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So erfolgreich sind Lehrerstellen in der Region besetzt

Am Montag beginnt das neue Schuljahr. Aufgrund des Lehrpersonenmangels können auch Personen ohne Diplom unterrichten. Wie gehen die Schulen im Oberland damit um?

Am Montag startet das neue Schuljahr. In den letzten Wochen sorge vor allem der Mangel von Lehrpersonen für Diskussionen.

Foto: Keystone

So erfolgreich sind Lehrerstellen in der Region besetzt

Das erste Mal den Chindsgi-Bändel um den Hals hängen, das erste Mal hinter dem Schulpult sitzen, das erste Mal mit dem ÖV in die Sekundarschule fahren: ein neuer Abschnitt steht bevor.

Am Montag beginnt für eine Rekordzahl von über 157’500 Kindern und Jugendlichen an der öffentlichen Volksschule des Kantons Zürich das neue Schuljahr.

Für Gesprächsstoff in den letzten Wochen und Monaten hat vor allem der Lehrpersonenmangel gesorgt. Ende Juni waren noch über 450 Stellen ausgeschrieben, eine Woche vor Schulbeginn sind nun noch sechs Stellen offen.

Wegen des grossen Bedarfs konnten die Schulen nach einem Beschluss der Bildungsdirektion des Kantons Zürich auch auf Personen ohne Lehrdiplom zurückgreifen. Nach einer vorläufigen Auswertung sind dies anteilsmässig wenige. So verfügen von den gut 17’600 Anstellungen nur rund 330 Personen über kein Lehrdiplom. Diese arbeiten durchschnittlich mit einem Pensum von 45 Prozent.

Wie präsentiert sich heute die Situation in der Region? Müssen Eltern besorgt sein, über mögliche Qualitätseinbussen beim Unterricht? Und wie werden sie über die Situation informiert? Ein Überblick.

Illnau-Effretikon

Im Gegensatz zum letzten Schuljahr gibt es an der Primarschule in Illnau-Effretikon eine Klasse weniger, die Anzahl der Klassen auf Sekundarschule blieb gleich.

Samuel Wüst, der für das Ressort Bildung zuständige Stadtrat (SP), hält fest, dass sich das Such- und Rekrutierungsverfahren für neue Lehrpersonen als besonders herausfordernd erwies, vor allem für die Schulleitungen und Personaladministration. Dies, weil unvollständige Unterlagen und Bewerbungen von unqualifizierten Personen eingegangen seien.

Wie sieht es mit Personen ohne Lehrdiplom aus, die aufgrund des Mangels angestellt werden dürfen? Fünf Lehrpersonen mit Teilzeitanstellung verfügen nicht über ein Volksschullehrdiplom und sind nicht im Studium zur Volksschullehrperson.  

Samuel Wüst

«Sie verfügen jedoch alle über ein abgeschlossenes Studium und Erfahrung in der Volksschule, z.B. als Klassenassistenz oder an einer anderen Ausbildungsstätte, zum Beispiel einer Berufsschule», sagt Wüst. Zudem gebe es aktuell zwei Lehrpersonen, die den sogenannten Quest-Lehrgang an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) für Quereinsteigende absolvierten.

Klassenlehrpersonen und Fachlehrpersonen mit hohen Pensen stellen sich den Eltern an den Elternabenden anfangs Schuljahr vor. Dies betreffe auch die Lehrpersonen ohne Volksschuldiplom.

«Generell sind die Personen sorgfältig ausgewählt und sie werden individuell und institutionell von der Schulleitung, dem Team und Lehrpersonen mit besonderer Funktion unterstützt.» So würden die Funktion beziehungsweise die zugeteilten Fächer entsprechen dem Erfahrungs- und Ausbildungsprofil der Personen entsprechen.

Wüst hält fest: «Insgesamt kann damit die fachliche und organisatorische Qualität des Unterrichts sichergestellt werden.»

Pfäffikon

In Pfäffikon ist die Anzahl der Primarschulklassen um zwei gestiegen, im Kindergarten gibt es eine Gruppe weniger. Auf Sekundarstufe ist die Klassenquantität gleich geblieben.

«Im Rekrutierungsprozess für das Schuljahr 2022/23 zeigte sich der Lehrpersonenmangel für die Schule Pfäffikon vor allem bei den zwei Mehrjahrgangsklassen: 1. bis 3. Klasse Unterstufe sowie 4. bis 6. Klasse Mittelstufe in Auslikon», wie Dominique Dubs, Leiter Schulverwaltung auf Anfrage erklärt. Beide Stellen hätten nicht durch ausgebildete Lehrpersonen besetzt werden können, weshalb es zu einer angepassten Klassenorganisation kam.

In Auslikon werden neu zwei Doppelklassen (1. / 2. Klasse und eine 3. / 4. Klasse) geführt. Die Fünf- und Sechstklässler aus Auslikon wurden 5. und 6. Klassen im Schulhaus Mettlen zugeteilt. «Mit dieser Lösung konnte gewährleistet werden, dass sämtliche Schülerinnen und Schüler den Unterricht bei ausgebildetem Lehrpersonal besuchen können», sagt Dubs.

Für das kommende Schuljahr gibt es eine Quereinsteigende, was auch dem Schnitt der letzten Jahre entspreche. Die betreffende Person ist bereits seit einem Jahr angestellt, hat im Januar 2020 mit den Quest-Lehrgang an der PHZH gestartet und wird diesen nächstes Jahr abschliessen.

