Perseidenschauer am Bachtel – die Siegergeschichte
Wir wollten von der Leserschaft wissen, welche Geschichte hinter den drei Bildern steckt. Das ist die beste Geschichte.
Perseus trifft Apollo auf dem Stern Mirfak
Mutter Hanny mit ihrer fünfjährigen Tochter Su stiegen keuchend die 166 Stufen zur Aussichtsplattform des Bachtelturmes hoch. Su hatte ihre Lieblingspuppe Fanny unter den Arm geklemmt und erklomm mühsam, dauernd nörgelnd und schimpfend die Tritte, die nach oben führten. Hanny wollte zusammen mit Su vom Bachtelturm aus, im Südwesten das Feuerwerk des Rapperswiler Seenachtfests anschauen – meinte damit, ihrer Tochter eine kleine Freude zu machen.
Auf halber Höhe aber warf Su, völlig entnervt, kreischend und schreiend, die Puppe Fanny zornig vom Turm hinunter.
Die Griechischen Götter, Perseus und Apollo beobachteten vom hellsten Stern des Sternbildes Perseus, Mirfak, kopfschüttelnd die Szene, die sich im Turm abspielte. Perseus, der das Ungeheuer Medusa, deren Kopf Schlangen anstatt Haare zierten, in heroischem Kampf für immer zum Schweigen brachte, indem er sie mit seinem Schild enthauptet hatte, war entrüstet. Apollo, der Griechische Gott des Feuers und des Lichts, nickte Perseus zu und sagte: «Wir müssen etwas unternehmen.»
Mutter und Tochter schritten schwer atmend die letzten Stufen hinauf und schauten vom Aussichtsturm zum Himmel hoch und in die Weite, um die Bilder des Feuerwerks zu bestaunen. Aus dieser Distanz waren die künstlichen Blitze, die glitzernden Sternchen und das farbenfrohe Glimmern kaum zu erkennen. Weisslicher Rauch verdeckte zumeist die Himmelshow. Was für eine Enttäuschung. Hanny und Su drehten sich nach Norden: Was für ein Spektakel auf dieser Seite am sternenklaren Nachthimmel. Perseus und Apollo liessen Sternschnuppen zur Erde hinunterregnen. Wie hell die Perseiden leuchteten und ebenso schnell wieder erloschen. Das war gleichzeitig phantastisch, eindrucksvoll und wunderschön. Wunderbar, das erleben zu dürfen.
Hanny und Su strahlten einander glücklich an, fast so froh, wie der hell leuchtende Stern Mirfak, der sein Licht vom All zur Erde schickte. Perseus sandte auf einmal eine grosse, lange und intensiv grell glimmende Sternschnuppe, die direkt in die am Boden des Bachtelturmes liegende Puppe Fanny einschlug. Mit einer Stichflamme wurde sie in Brand gesetzt. Perseus mochte diese Puppe nicht. Sie erinnerte ihn an Medusa.
Hanny und Su erschraken und eilten mit schnellen Schritten die Treppe hinunter zum Fuss des Turmes. Da entdeckten sie die kümmerlichen Überreste der angesengten Fanny. Beide waren geschockt, weinten hemmungslos und versuchten, sich gegenseitig zu trösten. Nochmals schauten sie hoch zum Himmel. Sie erinnerten sich daran, dass man sich etwas wünschen darf, im Augenblick, wenn man eine Perseide sieht.
Fanny soll wieder gesund auferstehen, ein Wunder soll geschehen – das wünschten sich Hanny und Su und blickten erwartungsvoll hoch zum Stern Mirfak und dem Nachthimmel mit seinem leuchtenden Schauspiel.
Apollo schickte darauf ein grelleres, noch gleissenderes Licht zur Erde, laserte damit die Puppe Fanny und liess sie wieder leben. Der Wunsch wurde auf wundersame Weise erfüllt.
Su hob ihre Puppe nun liebevoll auf, umarmte ihre Fanny, umklammerte fest ihre Mutter und klemmte dann das Püppchen wieder unter den Arm und liess es seitdem nie mehr los.
Autor: Markus Fisch aus Wetzikon

