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Stadtmagazin «Uster Report» steht vor dem Aus

Sechmal pro Jahr erschien der «Uster Report» und wurde gratis in alle Ustermer Haushalte verteilt. Nun droht dem Stadtmagazin das Aus. Und die Suche nach einer neuen Trägerschaft gestaltet sich schwierig.

Erschien in einer Auflage von 19'000 Exemplaren sechsmal jährlicher: der «Uster Report».

Foto: PD

Stadtmagazin «Uster Report» steht vor dem Aus

30 Jahre lang flatterte der «Uster Report» in alle Ustermer Haushalte. In einer Auflage von 19’000 Exemplaren erschien das Stadtmagazin, das je einem Schwerpunktthema gewidmet war, sechsmal jährlich. Nun steht es womöglich vor dem Aus.

«Es tut weh, wenn eine Aufgabe, die man hatte, plötzlich wegfällt», sagt Ruedi Gysi. Der 83-Jährige schrieb während der letzten vier Jahre zahlreiche Gedichte für den «Uster Report».

Er sei auf diese in den Strassen der Stadt sogar angesprochen worden. «In der Redaktion hat niemand etwas vom Niedergang gewusst, es ging alles ganz schnell und plötzlich.»

Schwieriges wirtschaftliches Umfeld

Herausgeber des «Uster Report» ist die IEB Medien AG. Der kleine Verlag, welcher der Egger Fotorotar-Gruppe angeschlossen ist, hat neben dem Ustermer Stadtmagazin noch weitere gedruckte Lokalmedien in seinem Portfolio, so die Grüninger Post und die Mönchaltorfer Nachrichten.

Aufgrund des nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes hat die Verlegerschaft entschieden, die bisher von IEB Medien herausgegebenen Lokalpublikationen zu verselbstständigen. Lediglich der Druck verbleibt beim Mutterhaus FO-Fotorotar.

Während die Grüninger Post neu von Barbara Tudor, mit der Tudor Dialog GmbH auch Herausgeberin von zürioberland24.ch, publiziert wird, sucht der Mönchaltorfer Gemeinderat noch nach Lösungen.

Auch Mönchaltorf betroffen

Der Gemeinderat Mönchaltorf wurde im Mai 2022 von der FO-Fotorotar AG über die Absicht, die IEB Medien AG stillzulegen, informiert. Der Gemeinderat wie auch die Verwaltung hätten diesen überstürzten Entscheid überrascht und etwas konsterniert zur Kenntnis genommen.

Aus Sicht der Gemeinde Mönchaltorf sei klar, dass die Ära der viel geliebten und rege gelesenen Gemeindezeitschrift nicht enden dürfe, sondern in einer möglichst optimalen Form weitergeführt werden solle.

«Zurzeit läuft die finale Überarbeitung der Zusammenarbeitsvereinbarung mit den neuen Herausgebenden», sagt Urs Graf, Gemeindepräsident von Mönchaltorf. «Wir möchten das Verlagsmodell beibehalten, den Auftritt zeitgemäss gestalten und den Einbezug bisheriger bewährter Redaktionsmitglieder aus unserer Bevölkerung und die Erscheinungshäufigkeit beibehalten.»

Die Gemeinde sehe in der überraschenden Stilllegung die Chance für einen Neuanfang. «Und nach den Gesprächen mit den neuen Herausgebenden scheint es, dass der Rückzug der IEB Medien AG das Beste ist, was uns passieren konnte», sagt Graf. (erh)

Wie steht es aber um den Uster Report, für den als einzige Publikation noch keine neue Trägerschaft gefunden werden konnte? Ist die vierte Ausgabe des Uster Report gleichzeitig auch die letzte?

Corona und Inflation treffen die Branche

«Das weiss ich nicht», sagt Alfred Angst. Der Mitinhaber der Mattenbach Gruppe, einem Winterthurer Druck- und Medienunternehmen, übernahm vor zwei Jahren die Fotorotar-Gruppe mit dem IEB Verlag. «Wir haben damals die Gruppe vor dem coronabedingten Absturz bewahrt und in einer anspruchsvollen Rettungsaktion rund 110 regionale Arbeitsplätze gesichert.»