Es sei in Pfäffikon üblich, dass sich die neuen Lehrpersonen mittels Elternbrief kurz vorstellen. «In der Vergangenheit wurde jeweils offen und transparent über den aktuellen Ausbildungsstand berichtet», erklärt Dubs.

Auch bei schulorganisatorischen Anpassungen wie in Auslikon, würden sämtliche Eltern jeweils schriftlich informiert. «Für die betroffenen Eltern der Fünf- und Sechstklässler gab es zudem einen Austausch mit der Schulleitung sowie einem Behördenmitglied der Schulpflege.» 

Turbenthal

Entgegen dem kantonalen Trend besuchen dieses Jahr weniger Schülerinnen und Schüler in die Primarschule Turbenthal als noch im vergangenen Sommer. Letztes Jahr starteten 503 Kinder ins Schuljahr, heuer sind es 476 Schülerinnen und Schüler.

«Wir hatten in den letzten Jahren einen starken Anstieg der Schülerzahlen, zumindest für dieses Jahr haben wir nun eine gewisse Entspannung», sagt Primarschulpräsident Ueli Laib (parteilos).

Einen leichten Anstieg gibt es hingegen bei der Sekundarschule Turbenthal-Wildberg. 172 Jugendliche werden dort im nächsten Jahr die Schulbank drücken. Das sind 15 mehr als noch 2021. «Darunter sind sieben Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine, die nun in eine reguläre Klasse kommen», sagt Schulpräsident Bruno Pfenninger (FDP).

«Der Lehrermangel ist keine neue Situation.»
Ueli Laib, Primarschulpräsident Turbenthal

In Turbenthal werden alle Schülerinnen und Schüler von Lehrpersonen mit einer abgeschlossenen Ausbildung unterrichtet. Personen ohne Diplom arbeiten im kommenden Schuljahr keine – weder an der Sekundarschule noch der Primarschule.

«Der Lehrermangel ist keine neue Situation», betont Primarschulpräsident Ueli Laib. Doch bisher habe man das an der Primarschule Turbenthal nicht stark gespürt.

«Wir brauchten dieses Jahr aber etwas länger, um eine Stelle zu besetzen», fügt er hinzu. Eine Person ohne abgeschlossene Ausbildung vor eine Klasse zu stellen, sei aber keine Option gewesen.

Die Sekundarschule hatte nur eine offene Stelle fürs kommende Schuljahr – und keine Probleme, eine Lehrperson zu finden. «Das liegt sicher auch am guten Arbeitsumfeld, das wir bieten können», vermutet Schulpräsident Pfenninger.

Wetzikon

In Bezug auf das vergangene Schuljahr sind in Wetzikon vier neue Klassen entstanden, drei auf Primar-, eine auf Sekundarstufe. Auf Kindergartenstufe gibt es eine Klasse weniger.

Wie gestaltete sich hier die Suche nach neuen Lehrpersonen? «Wir mussten mehrmals und vermehrt inserieren und gingen auch neue Wege. So wurden Flyer an der Pädagogischen Hochschule verteilt», erklärt Marcel Gamper, Bereichsleitung Schulische Dienste.

Momentan seien fünf Quereinsteigende angestellt, welche aber allerdings noch in Ausbildung seien. «Alle Personen verfügen über einen pädagogischen Hintergrund», hält Gamper fest.

Uster

Auf Primarschulstufe hat sich die Klassenanzahl in Uster vergrössert. Sie beträgt ohnie die heilpädagogische Schule 109, im letzten Schuljahr waren es 106. Gesunken ist die Anzahl der Kindergartenklassen um zwei auf 37. In der Sekundarstufe ist die Klasenanzahl um eins auf 40 gestiegen.

«Wie im ganzen Kanton war die Stellenbesetzung sehr schwierig», sagt Patricia Bernet, Präsidentin der Primarschule Uster. «Dank eines Kurzvideos konnten wir viele Personen ansprechen und wurden auch in den Medien erwähnt.» Darauf hätten sich gut qualifizierte Lehrpersonen gemeldet und noch vor den Ferien alle Stellen besetzt werden können.

Primarschule Uster sucht mit Video «coole» Lehrpersonen

02.06.2022

Wegen Personalmangel

Überall im Kanton Zürich und der Region wird händeringend nach Lehrpersonen gesucht. Beitrag in Merkliste speichern Fünf Personen ohne Lehrdiplom wurden eingestellt. «Die meisten haben einen pädagogischen Hintergrund und werden eine entsprechende Ausbildung machen», erklärt Bernet.

An Elternabenden würden Eltern durch Schulleitungen und Klassenlehrpersonen über die Hintergründe der neu Angestellten informiert und Unterstützungsmassnahmen wie Coaching oder PHZH-Kurse mitgeteilt. «Wir gehen davon aus, dass alle Mitarbeitenden gute Arbeit leisten. Mit der Ausbildung der PHZH und den internen Coachings werden die Neuen eng begleitet», sagt die Primarschulpräsidentin.

Dübendorf

An der Primarschule Dübendorf konnten alle vakanten Stellen für Klassenlehrpersonen besetzt werden, wie die zuständige Leiterin Bildung, Karin Zulliger, erklärt. Effektiv unterrichten im neuen Schuljahr zehn Personen ohne Diplom an der Primarschule. Gemäss Zolliger stammen jedoch alle aus schulnahen Berufen.

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