Biotopbaum-Programm ist, zeigt sich auch daran, dass von Forstarbeitern schon bald nach Anlaufen dessen Ausdehnung gefordert worden ist. Seit 2020 gibt es sie denn nicht mehr nur im Wirtschaftswald, wo das Holz genutzt wird, sondern auch im Schutzwald. Kantonsweit hat das Oberland, insbesondere das Tösstal von Wald bis vor die Tore Winterthurs, sehr viel davon.

«Mit dem Verzicht auf die Nutzung wird mittel- bis langfristig ein für die Waldbiodiversität wichtiger Grundstein gelegt», betont Hollenstein. Der Anteil an Totholz, der mit dem Programm vergrössert werden soll, hat gemäss dem Zwischenbericht zur Waldentwicklung in den Jahren 2016 bis 2020 von 7,5 auf 9 Kubikmeter pro Hektare zugenommen.

Totholz als Ziel

«Es wird angenommen, dass der Trend der Zunahme in den nächsten fünf Jahren anhalten wird, da die grossen Waldschäden der Jahre 2018 bis 2020 den Totholzvorrat zusätzlich steigern werden», ergänzt der Kantonsingenieur, der auch die Abteilung Wald im kantonalen Amt für Landschaft und Natur leitet.

Ein Totholzareal im Staatswald südwestlich des Tierhag.

Weitere Bemühungen, den Totholzanteil zu fördern, bieten Naturwaldreservate. In diesen wird auf menschliche Eingriffe verzichtet. Bis ins Jahr 2020 ist deren Anteil auf 1272 Hektaren erhöht worden. Zum Vergleich: Im Kanton Zürich sind 49’700 Hektaren bewaldet. Das ist fast ein Drittel der Gesamtfläche.

Zudem wird im Staatswald bei einzelnen Buchen aktiv die Krone massiv zurückgeschnitten. Mit dieser Massnahme soll am noch lebenden Baum Totholz «produziert» werden.

Bis heute hat sich der Kanton Zürich die Förderung von Biotopbäumen 314’500 Franken kosten lassen. Für Hollenstein ist dieser Aufwand gerechtfertigt, gerade auch wenn er in Relation zu den Ausgaben für den Schutzwald gesetzt wird. Jährlich wird dafür 2 Millionen Franken ausgegeben. Für Biotopbäume sind es bisher durchschnittlich 73’000 Franken pro Jahr gewesen.

Lokales Projekt strahlt auf ganze Schweiz aus

Das Oberland weist aber noch viel mehr als die gut 200 vom Kanton geförderten Biotopbäume auf. Zu verdanken ist dies in erster Linie dem Engagement von Stefan Burch. Zusammen mit dem Umweltwissenschafter Dominik Scheibler hat der Revierförster von Wetzikon und Hinwil 2014 das Projekt «Dein Baum» ins Leben gerufen.

Dessen Ziel ist es, alte, monumentale und auch seltene Bäume im Wald zu erhalten. Je nach Baumart könnten diese mehrere hundert Jahre alt werden – wenn sie denn nicht vorher geschlagen werden. «Eine Buche, die 300 Jahre alt werden kann, wird zum Beispiel schon mit 100 Jahren geerntet. Dadurch stehen praktisch nur junge Bäume im Wald», erklärt Burch.

2017 wurde das lokale Projekt in einen eigenständigen Verein überführt und damit auch geografisch auf das ganze Mittelland ausgedehnt, wo die Enthusiasten den grössten Mangel an alten Bäumen orten.

Patensuche für Baummethusalems

Anders als beim Kanton wird der Erhalt dieser Bäume durch Patenschaften finanziert. Mit 120 bis 300 Franken, je nach Baum, wird eine Bestandesgarantie von fünf Jahren erreicht. Von den in 16 Gemeinden registrierten 706 alten, ökologisch wertvollen Bäumen sind aktuell 667 an Paten vergeben.

«Der Schuppige», «Die Welle» oder auch mal «Thronfolger» und «Gorgonzola» heissen die Exemplare, die alle online auf der Site www.deinbaum.ch zu finden sind – fein säuberlich mit Name, Baumart, genauem Standort, Alter, Durchmesser und natürlich einem prächtigen Bild zu finden sind. Und überall ist der Pate aufgeführt.  

 «Die Hohle, eine 100jährige Rotbuche im Wetziker Chämtnertobel, sucht noch einen Paten. (Aufs Bild klicken, um zur Übersicht zu kommen.)

Fast 380 dieser Prachtsexemplare sind in der Region zu finden. Einzelne etwa in Seegräben, Bauma, Fischenthal, Gossau, Schwerzenbach und Wald. 30 sind es auf Ustermer Boden, 50 in Rüti, 66 in Dübendorf und noch drei mehr in Wetzikon. Der absolute Spitzenreiter ist Hinwil. Auf dessen Territorium sind es mittlerweile 176 Bäume, die einen Paten gefunden haben.

Und die Zahl soll weiter zunehmen. Auf der Website sind noch einige Bäume zu finden, die Beschützer suchen.  

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