Das Jahr 2020 mit den durch die Corona-Pandemie verursachten Lockdowns traf die Druck- und Medienbranche mit voller Wucht. Viele Unternehmen verloren damals fast über Nacht − je nach Sektorabhängigkeit − zwischen 15 Prozent und 55 Prozent ihrer bisherigen Umsätze.

Sinkende Auflagen, die Sistierung von Werbekampagnen und die Absage von Events infolge Lockdowns etc. und dadurch resultierend fallende Verkaufszahlen für Inserate waren nicht das einzige Problem. Ein Jahr später führten gestörte Lieferketten zu einer dramatischen Kostenexplosion bei Rohstoffen wie Druckplatten (Anstieg um rund 100 Prozent) und Papier (Anstieg um 70 Prozent).

«Die IEB Medien AG hat als Kleinstverlag bereits seit einiger Zeit rote Zahlen geschrieben.»
Alfred Angst, Mitinhaber Mattenbach Gruppe

«Seit 2021 haben wir erstmals mit den Gemeinden und Trägervereinen gesprochen und nach möglichen Lösungen gesucht», erklärt Angst. Allerdings habe man aufgrund bereits seit Jahren bestehender fixer Verträge die inflationsbedingten Mehrkosten den Gemeinden nicht weitergeben können.

«Die IEB Medien AG hat als Kleinstverlag bereits seit einiger Zeit rote Zahlen geschrieben. Corona, gestörte Lieferketten, enorme Steigerung der Rohstoffkosten und der Wegfall der wichtigen Tourismuspublikation ‹Shopping & more› haben die grundsätzliche Ertragsschwäche akzentuiert», erklärt Angst.

Verlust in sechsstelliger Höhe

Der Mattenbach-Mitinhaber sagt, wie er an die Mitarbeitenden der Redaktionen der Lokalzeitungen herangetreten sei und ihnen angeboten habe, diese gratis in Eigenregie zu übernehmen und selbst herauszubringen.

«Wir bei Mattenbach können Produzieren, Drucken etc., aber nicht Schreiben. Deshalb kann ich – mit Blick auf die übernommene Kostenstruktur –  nicht beurteilen, ob die seinerzeitigen Journalistengehälter von IEB Medien branchenüblich oder zu hoch angesetzt waren.»

« Die IEB Medien AG war für einen Kleinstverlag personell sicher zu üppig dotiert, die Kosten insgesamt nicht im Lot. »
Alfred Angst

Angst zeigt sich derweil auch selbstkritisch. «Bei der Übernahme haben wir vielleicht auch nicht  vertieft genug hingeschaut . Die IEB Medien AG war für einen Kleinstverlag personell sicher zu üppig dotiert, die Kosten insgesamt nicht im Lot. Aufgrund der wirtschaftlichen Dringlichkeit im Corona-Herbst mussten wir uns auf die Schwergewichtsthemen fokussieren und Arbeitsplätze retten.»

An Weiterführung interessiert

Bis jetzt habe sich ein Verlust in der Höhe eines sechsstelligen Betrags angesammelt, den man wohl abschreiben werde. Im Sinne des Unternehmens sei es aber, dass die etablierten Verlagsprodukte unter neuer publizistischer Schirmherrschaft fortgeführt werden.

«Ich habe nie gesagt, dass wir mit den Zeitschriften Gewinn erwirtschaften müssen – jedoch sollten sich die Fehlbeträge einigermassen im Rahmen halten. Der Markt ist extremen Schwankungen ausgesetzt und Corona hat die ohnehin stattfindende Branchenkonsolidierung weiter beschleunigt.»

Angst hält fest: «Ich bin der Erste, der an einer Weiterführung dieser bestens eingeführten Lokalmagazine interessiert ist. Die Produkte geniessen eine breite Wertschätzung und Akzeptanz.»

Bedauern bei Stadtpräsidentin

Während es eine Fortführung für die Grüninger Post und Mönchaltorfer Nachrichten gibt, ist sie beim «Uster Report» nach wie vor unklar.

