«Die Schulentwicklung bleibt vorerst auf der Strecke»
Herr Zambotti, vor den Sommerferien waren in der Schule Egg 600 Stellenprozent offen. Wie sieht die Situation heute aus?
Claudio Zambotti: Wir konnten alle Stellen besetzen. Unsere grösste Sorge, offene Stellen zum Schulanfang zu haben, ist somit nicht eingetreten. Aber es war eine stressige Zeit.
Inwiefern?
Die Schulleitungen hatten praktisch keine Ferien. Sie mussten Bewerbungsgespräche mit Kandidierenden im Ausland via Video-Konferenz führen. Es wurden zudem Abmachungen nicht eingehalten, eine Vikarin sprang trotz Zusage in der ersten Ferienwoche ab. Die Rekrutierung hat von uns allen viel abverlangt.
«Ich muss gestehen, es graut mir, wenn es wirklich so weitergeht.»
Wie konnten Sie letztlich die Stellen für Klassenlehrpersonen besetzen?
Mit Personen in Ausbildung, Quereinsteigenden, die zwar einen Abschluss für Gymnasialunterricht haben, aber noch nie mit Kindern zu tun hatten. Wir mussten bei uns zum Glück niemanden ohne Diplom und pädagogischen Hintergrund einstellen. Uns haben zwar Bewerbungen erreicht und wir waren auch offen dafür, haben sogar Probe-Unterricht abgehalten. Aber bestehende Lehrpersonen haben ihre Pensen aufgestockt und an einem Ort unterrichtet jetzt sogar auch die Schulleitung – was nicht ideal ist.
Ist die derzeitige Situation einmalig oder rechnen Sie nächstes Jahr mit denselben Problemen?
Ich muss gestehen, es graut mir, wenn es wirklich so weitergeht. Allerdings kann das zurzeit niemand sagen. Eine Kristallkugel habe auch ich nicht. (lacht) Jetzt müssen wir erstmal schauen, wie sich die neuen Lehrpersonen machen, sie begleiten und unterstützen. Dafür bleibt aber halt die Schulentwicklung vorerst auf der Strecke.
«Ohne Lehrpersonen kann keine Schulentwicklung vorangetrieben werden.»
Droht damit aber nicht ein Qualitätsproblem beim Unterricht?
So drastisch würde ich das nicht sehen. Allerdings ist es schon so, dass im ersten Halbjahr normalerweise der Fokus auf die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht gelegt werden kann. Diese Ressourcen haben wir dieses Jahr aber nicht. Als der für Bildung zuständige Leiter muss ich die neuen Lehrpersonen führen, das ist wichtiger. Und ohne Lehrpersonen kann auch keine Schulentwicklung vorangetrieben werden.
Sie hatten als Lösung für das Problem des Lehrermangels vorgeschlagen, Studierende der PH im letzten Jahr an die Schulen zu holen. Was hat Sie bislang für ein Echo erreicht?
Von der Pädagogischen Hochschule Zürich habe ich nichts gehört. Allerdings hat mir der Schulleiterverband gesagt, dass er die Idee prüft. Es laufen auf jeden Fall Gespräche. Und was ich gehört habe, ist, dass eine alte Idee, die vor einigen Jahren bei der ersten Krisensituation entstand, wieder aus einer Schublade gezogen wurde.
Vorschlag von Oberländer Experten könnte den Lehrermangel abfedern
17.06.2022

Pädagogikstudenten als Lösung
Die Listen der offenen Stellen bei den Schulen in der Region sind teilweise lang. Beitrag in Merkliste speichern Die da wäre?
Die Möglichkeit, direkt zu 50 Prozent in die Praxis einzusteigen, sprich zu unterrichten und nebenbei zu den anderen 50 Prozent die Ausbildung zur Lehrperson zu absolvieren. Wenn das im Tandem gemacht würde, hätten die Schulen eine Vollzeitstelle und die angehenden Lehrkräfte viel Praxiserfahrung für einen soliden Lohn.