«Als wir die Stadtpräsidentin letztes Jahr fragten, was sie machen würde, falls der Report aus wirtschaftlicher Not eingestellt würde, sagte sie nur, das sei grundsätzlich kein Problem und eigentlich egal – denn die Stadt Uster decke den amtlichen Publikationsbedarf schwergewichtig anderweitig ab. Trotzdem wäre es ein herber Verlust – denn die Publikation sei allen zugänglich und werde weit um geschätzt.»

«Letztes Jahr als man uns die Situation darlegte, klang es noch nicht so dramatisch», sagt die Ustermer Stadtpräsidentin Barbara Thalmann angesprochen auf die kritische Situation beim «Uster Report».

«Wir haben unsere eigenen Kommunikationsmittel aufgebaut.»
Barbara Thalmann, Stadtpräsidentin Uster

«Es wäre sehr bedauerlich, sollte das Magazin, mit dem auch die Stadt Uster  eine gute Zusammenarbeit pflegte, eingestellt werden » Letztlich sei es aber so, dass für die Stadt eine Übernahme kein e Option ist , zumal die Stimmbevölkerung sich im Jahr 2019 für den Anzeiger von Uster als amtliches Publikationsorgan ausgesprochen habe .

«Als Stadt Uster möchten wir zeitnah, ausführlich und aktuell informieren. Aus diesem Grund haben wir unsere eigenen Kommunikationsmittel aufgebaut und können dadurch auch in direkten Dialog mit der Bevölkerung treten.»

Zukunftsgerichtete Lösung angestrebt

Derweil laufen weitere Verhandlungen mit Interessenten bezüglich einer Übernahme des Uster Report. «Ich bin für alles offen. Wir wollen für den Uster Report keinen Franken, sondern eine zukunftsgerichtete Lösung – quasi von der Region, für die Region», sagt Alfred Angst.

Wenn jemand Schreiben könne und schon immer einmal von der Herausgabe einer eigenen Zeitschrift geträumt habe, solle er sich melden. «Gerne sind wir bereit, den neuen Herausgebenden zu unterstützen, wo es nur geht. Sei es beim Korrektorat, Layout, selbstverständlich Druck, Inserate-Verkauf.»

Selbst einen kleinen Verlust nehme er in Kauf, sagt der Geschäftsführer des Winterthurer Unternehmens.

Gewerbeverband hat kein Interesse

Bereits jetzt ist jedoch klar, dass eine naheliegende Trägerschaft den «Uster Report» nicht übernehmen wird: Der Gewerbeverband Uster hat abgelehnt.

«Die Verantwortlichen haben mir erklärt, sie haben ihr eigenes Publikationsorgan und dieses wollen sie nicht konkurrenzieren oder in ein neues überführen.»

«Eine Fusion mit dem ‹Uster Report› kam für uns aus Formatgründen nicht infrage.»
Gerold Brütsch-Prévôt, ehemaliger Vizepräsident des Gewerbeverbands Uster

Gerold Brütsch-Prévôt, ehemaliger Vizepräsident des Gewerbeverbands und Redaktor der Gewerbezeitung, sagt: «Eine Fusion mit dem ‹Uster Report› kam für uns aus Formatgründen nicht infrage.»

Der Gewerbeverband wolle eine Zeitung im Zeitungsformat herausbringen. «Plötzlich ein Magazin zu veröffentlichen wollten wir nicht, das hätte nicht zu unserer fünfjährigen Tradition gepasst.»

Natürlich fände auch er es schade, wenn der «Uster Report» eingestellt würde. «Die Redaktion hat immer viel Herzblut in ihre Texte gesteckt, Schwerpunkte gesetzt.»

Fortbestehen ungewiss

So bleibt weiterhin unklar, wie es mit dem «Uster Report» weitergeht.«Es konnte bislang noch keine Lösung für die Fortführung gefunden werden, da weder der Gewerbeverein Uster noch die Stadt Uster sich aktiv engagieren wollen und beide Körperschaften eigene Publikationsorgane nutzen», erklärt Alfred Angst.

«Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine Aussage darüber machen, ob und wann weitere Ausgaben erscheinen werden und wer gegebenenfalls künftig die Trägerschaft übernimmt.»

Ruedi Gysi hat indes kein Interesse, die Zeitschrift herauszugeben, auch wenn es ihm Angst angeboten hat. «Dafür bin ich einfach zu alt», erklärt Gysi und lacht.

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